Ägyptens friedliche Revolution "Die Opposition muss wachsam bleiben"
Hosni Mubarak ist weg. Was macht das Militär mit der neu gewonnenen Macht? Der Weg zur Demokratie ist lang, kommentieren internationale Medien.
© Dylan Martinez/Reuters

Regimegegner lesen Zeitung auf dem Tahrir Platz nach dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak
Neue Zürcher Zeitung, Schweiz
Was die Generäle mit der Macht anfangen werden, die ihnen in den Schoss gefallen ist, ist die große Unbekannte. Der Vorsitzende des Militärrats ist Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, der in den letzten 20 Jahren Mubaraks Verteidigungsminister war. Er dürfte den vorsichtigen Kurs vorgegeben haben, den die Streitkräfte zwischen Regime und Protestbewegung steuerten, indem sie sich weigerten, auf die Demonstranten zu schießen, ohne die Legitimität Mubaraks in Frage zu stellen. Tantawi war einer der wenigen Exponenten des Regimes, die zum Tahrir-Platz gingen, um mit den Demonstranten zu sprechen. Er wird darauf achten müssen, dass die Einheit zwischen Armee und Volk, welche die Pro-Demokratie-Demonstranten zelebrieren und welche die Streitkräfte bisher zu wahren wussten, nicht zerbricht.
New York Times, USA
Die Ägypter haben sich ihren Jubel auf dem Tahrir-Plat verdient. Der Rücktritt des Präsidenten Hosni Mubarak ist ein überwältigender Sieg für die engagierte, jugendliche Opposition in Ägypten. In weniger als drei Wochen erzwangen sie ein größtenteils friedliches Ende seiner 30 Jahre dauernden Herrschaft. Auch wenn wir uns mit ihnen freuen, haben wir die Nachricht, dass ein Militärrat das Land nun regiert, mit Sorge aufgenommen. In einem kurzem Statement gaben die Militärführer bekannt, dass sie das Land in eine freie demokratische Gesellschaft führen wollen. Aber sie haben nicht gesagt wann und wie sie das tun werden. Es wäre eine Tragödie – und ein sicheres Rezept für weitere Aufstände – wenn die Armee diesen historischen Moment falsch deutet. Die Ägypter wollen Demokratie. Sie wollen nicht das eine repressive System gegen das andere austauschen.
Süddeutsche Zeitung
Von einer zersplitterten Opposition, die seit Jahrzehnten geknebelt wurde, sollte in dieser Situation niemand erwarten, dass sie über Nacht mit fertigen Projekten antritt. Freiheit, mehr Gerechtigkeit, menschliche Behandlung der Getretenen wären schon gewaltige Errungenschaften. Die großen Probleme des Niltals und der Region bestehen fort. Sie heißen Verelendung, Arbeitslosigkeit, fehlende Aussichten für die Jugend, Umweltzerstörung. Die Präsidenten, Generale und Monarchen, die Ben Alis und Mubaraks der arabischen Welt, haben diese Plagen nicht geheilt. Wie könnten es ihre unerfahrenen Gegner von gestern, gestützt allein auf Reformsehnsüchte, umgehend besser machen?
Tageszeitung, Berlin
Für die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz – darunter die Muslimbrüder – stellt sich jetzt die Frage ihres weiteren Vorgehens. Geben sie sich mit dem Rücktritt Mubaraks zufrieden oder fordern sie weiter den Sturz seines Systems? Es ist gut möglich, dass darüber die bisherige Einheit aufbricht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ob die Ordnung nach Mubarak eine pluralistische und halbwegs demokratische sein wird, wie die Demonstranten es erwarten, kann niemand vorhersagen. Wenigsten die Reformen, die Mubarak und Suleiman zugesagt haben, müssten jetzt erfüllt werden. Aber jene, die das bisherige Regime getragen haben, werden alles daransetzen, ihre politischen und privaten Besitzstände so weit wie möglich zu bewahren. Die Opposition muss also wachsam bleiben und die weitere Entwicklung mit Argusaugen beobachten.
- Datum 12.02.2011 - 11:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Das egyptische Volk hat das Schicksal in eigene Haende genommen. Dumme,eingebildete,arrogante USA+EU-Politiker hatten es anders geregelt in Muenchen voriges Wochenende. 30 Jahre lang haben USA+ Europa in Aegypten keine Menschenrechtsverletzungen sehen koennen/wollen,Mubarak wurde aber braf finanziert. Eine schwarze Seite der Geschichte von Europa.Jetzt ist es noch nicht zu spaet den jungen Demokratisierungsprozess positiv zu unterstuetzen,bitte aber nicht aufdringen
Nicht zuletzt die europäischen Touristen und deren Reiseveranstalter werden entscheiden, ob der ägyptische Aufbruch eine Zukunft hat:
Behalten sie Ägypten als beliebtes Reiseziel bei, fließt weiterhin genug Geld ins Land. Bleiben sie fern, führt das zu Unzufriedenheit mit der neuen Regierung und - ähnlich wie im Deutschland der 1920er Jahre mit seinen Reparationszahlungen - zu Radikalisierung und Rechtfertigungsproblemen für die Demokraten.
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