Arabische Revolten Gadhafi könnte der nächste sein

Libyens Nachwuchs wird nervös. Junge Menschen demonstrieren gegen die Regierung Gadhafis. Kein Wunder: Die Gas- und Öl-Reserven gehen zur Neige. Ein Kommentar

Seine Nachbarn links und rechts auf der Landkarte hat es schon erwischt, jetzt könnte bald auch Libyens erratischer Beduinen-Oberst Revolutionsführer Muammar al-Gadhafi an der Reihe sein. Inspiriert von den Volksaufständen in Tunesien und Ägypten haben sich am Dienstagabend Tausende Demonstranten in Libyen mit Steinen und Brandsätzen schwere Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Menge in der Hafenstadt Benghasi rief "Nieder mit dem Regime" und "Das Volk wird Schluss machen mit der Korruption" sowie "Für eine freie Opposition" und zündeten zahlreiche Autos an.

Die Polizei antwortete mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen. Nach Angaben aus Krankenhäusern wurden dabei mindestens 38 Menschen verletzt. Auch in anderen Städten des Landes kam es zu kleineren Demonstrationen. Für Donnerstag haben Regimegegner über Facebook in der Hauptstadt Tripolis zu einem "Tag des Zorns" gegen Korruption und Nepotismus aufgerufen, den das Regime mit Demonstrationen loyaler Anhänger kontern will.

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Die Unruhen haben ihren Grund. Seit mehr als vierzig Jahre regiert Gadhafi nun seine 6,5 Millionen Untertanen mit revolutionärem Pathos, selbst ersonnenem Grünbuch und Wüsten-Sozialismus nach "dritter Universaltheorie". Kaum eine Terrororganisation oder Befreiungsbewegung auf dem Globus, die in der Vergangenheit nicht in den Genuss seiner Petro-Dollars gekommen wäre. Doch die Hälfte der Ölvorräte seines Landes ist inzwischen aufgebraucht. Libyens Reserven, obwohl die größten in Afrika, reichen maximal noch für 30 Jahre – keine lange Zeit für einen so komplexen Wandel vom erstarrten Öl-Sozialismus zu einer selbst tragenden modernen Volkswirtschaft.

Die Jugendlichen, die das Ende von Öl und Gas erleben werden, drücken bereits die Schulbänke. Und sie fragen sich, was aus ihnen und ihrer Zukunft werden soll. Denn noch immer sitzt die alte Garde in Tripolis an vielen Schaltstellen der Macht, erkennbar an ihren weißen Haarschöpfen und den umständlichen Oden auf die ruhmreiche Weitsicht ihres "Bruder Führers". Ungerührt präsidieren sie weiter über dem Scheitern ihrer eigenen Politik.

Denn kein arabisches Land außer Algerien hat seinen natürlichen Reichtum so verpulvert wie es Gadhafi und sein Getreuen in Libyen getan haben. Über 90 Prozent aller libyschen Arbeitskräfte sind zu mageren Löhnen beim Staat beschäftigt. Die Privatisierung kommt nicht voran. Das öffentliche Leben ist geprägt von bürokratischer Lähmung, systematischer Faulheit und einem extrem aufgeblähten Sicherheitsapparat. Kein Wunder also, dass auch der libysche Nachwuchs jetzt nervös wird.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. derzeit fallen nämlich nur die "moderaten" Dikatoren.

  2. selbst in Laender, wo zuefaellig Oel sprudelt, mit westlicher Technik gefoerdert, transportiert, veschifft, drohen weggefegt zu werden, obwohl deren Bewohner zumindest nicht hungern mussten.

    Der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein.

    Was kommt danach? Der seit jahrhunderten gefahrene strikte Kurs des Korans/Scharia hat nahezu jede Individuaolitaet und damit Fortschritt erstickt, die kollektive Gesellschaft erlaubt keine Abweicher.
    Nur wenn das Volk erkennt, dass es neben seinen Despoten auch die Imame entmachten muss und beginnt frei zu denken, kann sich etwas aendern mit der Rueckstaendigkeit.

