Hosni Mubarak Der Pharao ist verjagt

"Endlich sind wir frei", jubeln Tausende in Ägypten. Niemals hätte der bisherige Machthaber Mubarak damit gerechnet, dass ein Volksaufstand ihn in die Wüste schicken würde.

Mubarak ist zurückgetreten. Das Regime wankt, der Platz der Befreiung bebt. Menschen fallen sich in die Arme, singen, tanzen, strecken die Hände zum Himmel. Andere sinken auf die Knie und beten. "Endlich sind wir frei", rufen sie weinend und immer wieder "Freiheit, Freiheit".

Feuerwerk am Himmel von Kairo, Gewehrsalven hallen durch die Straßen. 18 endlose Tage hatten die Demonstranten auf diese Nachricht gewartet, die Vizepräsident Omar Suleiman im Fernsehen verlas. Mehr als 300 Menschen sind in dieser Zeit durch Polizeikugeln, Tränengasgranaten oder Messerstiche gestorben, mindestens 5000 wurden durch staatliche Schläger verletzt. Dann, am Freitagabend um kurz nach 18 Uhr, versinkt das Epizentrum des Volksaufstandes in ein jubelndes Fahnenmeer. Kein Millimeter Platz ist mehr frei in diesem historischen Augenblick. Zehntausende stauen sich zurück auf den Nilbrücken. Aus allen Himmelsrichtungen hört man Autos hupend durch die Stadt rasen. Lächelnd schauen die Soldaten von ihren Panzern herab auf das ausgelassene Treiben vor ihren Füßen.

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"Revolution 2.0: Mission Accomplished" twitterte Ägyptens bekanntester Blogger Wael Ghonim an seine weltweite Netzgemeinde. Der 30-jährige Google-Werbemanager hatte am 25. Januar per Facebook mit seinem Aufruf zum ersten "Tag des Zorns" die Revolution in Ägypten ins Rollen gebracht.

Bis zum letzten Atemzug – so hat Hosni Mubarak stets gesagt – wolle er Präsident Ägyptens bleiben. Nie hat er sich träumen lassen, dass ihn sein eigenes Volk mit einem Massenaufstand davonjagen würde. 18 Tage dauerten Machtkampf und Nervenkrieg zwischen dem alten Potentaten und der Millionenschar seiner jungen Untertanen. 18 Tage lang gingen Tag für Tag Hunderttausende auf die Straße und skandierten "Hau ab, Mubarak", "Stellt Mubarak vor Gericht" und am Ende sogar "Hängt Mubarak auf". Eine Million Urlauber verließ Hals über Kopf das Land, Tausende Kriminelle ließ das Regime aus den Gefängnissen laufen, damit sie nachts die eigene Bevölkerung terrorisierten.

Doch zum ersten Mal in der Geschichte Ägyptens ließen sich die Menschen nicht mehr einschüchtern. Sie hatten die Nase voll von Polizeischlägern und Folterern, von der Armut vieler und der Selbstbereicherung weniger, von Arbeitslosigkeit, Korruption und täglicher Willkür. 18 Tage klammerte sich der 82-jährige ehemalige Jet-Pilot Mubarak noch an seinen Thron. Noch am Abend zuvor hatte er sein Volk in einer 17-minütigen Ansprache mit langatmigen Beteuerungen und Ermahnungen, mit nebulösen Versprechungen und starrköpfigen Vorwürfen provoziert. Nur in einem beiläufigen Nebensatz ließ er die Bemerkung fallen, er habe "gewisse Kompetenzen" auf Vize Omar Suleiman übertragen – welche genau, das sagte er nicht.

Mehrfach drohte er seinem Untertanen mit Chaos und Anarchie, wenn er die Macht vorzeitig aus der Hand geben müsse. Doch dann gab er auf – unter dem Druck seines Volkes und dem Druck der Generäle, die ihren ehemaligen Kameraden am Ende nicht mehr stützen wollten. Die Armee habe "Schritte eingeleitet, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten", erklärte das Oberkommando unter Leitung von Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi. Es hatte mehr als 24 Stunden lang zu einer "Sitzung ohne Ende" zusammengesessen.

Fast drei Jahrzehnte lang hatte Hosni Mubarak am Nil alle Fäden in der Hand gehalten – als unangefochtener Patriarch der Nation und als international geschätzter Garant von Stabilität. Mehr als die Hälfte der 80 Millionen Ägypter kennen nur ihn als Staatsoberhaupt. Länger regiert am Nil haben während der letzten 5000 Jahre nur der antike Pharao Ramses II. und Mohammed Ali Pasha Anfang des 19. Jahrhunderts, der als Begründer des modernen Ägyptens gilt.

Leser-Kommentare
  1. Das war Gänsehaut pur.Das Beste was das Jahr 2011 bisher zu bieten hat.Es wird schwer das zu übertreffen.

  2. Seinem betrübten Blick nach scheint dies wohl möglich. Auch in der dritten Erklärung eines Sprechers der Armee wurde Mubarak kurz gewürdigt, allerdings ebenso vor den unter den Demonstranten salutiert, Suleiman allerdings wurde dort mit keinem Wort erwähnt.

    Ich hoffe, dass sind Zeichen, dass auch er weg vom Fenster ist. Ne Menge Mobster werden jetzt zittern, nicht nur in Ägypten. Hoffe Gaddafi ist einer der Nächsten. Aber den wird Europa wohl wieder mal bis zuletzt stützen, wo er doch unsere geliebte Schutzmauer gegen die Flüchtlinge aus Afrika ist (wie er das mit denen macht spielt dabei keine Rolle).

