Proteste in Libyen Gadhafi lässt Söldner scharf auf Demonstranten schießen

Teile der libyschen Armee sollen zu den Anti-Gadhafi-Demonstranten übergelaufen sein. Nun schießen ausländische Milizionäre scharf auf die Protestler. Dutzende starben.

In mehreren Städten Libyens liefern sich Staat und Demonstranten gewaltsame Auseinadersetzungen. Staatschef Muammar al-Gadhafi lässt Augenzeugenberichten zufolge ausländische Söldner auf die Demonstranten schießen, unterschiedlichen Berichten zufolge gab es allein am Sonntag 15 bis Dutzende Tote. Einwohner der Stadt Benghasi sprachen von einem "Massaker". Ein libyischer Geschäftsmann in England sagte unter Berufung auf Familienmitglieder der britischen Nachrichtenseite guardian.co.uk, dass zehntausende Menschen auf den Straßen seien. Zudem soll sich in Benghasi ein Teil der Soldaten den Regimekritikern angeschlossen haben.

Die Armee habe sich zurückgezogen, berichten Einwohner. Nun würde die Menge würde von Soldaten aus Tschad und Sudan scharf beschossen. "Die Libyer würden nicht auf ihre eigenen Leute schießen, also hat Gadhafi ausländische afrikanische Milizen angeheuert", sagte der Geschäftsmann dem Guardian. Den Berichten eines anderen Augenzeugen zufolge waren die meisten Demonstranten erschossen worden, als sie versuchten in die Kommandozentrale der Sicherheitskräfte einzudringen. Ein anderer Einwohner sagte, die Sicherheitskräfte hätten sich auf das Gelände der Einsatzleitung zurückgezogen.

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Über die Opferzahlen der letzten Tage herrscht derweil noch Unklarheit. Die Opposition und die Website Libya al-Youm sprachen von über 200 Toten innerhalb von nur zwei Tagen. Auch der arabische Nachrichtensender Al Jazeera sowie CNN geben unter Berufung auf Augenzeugen diese Opferzahl an. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) meldete hingegen 104 getötete Menschen in den letzten zwei Tagen. Die Zahl beruhe auf Angaben von Medizinern und Augenzeugen, sagte der Direktor des HRW-Büros in London, Tom Porteous.

Auf den Straßen herrschen laut Nachrichtensender Al Jazeera bürgerkriegsähnliche Zustände. Einige Städte seien ganz oder zum Teil "befreit", darunter auch die Hafenstadt Tobruk, die für die heimische Erdölindustrie wichtig ist, sagten Augenzeugen.

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte einen Mann, wonach die Stadt nach den tagelangen Unruhen "völlig außer Kontrolle" sei. Einwohnern zufolge wurden allmählich die Lebensmittel knapp. Der arabische Fernsehsender Al Dschasira berichtete zuvor von mindestens 15 Toten, als Sicherheitskräfte das Feuer auf eine Trauerfeier eröffnet hätten.

Ein Italiener berichtete der Agentur Ansa aus der Stadt, dass Regierungs- und Verwaltungsgebäude sowie eine Bank niedergebrannt worden seien. "Die Rebellen haben geplündert und alles zerstört", sagte der Augenzeuge. Nirgendwo sei Polizei zu sehen.

Eine Gruppe muslimischer Geistlicher forderten die Sicherheitskräfte auf, dem Töten ein Ende zu machen. "Stoppt das Massaker jetzt", hieß es in ihrem Appell. Zuvor waren erneut Tausende Menschen in Benghasi auf die Straße gegangen, um gegen Staatschef Muammar al-Gadhafi zu demonstrieren. Auch aus der Küstenstadt Misurata waren Massenproteste gemeldet worden. Zudem gab es Berichte über Unruhen in der Hauptstadt Tripolis.

Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben gab es nicht. Ausländische Reporter sind nicht zugelassen, einheimischen Journalisten wurde die Reise nach Benghasi verwehrt, wo die Unterstützung für Gadhafi deutlich geringer als in anderen Landesteilen ist. Die Regierung äußerte sich nicht zu den Gewaltausbrüchen, machte aber das Ausland für die Unruhen im eigenen Land verantwortlich. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana meldete, die Sicherheitskräfte hätten Angehörige einer ausländischen Verschwörergruppe festgenommen, die Libyen destabilisieren wolle. Unter ihnen seien Palästinenser, Tunesier und Sudanesen. Es sei durchaus möglich, dass der israelische Geheimdienst bei diesem Komplott seine Finger im Spiel habe.

Es sind die schwersten Unruhen in Gadhafis 40-jähriger Herrschaft. Wegen der Medienzensur ist das Ausmaß der Proteste aber nur schwer abzuschätzen. Zudem waren die Mobilfunkverbindungen in das Zentrum des Protests im Osten des Landes häufig unterbrochen. Auch wurde die Internet-Verbindung in Libyen gekappt.

Die libyschen Staatsmedien hatten den Aufstand gegen Gadhafi zuerst völlig ignoriert. Dann war von Saboteuren die Rede, die öffentliche Gebäude zerstörten. Jetzt werden Verschwörungstheorien verbreitet. Fernsehbilder aus den umkämpften Städten gab es nicht. Die Opposition dokumentiert ihren Aufstand in verwackelten Amateurvideos.

Leser-Kommentare
  1. da wird dieser Mann zur Verantwortung gezogen.

    Und das dauert nicht mehr lange...

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    • joG
    • 20.02.2011 um 11:34 Uhr

    ....verhindern. Jetzt ist es die Frage, ob er dies verhindern kann.

    Was aber sollten wir tun? Was meinen Sie?

    • joG
    • 20.02.2011 um 11:34 Uhr

    ....verhindern. Jetzt ist es die Frage, ob er dies verhindern kann.

    Was aber sollten wir tun? Was meinen Sie?

  2. Schon seit Mitte Januar, also auf dem Höhepunkt der Jasminrevolte im benachbarten Tunesien, mobilisierten Libyer gegen den selbst ernannten Revolutionsführer Gaddafi, insbesondere im Netz. Blogger waren für diesen Prozess unentbehrlich, doch kommt die eigentliche Herausforderung - die Ablösung Gaddafis als Staatsoberhaupt - erst noch auf das Volk zu. Aber Libyen wird genauso wie Tunesien in Kürze den Erfolg spüren dürfen:
    http://2010sdafrika.wordp....

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    • joG
    • 20.02.2011 um 11:42 Uhr

    ...Sie recht haben.

    Jedenfalls muss die Behandlung Ben Alis nach seinem Rücktritt ihn motivieren gegen sein Volk auch mit drastischen Maßnahmen vorzugehen. Er sieht, dass er enteignet und zur Verantwortung gezogen wird, sobald er die Macht verliert, egal ob er nun freiwillig geht oder nicht. Da er so viele Menschen beraubt, entrechtet und getötet hat in den Jahren seiner Herrschaft, wird jetziges Verhalten keine entscheidenden Folgen für ihn haben. Er kann machen, was er will.

    Es wäre möglich dieses Kalkül zu verändern, wenn wir uns einbringen. Ob wir dazu bereit sind? Was würden Sie vorschlagen.

    • joG
    • 20.02.2011 um 11:42 Uhr

    ...Sie recht haben.

    Jedenfalls muss die Behandlung Ben Alis nach seinem Rücktritt ihn motivieren gegen sein Volk auch mit drastischen Maßnahmen vorzugehen. Er sieht, dass er enteignet und zur Verantwortung gezogen wird, sobald er die Macht verliert, egal ob er nun freiwillig geht oder nicht. Da er so viele Menschen beraubt, entrechtet und getötet hat in den Jahren seiner Herrschaft, wird jetziges Verhalten keine entscheidenden Folgen für ihn haben. Er kann machen, was er will.

