Nach der Revolution Kairo kehrt zurück zur Normalität
Nach 18 Tagen Ausnahmezustand braust wieder der Verkehr um den Tahrir-Platz. Junge Mubarak-Bezwinger räumen auf, während das Militär die Verfassung außer Kraft setzt.
© John Moore/Getty Images

Autos und Menschen auf dem Tahrir-Platz, dem Zentrum der ägyptischen Revolution
Zum ersten Mal seit zwei Wochen hält die Metro wieder am Tahrir-Platz. Nur der beißende Fäkalgeruch in den unterirdischen Fußgängerröhren erinnert noch an die 18 Tage Ausnahmezustand über der Erde. Oben packen die Demonstranten zusammen, die Barrikaden sind verschwunden. Geschwader junger Leute mit bunten Plastikbesen, Kehrschaufeln und Müllsäcken sind eifrig unterwegs. Blechlawinen von Autos bahnen sich hupend ihren Weg, vorerst dirigiert von Militärpolizisten. Einige der Reisebüros haben wieder geöffnet, Kunden gibt es nicht, schwatzend stehen die Inhaber mit einem Glas Tee in der Türe. "Das Geschäft ist erst einmal kaputt", sagt einer. "Aber es hat sich gelohnt."
Gegenüber auf der anderen Straßenseite hängt eine lange Galerie mit Plakatfotos von Toten – die meisten sind junge Männer, einige mit schrecklich verstümmelten Gesichtern. Am Tag zwei nach der Revolution zieht auf dem Platz der Befreiung erstmals wieder ein Stück Normalität ein. Die Tonnen von Wurfsteinen, mit denen der Asphalt übersäht war, sind verschwunden, fast alle Parkanlagen bereits säuberlich geharkt, sogar die Bäume frisch gewässert. Nur der gelbe Rasen erinnert noch an die Zeltlager der Mubarak-Bezwinger.
Junge Frauen stehen zum Blutspenden an, der "National Blood Transfusion Service" hat zwei ambulante Stationen geschickt. Und das Polizeihäuschen, das Freitagnacht noch umgekippt als Barrikade diente, steht heute wieder makellos weiß und frisch gestrichen auf seinem angestammten Platz.
Auch das Stück Bürgersteig, wo der Chirurg Mohamed Zanan unter einer Plastikplane Schusswunden und Messerstiche versorgt hatte, liegt verlassen in der Mittagssonne. An manchen Stellen der angrenzenden Hauswand hat sich etwas Farbe gelöst, dort, wo seine Helfer mit Klebeband die Plastiktüten befestigt hatten, in denen Mullbinden, Verbandszeug und Schmerztabletten steckten. Hauptberuflich arbeitet der 48-Jährige in einem Medizinkonzern, in seiner Freizeit leitet er eine "Wohltätigkeitsklinik" am Stadtrand von Kairo, wo sich die Armen für umgerechnet 80 Eurocent behandeln lassen können. Offiziell habe der Oberste Militärrat zwar jetzt den Staat übernommen, sagt er. "Doch die Macht, die hat das Volk. Und wir werden keine Rückkehr nach 1952 erlauben”, fügt er hinzu in Anspielung auf den Militärputsch der freien Offiziere unter dem späteren Präsidenten Gamal Abdel Nasser. "Unser erstes Ziel haben wir erreicht", sagt er. "Aber wir werden wachsam bleiben und die Versprechungen der Armee, auf die Reformen aufzupassen, an ihren Taten messen."
Nicht überall in Kairo blieb es am Sonntag so friedlich wie im Epizentrum der ägyptischen Revolution. Nahe dem berüchtigten Innenministerium gerieten Soldaten mit Polizisten aneinander, die für höhere Löhne und die Wiederherstellung ihres Ansehens demonstrierten. Erst, als die Soldaten Warnschüsse in die Luft feuerten, beruhigten sich die Ordnungshüter wieder. "Wir sind keine Verräter", riefen sie und forderten die Exekution des früheren Innenministers Habib al-Adly. Dessen Vermögen ist inzwischen beschlagnahmt. Er darf das Land nicht verlassen, genauso wie der langjährige Premierminister Ahmed Nazif und der notorische, am Samstag zurückgetretene Informationsminister Anas al-Fiki. Dieser ist verantwortlich für die Hetzkampagnen der vergangenen Tage gegen die Demonstranten und ausländischen Journalisten.