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  3. Was ich mich frage:

    Wenn die Armee jetzt regiert, wo ist Suleiman?

    Und was noch viel wichtiger ist: Wer regiert die Armee?

    Ist die Armee nicht mehr oder weniger in der Hand des Westens?

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    Suleiman ist zur Zeit komplett entmachtet.
    Die Armee hatte bereits vor einigen Tagen ein Komitee gebildet, das sich mit der Organisation der Wahlen und Bewältigung des Alltagsgeschäfts in den kommenden Tagen beschäftigen soll.

    Ihre Fragen lassen sich wie folgt beantworten:
    - Nach dem Rücktritt von Mubarak und dem Rücktritt des Ministerpräsidenten, gibt es ausschliesslich Sulleiman als stellvertrenden Volksvertreter, der ebenfalls sein Amt verloren hat.
    - Aufgrund der Tatsache, dass dea Militär defacto den Souverän in Abwesenheit vertritt, ist die politische, judikative und legeslative Macht übertragen.

    Suleiman ist zur Zeit komplett entmachtet.
    Die Armee hatte bereits vor einigen Tagen ein Komitee gebildet, das sich mit der Organisation der Wahlen und Bewältigung des Alltagsgeschäfts in den kommenden Tagen beschäftigen soll.

    Ihre Fragen lassen sich wie folgt beantworten:
    - Nach dem Rücktritt von Mubarak und dem Rücktritt des Ministerpräsidenten, gibt es ausschliesslich Sulleiman als stellvertrenden Volksvertreter, der ebenfalls sein Amt verloren hat.
    - Aufgrund der Tatsache, dass dea Militär defacto den Souverän in Abwesenheit vertritt, ist die politische, judikative und legeslative Macht übertragen.

  4. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Kommentaren an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/ew

  5. Suleiman ist zur Zeit komplett entmachtet.
    Die Armee hatte bereits vor einigen Tagen ein Komitee gebildet, das sich mit der Organisation der Wahlen und Bewältigung des Alltagsgeschäfts in den kommenden Tagen beschäftigen soll.

    Antwort auf "Was ich mich frage..."
  6. Ganz große Klasse! Einen riesen Glückwunsch an die Ägypter!!!
    Dass die Demonstranten nach all den emotionalen Auf und Abs so friedlich und diszipliniert (aber auch hartnäckig) geblieben sind macht wirklich Hoffnung für die Zukunft.
    Respekt, Respekt, Respekt!!!

    Klar wird das Fest auch mal aufhören und der graue Alltag mit vielen neuen Problemen ganz sicher kommen, doch nun sollten sie erst einmal kräftig feiern!

  7. Hut ab vor den Ägyptern, absolut Hut ab! Der friedliche Protest adelt sie und straft alle Lügen, die meinten Mubarak wird gebraucht um sie im Zaum zu halten.
    Mögen sie viele Nachfolger finden von Casablanca bis Honkong.
    Ich würde mir wünschen, dass unsere europäische Politikergarde, die sich bisher so diplomatisch gewunden hat wie Aale, einmal über ihren Schatten springt und der neuen Militärregierung kräftig unter die Arme greift, denn die wirtschaftlichen Probleme bleiben ja und können zu Radikalisierung und zum Ende des Demokratieprozesses führen.

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    denn sie haben die Revolution ohne die Hilfe der Regierenden des Westen durchgeführt. Man kann Frau Nerkel nicht vorwerfen Sie hätte nicht das Geringste zur Unterstützung der Demokratie in Ägypten beigetragen, sie hat. Das Gegenteil ist sogar faktisch der Fall. Der vollkommen lernunfähige Westen hat wieder eine brutale Diktatur gestützt und hofiert bis zum für ihn natürlich unvorhersehbaren Ende. In den Nobelhotels und auf den Golfplätzen ist die Stimmung immer gut. Selbst unsere nur dort verkehrenden Geheimdienste können dann nur Bombenstimmung vermelden.

    Unvergessen Merkel herzt Mubarak. Und Ashton perfektioniert den Eiertanz.

    denn sie haben die Revolution ohne die Hilfe der Regierenden des Westen durchgeführt. Man kann Frau Nerkel nicht vorwerfen Sie hätte nicht das Geringste zur Unterstützung der Demokratie in Ägypten beigetragen, sie hat. Das Gegenteil ist sogar faktisch der Fall. Der vollkommen lernunfähige Westen hat wieder eine brutale Diktatur gestützt und hofiert bis zum für ihn natürlich unvorhersehbaren Ende. In den Nobelhotels und auf den Golfplätzen ist die Stimmung immer gut. Selbst unsere nur dort verkehrenden Geheimdienste können dann nur Bombenstimmung vermelden.

    Unvergessen Merkel herzt Mubarak. Und Ashton perfektioniert den Eiertanz.

  8. Es wäre durchaus schön,wenn die Araber auch zur Freiheit
    und Demokratie kommen könnten.Es gibt die Hoffnung,
    doch liegt noch sehr viel Arbeit und Schweiß auf diesem
    Weg ! Es wird die Anstrengung nicht nur der Ägypter ,sondern
    von uns allen brauchen,dass dieser Weg sicher und erfolgreich
    werden kann.

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    Hoffentlich bleibt alles in einigermassen geregelten Bahnen.So toll der Erfolg sich zur Zeit darstellt. Er ist noch längst nicht in trockenen Tüchern. Hoffen wir alle das sich das Ereignis stabilsiert.

    Hoffentlich bleibt alles in einigermassen geregelten Bahnen.So toll der Erfolg sich zur Zeit darstellt. Er ist noch längst nicht in trockenen Tüchern. Hoffen wir alle das sich das Ereignis stabilsiert.

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