  3. die wirklich totalitären Diktaturen wie Iran oder Libyen sind natürlich schwerer loszuwerden, weil sie zu viel größerer Brutalität bereit sind, wie man am Vorgehen gegen Millionen Demonstranten im Iran sehen konnte. Liest man mal ein Folterbuch von da wie "Erwachen aus dem Alptraum" (ISBN 3293002463), erkennt man die Bereitschaft zu unvorstellbarer Grausamkeit. Eigentlich müsste so ein Buch jeder mal gelesen haben, um zu wissen, was da wirklich abgeht. Ob Ghaddafi bei all seiner Gewaltfinanzierung im Ausland wirklich harmloser bleiben wird im Inland, darf bezweifelt werden. Umso mehr brauchen die Menschen die Unterstützung von außen gerade dort.

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    • joG
    • 17.02.2011 um 17:35 Uhr

    ...dass von Außen geholfen werden kann und vielleicht sollte. Welche Hilfe sollte das aber sein? Dazu haben wir eigentlich keine richtigen Leitlinien.

    Die UNO Charta untersagt eigentlich solche Hilfe als "äußere Einmischung", das im Prinzip gilt und naturgemäß von Autokraten (die in der UNO eine Mehrheit der Mitglieder abgibt) viel restriktiver beurteilt, als von Mitgliedern mit freiheitlicherer inneren Ordnung.

    Was also sollten wir tun? Sollen wir Reden halten? Oppositionelle finanziell oder logistisch unterstützen? Sollen wir ihnen Gewehre schicken? Sanktionen implementieren? Die Herrscher mit dem Internationalen Gerichtshof drohen?

    Unter welchen Umständen sollte welche Maßnahme gefordert sein? Sollte es eine Pflicht darstellen Bevölkerungen zu helfen? Kann es sein, dass wir in Situationen unterhalb der Vertreibungs- oder Massenmordgrenze eingreifen müssen? Darf man nur helfen, wenn eigene Bürger gefährdet sind? Darf nur zum Zeitpunkt der Tat eingreifen oder sollte man auch später aktiv werden? Oder muss man bereits handeln, wenn internationaler Handel gefährdet ist?

    Es wird Zeit, dass wir uns mit einer Rechtsordnung auseinandersetzen, die solche Themen angeht.

    • joG
    • 17.02.2011 um 17:35 Uhr

    ...dass von Außen geholfen werden kann und vielleicht sollte. Welche Hilfe sollte das aber sein? Dazu haben wir eigentlich keine richtigen Leitlinien.

    Die UNO Charta untersagt eigentlich solche Hilfe als "äußere Einmischung", das im Prinzip gilt und naturgemäß von Autokraten (die in der UNO eine Mehrheit der Mitglieder abgibt) viel restriktiver beurteilt, als von Mitgliedern mit freiheitlicherer inneren Ordnung.

    Was also sollten wir tun? Sollen wir Reden halten? Oppositionelle finanziell oder logistisch unterstützen? Sollen wir ihnen Gewehre schicken? Sanktionen implementieren? Die Herrscher mit dem Internationalen Gerichtshof drohen?

    Unter welchen Umständen sollte welche Maßnahme gefordert sein? Sollte es eine Pflicht darstellen Bevölkerungen zu helfen? Kann es sein, dass wir in Situationen unterhalb der Vertreibungs- oder Massenmordgrenze eingreifen müssen? Darf man nur helfen, wenn eigene Bürger gefährdet sind? Darf nur zum Zeitpunkt der Tat eingreifen oder sollte man auch später aktiv werden? Oder muss man bereits handeln, wenn internationaler Handel gefährdet ist?

    Es wird Zeit, dass wir uns mit einer Rechtsordnung auseinandersetzen, die solche Themen angeht.

  4. wenn einem die Proteste im Inneren zuviel werden, kann man ja auch den Erzfeind provozieren. Vom Iran lernen.

    http://www.telegraph.co.u...

    Aber davon hören wir sicher erst morgen oder übermorgen etwas im gutgelaunten Deutschland.