Derweil schlug das Oberkommando der Armee am Wochenende politisch die wichtigsten Pflöcke ein. Das Parlament wurde aufgelöst und die Verfassung außer Kraft gesetzt – und damit zwei der politischen Hauptforderungen der Mubarak-Gegner erfüllt. Ein spezieller Verfassungsrat, dessen Mitglieder noch nicht feststehen, soll Änderungen vorbereiten und sie dann dem Volk zur Abstimmung vorlegen. Ägypten werde alle seine internationalen Verträge weiter anerkennen, darunter den 1979 geschlossenen Friedensvertrag mit Israel, hatten die Generäle bereits am Samstag verkündet. Und sie legten fest, dass die von Hosni Mubarak vor zwei Wochen ernannte Regierung geschäftsführend im Amt bleibt – bis zu den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im August oder September.
- Datum 13.02.2011 - 18:14 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 20
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Es ist nur zu hoffen, dass die rechtliche Gleichstellung aller kommt, unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht. Wenn das nicht von allen Beteiligten gefordert wird, auch von der Opposition, dann ist es kein demokratischer Standpunkt, denn Demokratie ist nicht nur freie Wahlen, sondern auch gleichberechtigte Teilnahme aller. Dafür sollte die von der islamischen Weltgemeinschaft herausgegebene sogenannte islamische Menschenrechtserklärung (ISBN 3865731651) beseitigt werden, nach der die islamische Scharia über den Menschenrechten steht und Andersgläubige nicht die gleichen Rechte haben dürfen, während Frauen nur gleichwertig sind aber nicht gleichberechtigt. Es kann kein islamischer Staat und keine islamische Oppositionsbewegung demokratisch genannt werden, die sich nicht zur Gleichberechtigung aller bekennen und von der bisherigen Erklärung der islamischen Weltgemeinschaft entsprechend distanzieren. Bitte alle mithelfen für wahre Demokratie mit echten Demokraten!
Hat es nirgendwo ..und schon garnicht in einem Land in dem nun das Volk das Sagen hat.
Und hören Sie bitte mit dem erhobenen Zeigefinger auf!
Ihre engstirnige Deutungshoheit über Demokraten und Nichtdemokraten (nach ihrer Definiton können Muslime -wohlgemerkt Muslime - keine echten Demokraten sein) beleidigt jeden Ägypter,zumal das dieselben sind die noch vor ein paar Wochen bedingungslos eine erdrückende Diktatur unterstützt haben.
Schön, dass Sie schon so viele Forderungen stellen. Denn die Europäer haben ja das Prinzip der Demokratie verstanden, siehe Italien, Belgien. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau haben wir übrigens auch noch nicht erreicht.
Bevor wir also mithelfen, sollten wir die Ägypter erst einmal selbst machen lassen und ihr eigenes Konzept von Demokratie kreiren lassen. Es gibt genug Denker, die Staatskonzepte vorlegen, in der die Modernisierung der Sharia angestrebt wird und die Menschenrechte über dem islamischen Recht steht. Das ihre Demokratie nicht so aussehen wird wie in Europa ist anzunehmen, aber das hat nichts zu heißen.
Hat es nirgendwo ..und schon garnicht in einem Land in dem nun das Volk das Sagen hat.
Und hören Sie bitte mit dem erhobenen Zeigefinger auf!
Ihre engstirnige Deutungshoheit über Demokraten und Nichtdemokraten (nach ihrer Definiton können Muslime -wohlgemerkt Muslime - keine echten Demokraten sein) beleidigt jeden Ägypter,zumal das dieselben sind die noch vor ein paar Wochen bedingungslos eine erdrückende Diktatur unterstützt haben.
Schön, dass Sie schon so viele Forderungen stellen. Denn die Europäer haben ja das Prinzip der Demokratie verstanden, siehe Italien, Belgien. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau haben wir übrigens auch noch nicht erreicht.
