Tausende Menschen sind nach dem Ausbruch neuer Kämpfe an der kambodschanisch-thailändischen Grenze auf der Flucht. Wie der Gouverneur der thailändischen Provinz Si Saket, Suwan Sujalit, mitteilte, hätten rund 15.000 Menschen ihre Dörfer in dem Grenzgebiet rund 450 Kilometer nordöstlich von Bangkok verlassen.

Nach Angaben eines kambodschanischen Armeeoffiziers begannen die Gefechte um kurz nach acht Uhr morgens. Die thailändische Armee teilte mit, es habe aufgrund eines "Missverständnisses" einen kurzen Schusswechsel von zwei Minuten gegeben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich tief besorgt über die Berichte von den neuen Kämpfen. Wie ein Sprecher des Generalsekretärs mitteilte, appellierte Ban an beide Seiten, größte Zurückhaltung zu üben und eine Vereinbarung zur Einstellung aller Feindseligkeiten zu treffen. Außerdem müssten die Bemühungen zur dauerhaften Beilegung des Konflikts im Dialog und Geiste guter Nachbarschaft fortgesetzt werden.

Seit dem Wochenende kamen auf beiden Seiten mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter auch zwei Zivilisten. Dutzende wurden verletzt. Der seit Jahren schwelende Streit um den Grenzverlauf in der Nähe eines Hindu-Tempels war über das Wochenende erneut eskaliert. Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich.

Am Samstag hatten sich Kambodscha und Thailand auf eine Waffenruhe geeinigt, jedoch wurden die Gefechte bereits am Sonntag fortgesetzt. Dabei wurden nach Angaben der thailändischen Armee 14 Soldaten und zwei Dorfbewohner verletzt. "Thailand wird weiter schießen, solange die Kambodschaner auf uns schießen", drohte Armeesprecher Sansern Keowkhamnerd. Nach kambodschanischer Darstellung wurde eine Wand der Tempelanlage durch Artilleriebeschuss aus Thailand beschädigt.

Das Gebiet um den Preah-Vihear-Tempel ist seit den 1950er Jahren ein Zankapfel zwischen beiden Staaten. Der Komplex aus dem 11. Jahrhundert wurde 1962 durch einen Beschluss des Internationalen Gerichtshofs Kambodscha zugesprochen. Thailand erhebt aber Anspruch auf einen Teil des umliegenden Geländes. Seit die Unesco das Gelände im Juli 2008 unter Protest Thailands zum Weltkulturerbe erklärt hat, kam es immer wieder zu Scharmützeln.