Nahost Gelebte Versöhnung im Grenzgebiet
Rami Elhanan ist Israeli, Bassam Aramin Palästinenser. Beide verloren ihre Töchter durch Gewalttaten. Gemeinsam kämpfen sie für den Frieden.
Rami Elhanan ist auf dem Weg von Jerusalem nach Ar-Ram, einem kleinen palästinensischen Ort, etwa fünf Kilometer entfernt. Der 61-Jährige Israeli trifft dort seinen Freund Bassam Aramin. Sie halten einen Vortrag vor einer Gruppe amerikanischer Touristen. Rami Elhanan macht den Anfang: "Wir sind Brüder, weil wir einen besonderen Vertrag schließen mussten, der durch das Blut unserer Töchter besiegelt wurde."
Rami Elhanan und Bassam Aramin haben einen weiten Weg zurückgelegt, bis sie sich kennenlernten. Der von Elhanan nahm seine entscheidende Wendung im September 1997. Damals sprengten sich in einer Jerusalemer Fußgängerzone drei Selbstmordattentäter der Hamas in die Luft, als seine Tochter Smadar und zwei Freundinnen gerade dabei waren Schulbücher zu kaufen.
Smadar und eine Freundin starben. Zwei Wochen später hätte sie ihren 14. Geburtstag gefeiert. Mit einem Mal war das Leben der kleinen Familie Elhanan, das ein ganz gewöhnlich israelisches war, zu Ende.
Auch Bassam Aramin führte ein typisches Leben. Ein typisch palästinensisches. 1967 geboren wächst er in einem kleinen Dorf bei Hebron auf und schließt sich als Teenager einer Widerstandsgruppe an. Sie sprühen Slogans an Hauswände, werfen Steine auf die israelischen Patrouillen. Dann finden sie alte Waffen der jordanischen Armee, die die Soldaten nach ihrer Niederlage im Sechs-Tage-Krieg in einer Höhle zurückgelassen hatten. Seine Freunde werfen zwei Handgranaten auf einen israelischen Armeejeep. Keiner wird verwundet, aber der Jeep beschädigt.
Bassam Aramin wird verhaftet und zu sieben Jahren Haft verurteilt. Als er 1992 entlassen wird, ist er ein anderer Mensch. Trotz aller Schikanen im Gefängnis hat er dort dem bewaffneten Kampf abgeschworen. Aramin lernt hebräisch. Die Besatzer bekommen ein menschliches Antlitz. Vorher hatte er sie nur als Soldaten wahrgenommen, die es zu bekämpfen gilt.
Auch mit Rami Elhanan geschieht etwas. Nach dem Tod seiner Tochter begegnet er Yitzhak Frankenthal, dem Gründer der Organisation Parents Circle – Families Forum. Sie vereint Israelis und Palästinenser, die Angehörige in diesem Konflikt verloren haben, jedoch den Weg der Versöhnung gehen wollen. Frankenthal überredet Elhanan. Und passiert etwas, das Elhanan später als "inneres Erdbeben" bezeichnet. Im Alter von 47 Jahren nimmt Rami Elhanan, der stolze Soldat, der in drei Kriegen kämpfte und dessen Vater der jüdischen Untergrundorganisation Haganah angehörte, Palästinenser das erste Mal als Menschen war: "Menschen wie ich: das gleiche Blut, der gleiche Schmerz, die gleichen Tränen." Rami tritt der Organisation bei.
Aramin gründet 2005 mit anderen ehemaligen palästinensischen Widerstandskämpfern und israelischen Reservesoldaten, die den Dienst in den besetzten Gebieten verweigern, die Organisation Combatants for Peace. Einer der Gründer ist Ramis Sohn Elik. So lernen Bassam und Rami sich kennen.
Und dann kommt der 16. Januar 2007: Aramins Tochter Abir wird, als sie Hand in Hand mit ihrer älteren Schwester die Schule verlässt, um Süßigkeiten zu kaufen, schwer am Kopf verwundet. Offensichtlich wurde die 10-Jährige von einem Gummigeschoss getroffen, das ein israelischer Grenzsoldat abfeuerte.