Bevor wir also mithelfen, sollten wir die Ägypter erst einmal selbst machen lassen und ihr eigenes Konzept von Demokratie kreiren lassen. Es gibt genug Denker, die Staatskonzepte vorlegen, in der die Modernisierung der Sharia angestrebt wird und die Menschenrechte über dem islamischen Recht steht. Das ihre Demokratie nicht so aussehen wird wie in Europa ist anzunehmen, aber das hat nichts zu heißen.
dann die Ägypter etwas ganz großes geschehen lassen!
Ägypten scheint gerade dabei zu sein für die erstaunte Welt ein ganz neues Kapitel "Demokratiegeschichte" zu schreiben.
Das verspricht spannend zu werden - für uns alle!
Ägypten scheint gerade dabei zu sein für die erstaunte Welt ein ganz neues Kapitel "Demokratiegeschichte" zu schreiben.
Das verspricht spannend zu werden - für uns alle!
Hat es nirgendwo ..und schon garnicht in einem Land in dem nun das Volk das Sagen hat.
Und hören Sie bitte mit dem erhobenen Zeigefinger auf!
Ihre engstirnige Deutungshoheit über Demokraten und Nichtdemokraten (nach ihrer Definiton können Muslime -wohlgemerkt Muslime - keine echten Demokraten sein) beleidigt jeden Ägypter,zumal das dieselben sind die noch vor ein paar Wochen bedingungslos eine erdrückende Diktatur unterstützt haben.
Komische Ansichten haben Sie schon. Ich schrieb in 1., dass niemand Demokrat sein kann, der nicht akzeptiert, dass zur Demokratie die gleichberechtigte Teilnahme aller gehört, unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht. Sie machen daraus, dass Muslime keine Demokraten seien nach meinen Worten. Damit hätten Sie nur recht, wenn Muslime grundsätzlich nicht mit der Gleichberechtigung aller Menschen übereinstimmen können. Diese Behauptung stammt dann aber von Ihnen! Wollten Sie das wirklich sagen??? Dann könnte ich natürlich verstehen, dass Sie die Forderung nach rechtlicher Gleichstellung aller Menschen als erhobenen Zeigefinger betrachten. Mit Demokratie und Menschenrechten nach UNO, EU und Grundgesetz hätten Sie dann aber keine Übereinstimmung - wie sieht es nun aus damit bei Ihnen?
nennen Sie es, wenn für Demokratie die gleichberechtigte Teilnahme aller Menschen gefordert wird, unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht. Mit Ihrer Darstellung behaupten Sie implizit, dass keine Form des Islam und schon gar nicht das islamische Volk sich mit der rechtlichen Gleichstellung aller Menschen abfinden könne. Ein außerordentlich undemokratischer Standpunkt, sowohl was Ihre Bewertung des Islam angeht, als auch was Ihre eigene Positionierung angeht. Es bleibt dabei, dass niemand Demokrat sein kann, der die rechtliche Gleichstellung aller Menschen nicht akzeptiert, und wenn Sie selbst das nicht tun, sind Sie auch kein Demokrat, so ist leider.
Komische Ansichten haben Sie schon. Ich schrieb in 1., dass niemand Demokrat sein kann, der nicht akzeptiert, dass zur Demokratie die gleichberechtigte Teilnahme aller gehört, unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht. Sie machen daraus, dass Muslime keine Demokraten seien nach meinen Worten. Damit hätten Sie nur recht, wenn Muslime grundsätzlich nicht mit der Gleichberechtigung aller Menschen übereinstimmen können. Diese Behauptung stammt dann aber von Ihnen! Wollten Sie das wirklich sagen??? Dann könnte ich natürlich verstehen, dass Sie die Forderung nach rechtlicher Gleichstellung aller Menschen als erhobenen Zeigefinger betrachten. Mit Demokratie und Menschenrechten nach UNO, EU und Grundgesetz hätten Sie dann aber keine Übereinstimmung - wie sieht es nun aus damit bei Ihnen?
nennen Sie es, wenn für Demokratie die gleichberechtigte Teilnahme aller Menschen gefordert wird, unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht. Mit Ihrer Darstellung behaupten Sie implizit, dass keine Form des Islam und schon gar nicht das islamische Volk sich mit der rechtlichen Gleichstellung aller Menschen abfinden könne. Ein außerordentlich undemokratischer Standpunkt, sowohl was Ihre Bewertung des Islam angeht, als auch was Ihre eigene Positionierung angeht. Es bleibt dabei, dass niemand Demokrat sein kann, der die rechtliche Gleichstellung aller Menschen nicht akzeptiert, und wenn Sie selbst das nicht tun, sind Sie auch kein Demokrat, so ist leider.