    Es wäre möglich dieses Kalkül zu verändern, wenn wir uns einbringen. Ob wir dazu bereit sind? Was würden Sie vorschlagen.

  3. Das Gadhafi ein Psychpat ist, hat er nicht nur erst mit Lockerbie bewiesen. Die Familie Gadhafi herrscht absolutistsich über Lybien und hält das eigene Volk im Würgegriff. Dass er jetzt die Demokratiebestrebungen seines Volkes mit eiserner Faust unterdrückt und offensichtlich eine „chinesische Lösung“ sucht ist für sein Regime bezeichnend! Seine beiden Söhne Chamie und Mutassim, die Armeekommandeur sind, spielen dabei eine wichtige Rolle.

    Die Großmächte und andere Länder der Welt sollten Gadhafi wegen seiner Menschenrechtsverletzungen ächten und jeden Kontakt mit ihm abbrechen!

  4. auf die die ´´Dritte Welt ´´so lange stolz war mit Tito damals in Jugoslawien angefangen.
    Man erkennt immer wieder das wahre Gesicht einer Diktatur, der es nur um Macht und persönliche Bereicherung ging.
    Hoffentlich kann auch dieser Name in den Tiefen der Geschichte verschwinden.

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    Übrigens Libyen ist kein Dritte Welt Land und auf Gadhafi war die westliche Welt nie stolz, weil er ihnen schon immer ein Dorn im Auge war.

    Übrigens Libyen ist kein Dritte Welt Land und auf Gadhafi war die westliche Welt nie stolz, weil er ihnen schon immer ein Dorn im Auge war.

    • M.R.K
    • 20.02.2011 um 11:18 Uhr

    ...ist ein Terrorist und sicherlich noch skrupelloser als Ben Ali und Mubarak. Bleibt nur zu hoffen, dass die Lybier es schaffen, diesen Verbrecher stuerzen!

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    • joG
    • 20.02.2011 um 11:47 Uhr

    ....Wie in 12 Uhr Mittags sollte der Freiheitskämpfer sich nicht auf die Hilfe durch die Bürger verlassen.

    • joG
    • 20.02.2011 um 11:47 Uhr

    ....Wie in 12 Uhr Mittags sollte der Freiheitskämpfer sich nicht auf die Hilfe durch die Bürger verlassen.

  5. Sollte man sich vielleicht einmal überlegen, mit welchem Recht der Boykott gegen Cuba eigentlich aufrechterhalten wird? Auf der einen Seite eine ganze, kontinentgroße Region, in der die autokratischen Herrscher das eigene Volk niederschießen, wenn diese sich trauen, auf der Straße zu boykotieren. Auf der anderen Seite eine kleine Karibikinsel, deren sog. Kommunismus auch nicht bedeutend stalinistischer ist als der in China. In den beiden zuletzt genannten Ländern kommt wenigstens nicht noch die göttliche Rechtfertigung dazu. Das muss man den Kommunisten ja wirklich mal zu gute halten: Säkularismus haben sie drauf ;) Keine Frage, ich würde das cubanische Volk unterstützen, wenn es auf die Straße gehen würde, und von Castro mehr demokratische Rechte und ein Ende der politischen Verfolgung verlangen würde, aber wie lächerlich der Boykott ist und wer die wahren Bösewichte sind, zeigt sich wiedereinmal allzu deutlich in diesen Tagen: Öldiktatoren und jene, die mit ihnen Geschäfte machen, ohne ihre Tyrannei zu kritisieren.

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    • joG
    • 20.02.2011 um 11:44 Uhr

    ....es religiöse Kommunisten gab? Sie sind aber unter Lenins Obhut verschwunden.

    • M.R.K
    • 20.02.2011 um 21:30 Uhr

    Meines Wissens wird Kuba nur von den USA boykotiert. Die Amis sind doof, das wissen wir alle. Die EU-Länder unterhalten meines Wissens Handelsbeziehungen mit Kuba.

    • joG
    • 20.02.2011 um 11:44 Uhr

    ....es religiöse Kommunisten gab? Sie sind aber unter Lenins Obhut verschwunden.