- Datum 04.02.2011 - 09:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...das nenne ich Vater sein! Ich ziehe den Hut vor diesen Männern, denn das ist nicht selbstverständlich...
Ich wünsche ihnen, das sie den Frieden den sie sich ersehnen, noch erleben werden...
musste nicht ein einziger israelischer Vater in den vergangenen Jahren das Schicksal von dem hier beschriebenen Vater teilen.
Nicht die Anschlagsversuche haben nachgelassen, es gelingen schlichtweg keine mehr. Ueber die versuchten Anschlaege wird ausserhalb Israels leider nicht mehr berichtet, was einen falschen Eindruck entstehen laesst.
Es ist beeindruckend, was diese beiden Vaeter trotz ihres eigentlich unertraeglichen Schicksals tun und es koennte Hoffnung bereiten.
Es ist nur verstoerend, wenn nach einem derart positiven Zeichen, dann wieder in Form von Polemik gegen die Sicherheitsmassnahmen Israels, Kritik an Israel geuebt wird.
Man koennte so eine Beitrag eher mit einem Plaedoyer gegen den arabischen Terror beenden, der die Sicherheitsmassnahmen notwendig macht und ohne den heute noch beide Toechter am Leben waeren.
hier die Karte, auf der der Verlauf der Mauer und des "Sicherheitszaunes", die Israel völkerrechtswidrig auf besetztem palästinensischem Gebiet bereits errichtet hat und errichten wird, gezeigt wird: http://passthrough.fw-not...
"In setting the Barrier's route, Israeli officials almost totally ignored the severe infringement of Palestinian human rights. The route was based on extraneous considerations completely unrelated to the security of Israeli citizens. A major aim in setting the route was de facto annexation of part of the West Bank: when the Barrier is completed, 9.5 percent of the West Bank, containing 60 settlements, will be situated on the western – the “Israeli” – side, and Israeli politicians already relate to the Barrier’s route as Israel’s future border." http://www.btselem.org/en...
Die zwei Väter des Artikels machen mir Hoffnung, dass doch eines Tages BEIDE Seiten einsehen werden, dass BEIDE Seiten gleich schuld an der heutigen Situation sind und sich die Hände reichen und sich GEGENSEITIG vergeben müssen, damit die Menschen endlich in Frieden leben können.
hier die Karte, auf der der Verlauf der Mauer und des "Sicherheitszaunes", die Israel völkerrechtswidrig auf besetztem palästinensischem Gebiet bereits errichtet hat und errichten wird, gezeigt wird: http://passthrough.fw-not...
"In setting the Barrier's route, Israeli officials almost totally ignored the severe infringement of Palestinian human rights. The route was based on extraneous considerations completely unrelated to the security of Israeli citizens. A major aim in setting the route was de facto annexation of part of the West Bank: when the Barrier is completed, 9.5 percent of the West Bank, containing 60 settlements, will be situated on the western – the “Israeli” – side, and Israeli politicians already relate to the Barrier’s route as Israel’s future border." http://www.btselem.org/en...
Die zwei Väter des Artikels machen mir Hoffnung, dass doch eines Tages BEIDE Seiten einsehen werden, dass BEIDE Seiten gleich schuld an der heutigen Situation sind und sich die Hände reichen und sich GEGENSEITIG vergeben müssen, damit die Menschen endlich in Frieden leben können.
Ein Artikel der unter die Haut geht. Journalismus vom Feinsten.
Es tut gut zu wissen, das es noch Journalisten gibt, die auf die Zukunft bauen und von Alternativen anhand solcher Schicksale aufzeigen. Danke :-)
... empfinde ich für diese beiden leidgeprüften Männer, die sich gegen den Hass, und für die gemeinsame friedliche Zukunft entschieden haben.
Ich weiß, dass sie nicht alleine stehen, sondern dass es längst Hundettausende in Nahost gibt, die ebenso humanistisch und friedliebend denken und fühlen.
Mein grösster Respekt gilt diesen beiden Vätern!
Leider müssen wir hier alle solch sinnlossen Tode erleben und die Hinterbliebenen begleiten. Eine Freundin wurde von Palästinensern ermordet. Sie war Lehrerin an einer arabisch-israelischen Schule, aktive Friedensaktivistin und bei ihrem Tod einfach nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Vor ihr wurde eine noch unbekannte Zahl von Menschen von der Terrorgruppe ermordet, gefasst wurden sie nach dem letzten Mord und versuchten Mord im Dezember. Die Mörder sind geständig.