Ägypten scheint gerade dabei zu sein für die erstaunte Welt ein ganz neues Kapitel "Demokratiegeschichte" zu schreiben.
Das verspricht spannend zu werden - für uns alle!
Die euphorische Phase des Volkes wird - wie überall, und zu jeder Zeit - langsam hinübergleiten in eine Etablierung der Macht. Und damit einhergehend die korrumpierte Politik, die Lobbytätigkeit, mithin die Verflechtung von Wirtschaft und Politik. Subtil und difizil, aber immer noch als Absolutismus wahrnehmbar. Wählen - und sonst nix zu reden - Demokratie halt.
Wie heißt die gute alte Managerweisheit? Wenn Sie Veränderung wollen, dann ändern sie sich zuerst selbst! Also wenn Demokratie und Mitbestimmung für Sie nicht 'erlebbar' sind, dann schaffen Sie persönliche Veränderungen und beteiligen Sie sich, dann wird das Wählen nicht zur Farce. ;-)
Wie heißt die gute alte Managerweisheit? Wenn Sie Veränderung wollen, dann ändern sie sich zuerst selbst! Also wenn Demokratie und Mitbestimmung für Sie nicht 'erlebbar' sind, dann schaffen Sie persönliche Veränderungen und beteiligen Sie sich, dann wird das Wählen nicht zur Farce. ;-)
Schön, dass Sie schon so viele Forderungen stellen. Denn die Europäer haben ja das Prinzip der Demokratie verstanden, siehe Italien, Belgien. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau haben wir übrigens auch noch nicht erreicht.
Bevor wir also mithelfen, sollten wir die Ägypter erst einmal selbst machen lassen und ihr eigenes Konzept von Demokratie kreiren lassen. Es gibt genug Denker, die Staatskonzepte vorlegen, in der die Modernisierung der Sharia angestrebt wird und die Menschenrechte über dem islamischen Recht steht. Das ihre Demokratie nicht so aussehen wird wie in Europa ist anzunehmen, aber das hat nichts zu heißen.
unter Verkennung der Realität. "Kairo kehrt zurück zur Normalität" und was ist die Normalität in Kairo? Doch nicht igendetwas ähnliches wie Demokratie mit Gewaltenteilung! nein, so etwas haben wir ja nicht einmal in Euroland, wo die absolute Eurokratie herrscht.
Staatskonzepte? Interessieren doch nicht. In Ägypten herrscht Not, da viel zu viele Junge an die wenigen Fleischtöpfe wollen. Die Armee wäre schön dumm, wenn sie, die über die Fleischtöpfe herrscht, diese aufgeben würde. Es zeigt sich ja bereits, dass die das auch nicht will.
Dass zur Demokratie die gleichberechtigte Teilnahme aller unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht gehört, das schien bisher Konsens, was ist so schlimm daran? Warum sollten nicht alle dabei mithelfen? Wenn die rechtliche Gleichstellung der Frau im deutschen Grundgesetz und in den Europäischen Verträgen festgeschrieben ist, sind wir nicht fertig, aber wir haben eine klare Rechtsgrundlage für alle Bemühungen. Wollen Sie das im Ernst vergleichen mit einem Text wie der von der islamischen Weltgemeinschaft herausgegebenen sogenannten islamischen Menschenrechtserklärung (ISBN 3865731651 bitte lesen), die ausdrücklich als Alternativentwurf hinter die allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die UN-Vollversammlung zurückfällt und dieser in den Rücken fällt, um die rechtliche Minderstellung von Frauen trotz früherer Ratifizierung der UN-Erklärung zu legitimieren? Wäre es nicht geradezu sehr dumm, jetzt bei Erlass einer neuen ägyptischen Verfassung auf die Forderung nach rechtlicher Gleichstellung aller Menschen zu verzichten?