  5. ich bin mal gespannt was denn dann dort passiert - daß Lybiens ÖL und Gas ausgehen sollte halte ich für nicht glaubwürdig- Lybien ist riesig groß- dort gibt es mit Sicherheit noch weitere Vorkommen und wenns wirklich so sein sollte- Ghaddafi ist Despot hin oder her clever und biedert sich ja schon jetzt bei den Russen an- und die werden sich das Kaukasusöl/Gas bald unter den Nagel gerissen haben bis die Amis und Deutschen davon noch träumen - auch wenn es in Lybien eine Polizeidiktatur gibt- so muß dort niemand hungern wie in Ägypten die halbe Bevölkerung- die Lybier bekommen Schuldbildung-KV-Wohnung u.v.a. umsonst- die Wüste wird in riesigen Beflutungs-Projekten fruchtbar gemacht- das erwähnt der Autor dieses Artikels komischerweise nicht- Frauen dürfen in Jeans rumlaufen und offen entscheiden ob sie einen Schleier tragen wollen - und es wird keine Scharia praktiziert- es gibt also wirklich schlimmere Systeme und Unmenschen in Afrika als Ghaddafi - womit ich die polit.Unterdrückung nicht gutheissen will

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    • yosi
    • 16.02.2011 um 19:44 Uhr

    Also als Libyer kann ich da nur widersprechen. In erster Linie kriegen die einfachen Leute nichts von dem ganzen mit, es dient eher zur "Selbstversorgung", und die wirklich guten Ernten werden nicht gerade zu erschwinlglichen Preisen verkauft, zumindest nicht auf dem Markt. Was dem Land einfach fehlt ist eine Stimme für das Volk. Bis jetzt waren alles einfach Leere versprechen. Ich versteh was sie meinen, aber er hat leider auch schon den Dschihad ausgesprochen und hatte auch nur nach 9/11 eingelenkt, weil er hätte selbst dran glauben müssen. Oftmals(und das weiß ich) wird auch die Scharia praktiziert, es handelt sich keineswegs um einen Rechtsstaat, nicht mal ansatzweise, folglich kommt es zu schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er ist keineswegs auch nur annährend gemäßigt, sonder Unterdrückt sein Volk mit aller Härte und nutzt die Scharia, da wo es gerade passt(Es werden auch Hände abgehackt etc.).

    • Zeugma
    • 16.02.2011 um 20:28 Uhr

    Man muss klar sagen: Ohne Ölverkauf sind weder Libyen noch SA auch nur von geringster wirtschaftlicher Bedeutung. Es wird ansonsten nichts Nennenswertes produziert. Dazu gibt es einen sehr großen jungen Bevölkerungsanteil, für den es keine Jobs gibt. Düstere Aussichten.

    Das Positive: Sowohl diese Länder als auch wir brauchen einen Nachfolgeenergieträger und das Gute ist, dass diese Länder ausreichend viel menschenleere und sonnenbeschienene Flächen haben für gigantische Solarkraftwerke. Damit wäre allen geholfen.

    gut gesprochen. Ich denke fuer den sturz der strasse wird Sich in libyen kaum eine mehrheit finder. Den libyern geht es am besten aller saharastaaten. Das volk weis das. Gaddhafi ist bei weitem nicht so schlecht wie sein ruf . Kein vergleich zu Mubarak und ben ali.Ich glaube kaum, Das nur annaehernd eine mehrheit gegen ihn stellen wird. Warum auch? Freie krankenversorgung, billige lebensmittel, kostenlose wohnung
    , Keine existenzbedrohende armut .Wo gibt es Das in afrika? welchen
    Anreiz sollten die libyer haben? Schlecht recherchierter artikel, der den us amerikanischen standpunkt nachplappert. Der author war sicher nie in libyen.

    • yosi
    • 16.02.2011 um 19:44 Uhr

    Also als Libyer kann ich da nur widersprechen. In erster Linie kriegen die einfachen Leute nichts von dem ganzen mit, es dient eher zur "Selbstversorgung", und die wirklich guten Ernten werden nicht gerade zu erschwinlglichen Preisen verkauft, zumindest nicht auf dem Markt. Was dem Land einfach fehlt ist eine Stimme für das Volk. Bis jetzt waren alles einfach Leere versprechen. Ich versteh was sie meinen, aber er hat leider auch schon den Dschihad ausgesprochen und hatte auch nur nach 9/11 eingelenkt, weil er hätte selbst dran glauben müssen. Oftmals(und das weiß ich) wird auch die Scharia praktiziert, es handelt sich keineswegs um einen Rechtsstaat, nicht mal ansatzweise, folglich kommt es zu schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er ist keineswegs auch nur annährend gemäßigt, sonder Unterdrückt sein Volk mit aller Härte und nutzt die Scharia, da wo es gerade passt(Es werden auch Hände abgehackt etc.).