Das wird sicher ihren Mann, aber wohl weniger ihre Tochter interessieren.
Sowohl bei der Beisetzung, als auch bei der Erinnerungsfeier waren zahlreiche arabische Freunde, Kollegen und Schüler/Innen. Da war kein Hass, keine Rachsucht zu spüren, sondern nur die gemeinsame Trauer um einen Menschen.
Mein grösster Respekt gilt diesen beiden Vätern!
Leider müssen wir hier alle solch sinnlossen Tode erleben und die Hinterbliebenen begleiten. Eine Freundin wurde von Palästinensern ermordet. Sie war Lehrerin an einer arabisch-israelischen Schule, aktive Friedensaktivistin und bei ihrem Tod einfach nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Vor ihr wurde eine noch unbekannte Zahl von Menschen von der Terrorgruppe ermordet, gefasst wurden sie nach dem letzten Mord und versuchten Mord im Dezember. Die Mörder sind geständig.
Das wird sicher ihren Mann, aber wohl weniger ihre Tochter interessieren.
Sowohl bei der Beisetzung, als auch bei der Erinnerungsfeier waren zahlreiche arabische Freunde, Kollegen und Schüler/Innen. Da war kein Hass, keine Rachsucht zu spüren, sondern nur die gemeinsame Trauer um einen Menschen.
dass Sie mal wieder den schwarzen Peter auf eine einzige Seite schieben wollen.
"Es ist nur verstoerend, wenn nach einem derart positiven Zeichen, dann wieder in Form von Polemik gegen die Sicherheitsmassnahmen Israels, Kritik an Israel geuebt wird."
Ich bestreite nicht das Recht Israels, sich gegen Terrorismus zu währen. Nur das WIE es sich währt, muss nunmal kritisiert werden.
Israel hat die Mauer nicht aus israelischem Boden gebaut und somit mal wieder gegen das Völkerrecht verstossen. Israel hätte die Mauer genausogut auch auf israelischem Boden errichten können. Israel hat dies aber nicht getan, um den Landraub weiter zu zementieren. Dies ist die Meinung des Internationalen Gerichtshofes: http://www.icj-cij.org/do...
"Man koennte so eine Beitrag eher mit einem Plaedoyer gegen den arabischen Terror beenden, der die Sicherheitsmassnahmen notwendig macht und ohne den heute noch beide Toechter am Leben waeren."
Ein vernünftiger Mensch beendet diesen Beitrag mit einem Plädoyer gegen Terrorisus JEGLICHER Art und schiebt die Schuld, nicht wie Sie, auf nur eine Seite.
Der Staatsterrormismus Israels ist genauso schlecht und zu verurteilen wie der Terrorismus von palästiensischen Extremisten.
Die Sicherheitsbarriere ist von allen Möglichkeiten Selbstmordmörder aufzuhalten, die effizienteste.
So sterben keine Menschen. Weder die Unschuldigen, noch die Terroristen.
Die Alternative wäre eine große militärische Intervention.
Oder fällt Ihnen eine bessere ein?
Die Sicherheitsbarriere ist von allen Möglichkeiten Selbstmordmörder aufzuhalten, die effizienteste.
So sterben keine Menschen. Weder die Unschuldigen, noch die Terroristen.
Die Alternative wäre eine große militärische Intervention.
Oder fällt Ihnen eine bessere ein?
durch persönliche Entscheidungen und Vergeben auf beiden Seiten.
Aus innerem Kampf, nicht aus äußerem.
Danke für diesen Artikel.
Die Sicherheitsbarriere ist von allen Möglichkeiten Selbstmordmörder aufzuhalten, die effizienteste.
So sterben keine Menschen. Weder die Unschuldigen, noch die Terroristen.
Die Alternative wäre eine große militärische Intervention.
Oder fällt Ihnen eine bessere ein?
Beispielhaft, bewundernswert! Wenn möglich, die guten Wünsche weiterleiten - es könnte wichtig sein...
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