Sie schreiben noch, wir sollten nicht mithelfen. Ja was denn nun, ich denke wir sollen gerade alle mithelfen bei der Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten, weltweit. Immer sind wir schuld, weil wir nicht genug mitgeholfen haben und jetzt sollen wir plötzlich nicht mehr mithelfen? Wenn die Menschenrechte und die rechtliche Gleichstellung aller Menschen nicht mehr gefordert werden dürfen, ist das schon schlimm! Wie sollen sie dann errungen werden? Ist das wirklich Ihre Ansicht und die Ansicht dieser Zeitung? Wollen Sie denn gar nicht die rechtliche Gleichstellung aller Menschen überall? Sind wir es denn nicht ALLEN Unterdrückten schuldig, für sie unsere Stimme zu erheben? Muss nicht gerade jetzt aufgepasst werden, dass demokratische Entwicklung auf allen Ebenen gefördert wird und das Feld nicht den falschen Kräften überlassen wird?
Schön wenn die Menschenrechte auch nach einigen islamischen Denkern über der Scharia stehen, wie Sie sagen. Aber warum sollen diese dann nicht unterstützt werden? Warum ist deshalb die Forderung nach Menschenrechten falsch? Man kann doch nicht Menschenrechtsdenker anführen um die Forderung nach Menschenrechten zu beschwichtigen, aber gleichzeitig diese Menschenrechte doch nicht haben wollen und sich gegen Menschenrechtsforderungen stellen, das wirkt dann vorgeschoben und unehrlich.
warum soll die Demokratie in Ägypten nicht so aussehen wie in Europa und warum soll das nichts zu heißen haben? Das ist leider SEHR vage formuliert. Wenn es um Abstriche bei den Menschenrechten geht und bei der gleichberechtigten Teilnahme aller Menschen an der Demokratie, ist das eine sehr bedenkliche Aussage. Wo wollen Sie denn Abstriche zulassen? Da Sie nichts dazu sagen, nehme ich mal einen renommierten moderaten deutschen Moslem als Zeugen: Murad Wilfried Hofmann, mehrfacher deutscher Botschafter, zuletzt in Marokko, Bundesverdienstkreuz, 2008 wichtigster Muslim in Deutschland, 2009 islamische Persönlichkeit des Jahres, Beirat und Ehrenmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland, schrieb das Buch: Der Islam als Alternative, ISBN 3424011142.
unter Verkennung der Realität. "Kairo kehrt zurück zur Normalität" und was ist die Normalität in Kairo? Doch nicht igendetwas ähnliches wie Demokratie mit Gewaltenteilung! nein, so etwas haben wir ja nicht einmal in Euroland, wo die absolute Eurokratie herrscht.
Staatskonzepte? Interessieren doch nicht. In Ägypten herrscht Not, da viel zu viele Junge an die wenigen Fleischtöpfe wollen. Die Armee wäre schön dumm, wenn sie, die über die Fleischtöpfe herrscht, diese aufgeben würde. Es zeigt sich ja bereits, dass die das auch nicht will.
Dass zur Demokratie die gleichberechtigte Teilnahme aller unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht gehört, das schien bisher Konsens, was ist so schlimm daran? Warum sollten nicht alle dabei mithelfen? Wenn die rechtliche Gleichstellung der Frau im deutschen Grundgesetz und in den Europäischen Verträgen festgeschrieben ist, sind wir nicht fertig, aber wir haben eine klare Rechtsgrundlage für alle Bemühungen. Wollen Sie das im Ernst vergleichen mit einem Text wie der von der islamischen Weltgemeinschaft herausgegebenen sogenannten islamischen Menschenrechtserklärung (ISBN 3865731651 bitte lesen), die ausdrücklich als Alternativentwurf hinter die allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die UN-Vollversammlung zurückfällt und dieser in den Rücken fällt, um die rechtliche Minderstellung von Frauen trotz früherer Ratifizierung der UN-Erklärung zu legitimieren? Wäre es nicht geradezu sehr dumm, jetzt bei Erlass einer neuen ägyptischen Verfassung auf die Forderung nach rechtlicher Gleichstellung aller Menschen zu verzichten?