    • M.R.K
    • 20.02.2011 um 21:30 Uhr

    Meines Wissens wird Kuba nur von den USA boykotiert. Die Amis sind doof, das wissen wir alle. Die EU-Länder unterhalten meines Wissens Handelsbeziehungen mit Kuba.

    • joG
    • 20.02.2011 um 11:34 Uhr

    ....verhindern. Jetzt ist es die Frage, ob er dies verhindern kann.

    Was aber sollten wir tun? Was meinen Sie?

    Antwort auf "Es wird der Tag kommen"
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    [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

    [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

    • delsa
    • 20.02.2011 um 11:34 Uhr
    8. Gewalt

    Was glauben Sie denn, mit GEwalt kam er auch Ender der 60er
    Jahren an die Macht, die er bisher vehement mit Waffen,
    Geheimdienste, Verfolgung und Folter verteidigt !
    Außer Gewalt versteht dieser irrgeleitete Mann keine Sprache, und weil er auf immensen Mengen Gas und Öl sitzt,
    hofieren ihn alle !

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    • joG
    • 20.02.2011 um 11:57 Uhr

    ....dass ein über so lange Zeit für sich, seine Familie und seine Freunde so erfolgreicher Mann "irre geleitet" ist? Hmmpf. Wir mögen vielleicht nicht gut finden, was er machte, mögen es sogar als kriminell betrachten, aber wir kauften sein Öl und heizten damit kuschlig unsere Wohnungen und machten mit ihm Verträge, dass er mit seinen Mitteln unsere Probleme mit den Bootsflüchtlingen regeln solle, damit sie nicht hierher kämen und uns die Löhne versauten. Da schiene mir unsere Meinung zu dem, was kriminell ist, wenig Gewicht zu tragen.

    • dacapo
    • 20.02.2011 um 16:00 Uhr

    .....gestürzt. Er wurde in der arabischen Welt als neuer Führer gefeiert. Der damalige verehrte arabische Führer Abdel Nasser war zwar noch "der Führer" schlechthin, aber Gaddhafi sprach eine neue Sprache, von Jugendlichen in der arabischen Welt wurden seine hinreißenden Reden mit Bewunderung gehört. Es war eine neue Sprache, es waren neue Gedanken. Das aber ist lange her. Wie alle arabischen Herrscher, die Königshäuser stürzten, weil es nicht mehr in die Zeit passte, haben ihre eigenen Herrscherfamilien aufgebaut. Wo auch immer man hinschaut.

    • joG
    • 20.02.2011 um 11:57 Uhr

    ....dass ein über so lange Zeit für sich, seine Familie und seine Freunde so erfolgreicher Mann "irre geleitet" ist? Hmmpf. Wir mögen vielleicht nicht gut finden, was er machte, mögen es sogar als kriminell betrachten, aber wir kauften sein Öl und heizten damit kuschlig unsere Wohnungen und machten mit ihm Verträge, dass er mit seinen Mitteln unsere Probleme mit den Bootsflüchtlingen regeln solle, damit sie nicht hierher kämen und uns die Löhne versauten. Da schiene mir unsere Meinung zu dem, was kriminell ist, wenig Gewicht zu tragen.

    • dacapo
    • 20.02.2011 um 16:00 Uhr

    .....gestürzt. Er wurde in der arabischen Welt als neuer Führer gefeiert. Der damalige verehrte arabische Führer Abdel Nasser war zwar noch "der Führer" schlechthin, aber Gaddhafi sprach eine neue Sprache, von Jugendlichen in der arabischen Welt wurden seine hinreißenden Reden mit Bewunderung gehört. Es war eine neue Sprache, es waren neue Gedanken. Das aber ist lange her. Wie alle arabischen Herrscher, die Königshäuser stürzten, weil es nicht mehr in die Zeit passte, haben ihre eigenen Herrscherfamilien aufgebaut. Wo auch immer man hinschaut.

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