LibyenGadhafi erklärt seinem Volk den Krieg

In einer wirren TV-Ansprache droht Gadhafi den Protestierern unverhohlen mit dem Tod. Doch Libyen gerät ihm außer Kontrolle, der Osten ist in der Hand der Aufständischen. von 

Gadhafi

"Bis zum letzten Blutstropfen": Gadhafi am Dienstag in seiner wirren TV-Tirade  |  © Joel Saget/AFP/Getty Images

Panzer, Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie eine wild um sich schießende Soldateska, Hunderte Tote, Tausende Verletzte und Zehntausende auf der Flucht – das Regime von Muammar al-Gadhafi hat seinem eigenen Volk den Krieg erklärt. "Wir werden bis zum letzten Blutstropfen kämpfen" , kündigte der Despot am Abend in einer wirren und streckenweise wahnsinnigen Tirade im staatlichen Fernsehen an.

Die Demonstranten beschimpfte er als Ratten und Drogensüchtige. Rücktritt oder Flucht ins Exil lehnte er ab. Er habe kein Amt in Libyen inne, von dem er zurücktreten könne, giftete der Machthaber und las mit theatralischer Geste aus seinem Grünbuch vor. Den Aufständischen warf er vor, sie wollten die Einheit Libyens zerstören und das Land in einen islamischen Staat verwandeln.

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Doch umso härter der Gadhafi-Clan um sich schlägt, umso mehr schwindet seine Macht. Immer mehr Militäreinheiten desertieren. Der gesamte Osten des Landes einschließlich der Grenzstation zu Ägypten ist bereits in der Hand der Aufständischen. In New York trat der UN-Sicherheitsrat auf Antrag libyscher UN-Diplomaten zusammen, die ihre Ämter aus Protest gegen das Blutbad in ihrer Heimat niedergelegt hatten. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rund 40 Minuten lang dem Machthaber ins Gewissen geredet und in scharfem Ton verlangt, "die Gewalt gegen die Demonstranten zu beenden".

Aus aller Welt hagelte es empörte Warnungen an die Adresse des Regimes – die Europäische Union und Deutschland drohten Gadhafi bereits mit Sanktionen. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte bestürzt auf die Fernsehansprache, Gadhafi habe seinem Volk "den Krieg erklärt", sagte sie am Dienstagabend in Berlin. Seine Worte seien "sehr, sehr erschreckend" gewesen.

Doch der gibt sich völlig ungerührt. Mehr als eine Stunde dauerte der bizarre Auftritt von "Bruder Führer" Muammar al-Gadhafi im staatlichen Fernsehen, aufgenommen in den Trümmern der 1986 von einem amerikanischen Luftangriff zerstörten Villa des selbsternannten Revolutionsführers auf dem Areal der Militärbasis Bab al-Azizia. Immer wieder verlor er den Faden, starrte schweigend auf sein Manuskript. Den Protestierern droht er unverhohlen mit Tod und Blutvergießen, bevor er seine bizarre Rede mit den Worten "Revolution, Revolution" beendete.

Gadhafi hat alle Fäden fest in der Hand, sollte dieser Auftritt wohl suggerieren, sekundiert von der Propaganda-Maschine des libyschen Staatsfernsehens. "Alles Lügen" seien die Behauptungen, die Sicherheitskräfte hätten die Protestierer in verschiedenen Städten und Ortschaften massakriert. "Das ist Teil der psychologischen Kriegsführung gegen Libyen", stand auf einem roten Nachrichtenband des Kanals Al-Jamahiriya Two zu lesen. Die von außen gesteuerte Hetzkampagne habe nur das Ziel, "unsere Moral, unsere Stabilität und unseren Reichtum" zu zerstören. Die Sicherheitskräfte seien lediglich dabei, Gruppen von Terroristen niederzukämpfen.

Leserkommentare
    • blubird
    • 22. Februar 2011 20:01 Uhr

    Sie meinen wohl Tirade.

    • joppo
    • 22. Februar 2011 20:06 Uhr

    Warum greift die Agyptsiceh arnmee nicht ein um die burger zu helfen?
    Einige regiernugs gebaude bombardieren und wieder weg.

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    • joG
    • 22. Februar 2011 20:36 Uhr

    ....weil sie noch nicht weiß, wer gewinnen wird.

    ägyptische Armee wohl von Ihren eigentlichen Befehlshabern in Washinhton kein ok dafür erhalten hat.... Gadhafi ist wohl eine westliche MArrionette die man noch nicht austauschen wollte... so wie den Mubarak der ja auch totkrank ist und durch die neue MArionette ElBaradei.... Warum ich glaube das ElBaradei als neue MArionette vorgesehen ist... Nun er sitzt in der international crisis group einem Think Thank dem unter anderem solche Falken wie Brzezinski drin sitzen...

    Ruhig mal nachgoogln was es mit dem Ziehvater des Wallstreet Marionette Obama Brzezinski auf sich hat und was er für Strippen zieht...

    auch interessant:

    http://www.telegraph.co.u...

    http://www.hintergrund.de...

  1. Es ist beschaemend , dass die EU immer noch nicht die richtigen Worte findet , um diesem graesslichen Massaker ein Ende zu bereiten.
    Die Energievertraege von Shell , BP , BASF und Co. sind da anscheinend viel wichtiger.
    Die bewaehrte Abwartetaktik wird angewandt.

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    eben es nicht um Menschenrechte geht, sondern um die natürlichen Ressourcen. Erst wenn der Gewinner fest steht, wird sich Europa da einmischen.

    • joG
    • 22. Februar 2011 20:43 Uhr

    ...von den EU Granden? Sollen sie sagen, dass der Diktator mit den Menschen menschlicher umgehen soll, als er dies mit den Flüchtlingen tat, die die EU über ihn abwickeln ließ? Wieso sollte er das? Damals ging es lediglich um Geld, Atomkraft und unser Problem mit den Flüchtlingen. Wir baten ihn darum es für uns zu lösen, mit seinen Mitteln.

    Jetzt geht es um seine Existenz. Wie können wir von ihm erwarten, dass er da die Menschenrechte plötzlich achten sollte?

    • dacapo
    • 22. Februar 2011 22:14 Uhr

    .....Sie brauchen offensichtlich kein Öl für die Heizung, Sie fahren kein Auto, steigen in keine Busse oder sonstigen Verkehrsmitteln. Sie verpönen die beheizten Ämter, auf dem Arbeitsplatz bevorzugen Sie natürlich auch die warme Kleidung, anstatt Heizung. Gut für Sie, aber was machen die anderen, die es nicht so kalt haben wollen, und mobil sein wollen oder müssen, was machen die? Aber warten Sie noch ein paar Tage, dann werden alle es merken, dass das Öl knapp wird, dann sitzen alle mit Ihnen zusammen im Boot.

    • dojon
    • 23. Februar 2011 10:14 Uhr

    Die Abwartetaktik ist sogar sehr vernünftig. Jedes überstürzte Eingreifen der Europäer und Amerikaner ist brandgefährlich. Alle westliche Interventionen in diesem Raum seit 1800 (Napoleon in Ägypten) wurden in der westlichen Propaganda als Unterstützung von Aufklärung Modernität und Fortschritt verklärt. Das wissen zwar viele Europäer und Amerikaner nicht, aber dafür weiß es ein jeder Straßenkehrer im arabischen Raum. Würde der Westen jetzt massiv zugunsten der Aufständischen in Nordafrika eingreifen, wären diese sehr bald in den Augen der Bevölkerung als Handlanger des Westens diskreditiert und damit auf mittelfristige Sicht erledigt.

    • CHHN
    • 22. Februar 2011 20:17 Uhr

    Rede aus dem Bunker. Tod den Gegnern deer Revolution. Fuehrer. Revolutionaeres Sendungsbewu(r)stsein. The Chaos of the Mind!
    Und wir feiern die RAF und ihre Mitglieder in einem neuen Unterhaltungsfilm. Passt doch oder?
    !An Ihren Freunden sollt Ihr sie erkennen!

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    • MJB
    • 22. Februar 2011 22:45 Uhr

    Solange die RAF zu ihrer Zeit nicht irgendwelche wichtigen Wirtschaftsabkommen mit dem Großteil der westlichen Industrienationen pflegte, die mir gerade entfallen wären, hinkt ihre Analogie ein wenig.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Bitte verzichten Sie auf die Verdrehung von Tatsachen und argumentieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/vv

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    • Puh
    • 22. Februar 2011 20:52 Uhr

    "Aufständige, die einen Gaddafi stürzen wollen, können nicht recht bei Troste sein."
    Sagen wir doch einfach einmal so, wer diese Tirade eines offenkundig völlig durchgeknallten "Revolutionsführers" gesehen, der weiß, wer hier nicht recht bei Troste ist. Ärgerlich genug nur, das Europa einen Herrscher, dessen Debilität ja bekannt war, in den letzen Jahren so hofierte. Da darf man sich über die bisher vermutlich 500 Toten (die Zahl wird sich vervielfachen) nicht wirklich wundern. Ärgerlich auch, dass es bisher keine einschneidenden Vorgehensweisen der UN und der EU gibt. Ein dann eben auch mit Waffengewalt durchgesetztes Flugverbot könnte jetzt Menschenleben retten. So etwas zu beschließen, liegt übrigens im Rahmen der UN-Statuten.
    Wird wohl alles wieder zu spät kommen und die Rechnung und präsentiert werden.

  3. eben es nicht um Menschenrechte geht, sondern um die natürlichen Ressourcen. Erst wenn der Gewinner fest steht, wird sich Europa da einmischen.

    Antwort auf "Beschaemend"
  4. Er hat sein eigenes grünes Buch -und die Aufständischen berufen sich auf den Koran. Der Koran und der Islam haben eine schöne Seite - aber die Seite, die von radikalen Islamisten bedient wird, die fanatisiert sind, ist eher mit "Mein Kampf" zu charakterisieren. Dies ist ein Mißbrauch des Korans. Und eben hier steht eine moderate islamische Haltung gegen Fanatismus.
    Vielleicht begreift dies der Westen.

    • joG
    • 22. Februar 2011 20:36 Uhr

    ....weil sie noch nicht weiß, wer gewinnen wird.

    Antwort auf "Agypten"

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