Aus der Familie des libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi kommen widersprüchliche Signale für eine Beendingung des Aufstands in ihrem Land. So hatte der Machthaber bei seinem jüngsten Auftritt noch martialische Worte gewählt. Ein Sohn von Gadhafi hat sich aber zu Verhandlungen mit Aufständischen bekannt: Saif al-Islam Gadhafi versprach eine Aussetzung der Angriffe auf die Regimegegner und Gespräche mit ihnen.

"Ich hoffe, dass bis Samstag ein Waffenstillstand in zwei Städten geschlossen werden kann", sagte er und bezog sich dabei auf Misrata und Al Sawija, in den es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Kämpfen zwischen Aufständischen und Gadhafi-treuen Truppen gekommen war. Dort habe man es mit Terroristen zu tun, fügte Saif al-Islam Gadhafi hinzu. Dennoch habe sich die Armee entschlossen, sie nicht anzugreifen, um ihnen die Möglichkeit für Verhandlungen zu geben.

Zugleich stellte der Gadhafi-Sohn die rasche Wiederherstellung der staatlichen Kontrolle in den Gebieten im Osten des Landes in Aussicht – in den Gebieten also, in denen bereits die Regimegegner die Kontrolle übernommen haben sollen. Das libysche Militär war aus den Gebieten geflohen oder hatte sich den Aufständischen angeschlossen. Saif al-Islam Gadhafi dagegen versicherte, "dass der Staat die Kontrolle über die östlichen Städte des Landes zurückgewinnen wird".

Erneut machte er Islamisten für die Proteste gegen das Regime seines Vaters verantwortlich. Das hätten Bewohner der von den Aufständischen kontrollierten Stadt Bengasi bestätigt. Sie hätten sich telefonisch auch über die chaotischen Zustände beklagt. "Mädchen können nicht mehr auf die Straße gehen, Schulen sind geschlossen und das öffentliche Leben ist zum Stillstand gekommen, weil, so beschreiben sie es, Islamisten dort mit Gewalt die Kontrolle übernommen haben."

Der Staatschef selbst gab sich weniger kompromissbereit. Muammar al-Gadhafi rief seine Anhänger zum bewaffneten Kampf auf. "Wir werden kämpfen und wir werden siegen", sagte er in einer am Freitag vom Staatsfernsehen verbreiteten Rede auf dem Grünen Platz in Tripolis. Die Waffenlager im Land würden "geöffnet, um das ganze Volk zu bewaffnen", rief Gadhafi mit erhobener Faust. "Ich bin weder Präsident noch König, aber dieses Volk liebt mich", versicherte der seit mehr als 40 Jahren herrschende Machthaber. "Singt, tanzt und macht Euch bereit."

Nach diesem Auftritt kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen beiden Lagern. Ein Augenzeuge berichtete, nach dem Abzug von Gadhafis Wachmannschaft hätten sich Regimegegner dem Grünen Platz genähert. Dort seien dann erstmals Anhänger und Gegner des Regimes aufeinander losgegangen. Mindestens zwei Menschen sollen dabei getötet worden sein.

Unbestätigten Berichten zufolge soll inzwischen auch Vororte der Hauptstadt von Aufständischen kontrolliert werden. Überhaupt sollen die Gadhafi-treuen Truppen nur noch in wenigen größeren Städten Macht ausüben. Neben Tripolis soll dies unter anderem in Gadames, Sebha und Gadhafis Heimatstadt Sirte der Fall sein. Auch diese Angaben lassen sich bislang nicht verifizieren.