Bei Zusammenstößen zwischen Oppositionellen und Anhängern der Regierung im Jemen sind mehrere Menschen gestorben und mindestens 14 verletzt worden. Rund 1500 Regimegegner demonstrierten im Zentrum der Hauptstadt Sanaa friedlich für den Rücktritt des seit 32 Jahren herrschenden Präsidenten Ali Abdullah Salih, als Unterstützer des Regimes sie angriffen.

Wie Augenzeugen schilderten, feuerten Polizisten in die Luft, als die Regimeanhänger die Demonstranten attackierten, sie griffen aber nicht ein. Einem Fotografen der Fotoagentur epa nahmen Regimetreue die Kamera weg. In Aden wurde am Donnerstag ein Mensch getötet und zehn weitere verletzt, sagten Ärzte. Ein Mitarbeiter des Krankenhauses El Dschumhuriah sagte, ein Toter sowie vier Menschen mit Schussverletzungen seien dort eingeliefert.

Der Protest gegen Salih ging in den siebten Tag. Zuvor waren in Sanaa und der südlichen Hafenstadt Aden bei Zusammenstößen zwischen Regimegegnern und der Polizei zwei Menschen gestorben und zahlreiche weitere verletzt worden.

Die Proteste in Tunesien, Ägypten und in anderen arabischen Ländern ermuntern auch die Regierungskritiker in Libyen zum Protest gegen die Führung. Landesweit sollen Tausende einem Aufruf zum "Tag des Zorns" gefolgt sein, genauere Angaben gab es nicht. In der Hauptstadt Tripolis soll es aber vergleichsweise ruhig gewesen sein.

Dort sammelten sich mehrere Hundert Anhänger von Muammar Gadhafi, um Flagge gegenüber der Protestbewegung zu zeigen. "Wir verteidigen Gadhafi und die Revolution", riefen sie. "Die Revolution geht weiter." Der seit 40 Jahren regierende Staatschef hatte die Regierungsgegner als Marionetten der USA und des Zionismus beschimpft. "Nieder mit den Feinden", zitierte die BBC Gadhafi. "Nieder mit ihnen, wo immer sie sind! Nieder mit den Marionetten!"

In der Nacht zu Mittwoch hatte es in der Hafenstadt Benghasi Auseinandersetzungen zwischen Hunderten Regierungsgegnern und Sicherheitskräften sowie Gadhafi-Anhängern gegeben. Die Angaben zur Zahl der dabei Getöteten liegen zwischen zwei und 13. Fünf seien ums Leben gekommen, als die Polizei in Al-Baida das Feuer auf Demonstranten eröffnete, sagten Oppositionelle. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden 14 Demonstranten, Aktivisten und Schriftsteller festgenommen, die die Proteste gegen die Regierung organisiert hatten.

Als Reaktion auf die Gewalt wurde nach Angaben halbstaatlicher Medien der Chef der Sicherheitskräfte für die Region Grüner Berg entlassen.

In Teilen des Landes war am Donnerstag das Telefonnetz unterbrochen, Benghasi war nahezu komplett von der Außenwelt abgeschnitten. In Tripolis ließ das Regime Massen-SMS im Namen der "Jugend von Libyen" verschicken mit dem Text: "Es gibt vier Tabus – Muammar Gadhafi, die Grenzen des Landes, der Islam und die innere Sicherheit". In einer anderen Botschaft hieß es, "jeden, den wir auf einem der Plätze antreffen, werden wir uns vorknöpfen". Die Revolutionären Komitees, die ideologische Prätorianergarde des Regimes, erklärte, man werde keinem Demonstranten erlauben, "die Errungenschaften des Volkes zu plündern und die Sicherheit des Landes und seiner Bevölkerung zu gefährden".

Der Aufruf der libyschen Opposition zum "Tag des Zorns" soll an den 17. Februar vor fünf Jahren erinnern. 2006 war eine vom Regime in Benghasi organisierte Demonstration gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen in eine Protestaktion gegen die libysche Führung umgeschlagen.

Viele Libyer klagen über die Arbeitslosigkeit, über Ungerechtigkeit und begrenzte politische Freiheiten. Gleichwohl halten Beobachter einen Volksaufstand wie im benachbarten Ägypten für unwahrscheinlich: Denn die libysche Führung kann durch den Ölexport kurzfristig mehr Geld einnehmen und damit die meisten sozialen Probleme mildern.

Nach dem Umsturz in Tunesien und in Ägypten waren in den vergangenen Tagen auch in Bahrain Regierungsgegner auf die Straßen gegangen. Fünf Menschen starben in der Nacht zu Donnerstag bei Zusammenstößen von Demonstranten und der Polizei, Hunderte erlitten Verletzungen. 5000 Regierungsgegner waren auf dem zentralen Lulu-Platz der Hauptstadt Manama gewesen, als die Polizei den Ort mit Gewalt zu räumen begann. Später fuhren dort Panzer auf.

Das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen in das arabische Königreich ab. Die Formel-1 beobachtet die Lage genau: Ob in der bahrainischen Hauptstadt Manama wie geplant am 13. März die Formel-1-Saison starten kann, ist ungewiss.

In Ägypten rief die Demokratiebewegung zu einer neuen Großkundgebung auf dem Tahrir-Platz in Kairo auf. Am Freitag soll der Sieg über Ex-Präsident Hosni Mubarak gefeiert werden. Bei den Demonstrationen zum Sturz Mubaraks kamen nach vorläufigen Regierungsangaben mindestens 365 Menschen ums Leben. Weitere 5500 Menschen seien während der 18-tägigen Proteste verletzt worden, berichteten staatliche Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

Bei Protesten im kurdischen Teil des Irak haben Sicherheitskräfte zwei Menschen erschossen. 47 weitere Menschen seien verletzt worden, sagte der Leiter der Gesundheitsbehörde der Provinz Suleimanija. Rund 3000 überwiegend junge Kurden waren in der gleichnamigen Stadt auf die Straße gegangen, um gegen die Regionalregierung und gegen Korruption zu protestieren.

Unterstützer Gadhafis in Tripolis © Mahmud Turkia/AFP/Getty Images