Sie schreiben noch, wir sollten nicht mithelfen. Ja was denn nun, ich denke wir sollen gerade alle mithelfen bei der Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten, weltweit. Immer sind wir schuld, weil wir nicht genug mitgeholfen haben und jetzt sollen wir plötzlich nicht mehr mithelfen? Wenn die Menschenrechte und die rechtliche Gleichstellung aller Menschen nicht mehr gefordert werden dürfen, ist das schon schlimm! Wie sollen sie dann errungen werden? Ist das wirklich Ihre Ansicht und die Ansicht dieser Zeitung? Wollen Sie denn gar nicht die rechtliche Gleichstellung aller Menschen überall? Sind wir es denn nicht ALLEN Unterdrückten schuldig, für sie unsere Stimme zu erheben? Muss nicht gerade jetzt aufgepasst werden, dass demokratische Entwicklung auf allen Ebenen gefördert wird und das Feld nicht den falschen Kräften überlassen wird?
Schön wenn die Menschenrechte auch nach einigen islamischen Denkern über der Scharia stehen, wie Sie sagen. Aber warum sollen diese dann nicht unterstützt werden? Warum ist deshalb die Forderung nach Menschenrechten falsch? Man kann doch nicht Menschenrechtsdenker anführen um die Forderung nach Menschenrechten zu beschwichtigen, aber gleichzeitig diese Menschenrechte doch nicht haben wollen und sich gegen Menschenrechtsforderungen stellen, das wirkt dann vorgeschoben und unehrlich.
warum soll die Demokratie in Ägypten nicht so aussehen wie in Europa und warum soll das nichts zu heißen haben? Das ist leider SEHR vage formuliert. Wenn es um Abstriche bei den Menschenrechten geht und bei der gleichberechtigten Teilnahme aller Menschen an der Demokratie, ist das eine sehr bedenkliche Aussage. Wo wollen Sie denn Abstriche zulassen? Da Sie nichts dazu sagen, nehme ich mal einen renommierten moderaten deutschen Moslem als Zeugen: Murad Wilfried Hofmann, mehrfacher deutscher Botschafter, zuletzt in Marokko, Bundesverdienstkreuz, 2008 wichtigster Muslim in Deutschland, 2009 islamische Persönlichkeit des Jahres, Beirat und Ehrenmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland, schrieb das Buch: Der Islam als Alternative, ISBN 3424011142.
unter Verkennung der Realität. "Kairo kehrt zurück zur Normalität" und was ist die Normalität in Kairo? Doch nicht igendetwas ähnliches wie Demokratie mit Gewaltenteilung! nein, so etwas haben wir ja nicht einmal in Euroland, wo die absolute Eurokratie herrscht.
Staatskonzepte? Interessieren doch nicht. In Ägypten herrscht Not, da viel zu viele Junge an die wenigen Fleischtöpfe wollen. Die Armee wäre schön dumm, wenn sie, die über die Fleischtöpfe herrscht, diese aufgeben würde. Es zeigt sich ja bereits, dass die das auch nicht will.
Wow, ich freue mich soo sehr für Ägypten! Der Drang nach Freiheit, Selbst- und Mitbestimmung und menschlicher Würde hat diese Generation von Ägyptern zu einer historischen Generation gemacht.
Sie wird sich das Recht auf Mitbestimmung nicht mehr nehmen lassen. Die Opfer waren nicht umsonst. Am meisten freut mich, dass sowohl Christen als auch Muslime 'Hand in Hand' im Gebet vereint um Freiheit gebetet haben. Frauen und Männer, Menschen unterschiedlicher Schichten haben ein Zeichen gesetzt. Das ist weit mehr und bedeutender als die Medien bisher zu interpretieren in der Lage waren. Es ist ein Zeichen gegen den 'Kampf der Kulturen', den man uns immer wieder seit Reagans Pentagon Berater 'Huntington' hat weismachen wollen. Ich freue mich auf weitere Länder Afrikas, die sich ihre Würde gegen Diktatoren erkämpfen und hoffentlich haben auch Politiker ein Einsehen, wenn es um die palästinensiche Frage geht. Einen annähernden Frieden im Nahen Osten kann es nur geben, wenn die grundlegende menschliche Würde und Freiheit auf beiden Seiten gewährleistet wird und es einen israelischen und einen palästiensichen Staat gibt. In diesem Sinne - Gott ist groß!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren