Israels Premier Netanjahu © Uriel Sinai/Getty images

Stürzt Ägyptens Präsident Hosni Mubarak, verliert Israels Premier Benjamin Netanjahu seinen einzigen arabischen Verbündeten. Eine Realität, auf die sich Netanjahus rechte Regierung wohl bald wird einstellen müssen. Ägyptens Präsident hat über seine gesamte Regierungszeit, bislang sind es fast 30 Jahre, in der politisch explosiven Nahost-Region durch eine geschickte Außenpolitik für Stabilität gesorgt. Dessen ist man sich vor allem in Jerusalem bewusst, auch wenn Mubarak innenpolitisch undemokratisch regiert. Ohne Mubarak könnte Netanjahu in der Nachbarschaft ganz allein dastehen.

Jordanien, neben Ägypten das einzige Land in Nahost, das einen Friedensvertrag mit Israel unterschrieben hat, sieht die rechte Regierung Israels kritisch. König Abdullah II. hat in den vergangenen zwei Jahren ein Treffen mit Netanjahu verweigert. Mit Unterstützung im Friedensprozess kann Israel aus Amman momentan aber sowieso nicht rechnen. Denn Jordanien ist wegen der aufkeimenden Demokratiebewegung im Nahen Osten sehr mit sich selbst beschäftigt. Wegen der anhaltenden Proteste hat König Abdullah gerade erst die Regierung abgesetzt.

Auch die Türkei, ehemals Verbündeter Nummer Drei in der islamischen Welt, hat unter der Regierung von Premier Tayyip Erdoğan eine israelkritische Außenpolitik begonnen. Ausschlaggebend waren dafür besonders Israels Angriff auf den Gaza-Streifen Ende 2009 sowie die Attacke auf die Gaza-Flottille mit zahlreichen türkischen Aktivisten an Bord. Die türkische Außenpolitik berücksichtigt nun Länder wie Syrien und Iran, zu denen Israel angespannte bis feindliche Beziehungen unterhält. 

Und damit nicht genug, fühlt man sich in Israel auch von den USA im Stich gelassen. Zuletzt hatte Präsident Barack Obama seinen Wunsch nach einem geordneten Übergang in Kairo ausgedrückt. Das verstärkte in Israel die Sorge, dass die USA ein Ende der Ära Mubarak zu wenig unter regionalen Stabilitätsgesichtspunkten sähen. "Die Amerikaner und die Europäer lassen sich von der öffentlichen Meinung mitreißen und haben nicht ihre echten Interessen vor Augen", sagte ein israelischer Regierungsvertreter. "Selbst wenn sie Mubarak kritisch sehen, müssen sie ihren Freunden das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind. Jordanien und Saudi Arabien sehen die Reaktionen im Westen, wie alle Mubarak fallen lassen, und dies wird sehr ernsthafte Auswirkungen haben."

Israels führende Politiker halten sich bislang auffällig zurück mit Bemerkungen zu den Tumulten in Ägypten. Auch hat Jerusalem keine Möglichkeiten, hier Einfluss zu nehmen. Doch soll Israel den Westen dazu gedrängt haben, seine Kritik an dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zu dämpfen . Die größte Sorge ist, dass nach Mubarak eine zumindest israelkritische, wenn nicht gar israelfeindliche Regierung in Kairo an die Macht kommt.

Die Beziehungen zwischen Mubaraks Ägypten und Israel waren niemals innig, im Gegenteil. Es herrschte eine Art frostiger Frieden, der aber ganz im gegenseitigen strategischen Interesse stand. Nach vier Kriegen zwischen 1948 und 1973 besuchte Anwar el-Sadat 1977 als erster Präsident Ägyptens Israel, 1979 schloss man den Friedensvertrag. Nach Sadats Ermordung durch radikale Islamisten 1981 herrscht nun seit 30 Jahren sein Ex-Vize Mubarak.

Die Bedeutung Kairos für Israel unterstreicht, dass Mubarak in diesem Zeitraum nur einmal in Israel war – zur Trauerfeier von Premier Jitzhak Rabin –, während die Premiers des Nachbarn regelmäßig in Kairo vorstellig wurden. Netanjahu besuchte in den vergangenen Monaten allein zwei Mal Ägypten. Der Frieden mit Kairo zahlte sich zudem finanziell aus. In dem Wissen, dass im Süden keine direkte militärische Bedrohung mehr ist, hat Israel seine Verteidigungsausgaben von 23 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in den 1970er Jahren auf nur noch neun Prozent heute reduziert.