    • Zeugma
    • 16.02.2011 um 20:28 Uhr

    Man muss klar sagen: Ohne Ölverkauf sind weder Libyen noch SA auch nur von geringster wirtschaftlicher Bedeutung. Es wird ansonsten nichts Nennenswertes produziert. Dazu gibt es einen sehr großen jungen Bevölkerungsanteil, für den es keine Jobs gibt. Düstere Aussichten.

    Das Positive: Sowohl diese Länder als auch wir brauchen einen Nachfolgeenergieträger und das Gute ist, dass diese Länder ausreichend viel menschenleere und sonnenbeschienene Flächen haben für gigantische Solarkraftwerke. Damit wäre allen geholfen.

    gut gesprochen. Ich denke fuer den sturz der strasse wird Sich in libyen kaum eine mehrheit finder. Den libyern geht es am besten aller saharastaaten. Das volk weis das. Gaddhafi ist bei weitem nicht so schlecht wie sein ruf . Kein vergleich zu Mubarak und ben ali.Ich glaube kaum, Das nur annaehernd eine mehrheit gegen ihn stellen wird. Warum auch? Freie krankenversorgung, billige lebensmittel, kostenlose wohnung
    , Keine existenzbedrohende armut .Wo gibt es Das in afrika? welchen
    Anreiz sollten die libyer haben? Schlecht recherchierter artikel, der den us amerikanischen standpunkt nachplappert. Der author war sicher nie in libyen.

  6. Wer ist eigentlich dieser Gadhafi?

    Ich kenne nur Muammar Abu Minyar al-Gaddafi oder Mu'ammar Abu Minyar al-Qaddhafi oder Muʿammar al-Qaddhāfī oder Muʿammar al-Qaḏḏāfī oder englisch Muammar Abu Minyar al-Gaddafi.

    Sehr verwirrend das Ganze. Immerhin stimmt der Rest.Wir wollen nicht kleinlich sein. Aber dass die Kriegsschiffe schon durch den Suez-Kanal schippern. Sehr bedenklich.

    Und das im Südsudan über 211 Menschen gestorben sind, scheint auch keinen zu interessieren. Im ölreichen Bundesstaat Dschunqali. Abgeschlachtet von Milizen.

    Ist wohl nicht so interessant. Naja, die Abspaltungsgeschichte war ja wenigstens mal in den Medien. Genug Aufmerksamkeit für ein weiteres Jahr. George Clooney war ja auch da. Tolle Sache...nicht?

    Genug Kritik. Jetzt freuen wir uns auf einen unterhaltsamen Show-Abend. Die Welt wird schon nicht untergehen. Die Proteste im Jemen, im Iran, in Bahrain, in Algerien, in Libyen sind indes alternativlos. Übrigens gibt es auch Wirrköpfe, die das Gleiche für Indien, Bangladesch...und sogar für...China fordern. Verrückt, nicht?

    Liebe Grüße
    Siebenpfeiffer

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Ach Gadhafi...

    Ich erinnere mich noch irgendwann in den Neunzigern wo er zum Auslandsbesuch darauf bestand im weißen Schimmel zu paradieren.

    Ein typischer Arabischer Despot, mit dem Hand zur Exzentrik.

    Die Bevölkerungsbombe mit Jung+Hungrig+Aggressiv wird auch ihn wegfegen...

    Ich frage mich was aus den ganzen Ländern jetzt wird?
    Der Hauptgrund für die Rückständigkeit, der mittelalterliche Islam, ist ja nach wie vor tief verankert.

  8. ... werden sie ihre Probleme auch nicht lösen können, weil die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

    Bei uns löst man die Probleme ja auch nicht, man müsste die Wahrheit über unser Geldsystem sagen und über den Globalismus!

    Dann wären die Leute hier auch auf der Strasse!

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