Illegale Immigranten aus Nordafrika nach der Ankunft auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa © Antonio Parrinello/Reuters

Die Massenflucht von Tunesien nach Italien will nicht enden und beide Länder sind sich uneinig, wie die Bootsflüchtlinge aufgehalten werden sollen.

Die tunesische Regierung wies am Sonntag den Vorschlag Italiens zurück, eigene Polizisten in das nordafrikanische Land zu entsenden, um den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton will das Thema bei einem Besuch in Tunesien heute ansprechen.

Taïeb Baccouche, der Sprecher der tunesischen Regierung, sagte dem Fernsehsender El Arabija, der italienische Vorschlag sei "inakzeptabel". "Das tunesische Volk lehnt die Stationierung ausländischer Soldaten auf seinem Gebiet ab", sagte er und fügte hinzu, die Kontrolle der eigenen Küsten liege bei den tunesischen Behörden.

Angesichts der vielen Bootsflüchtlinge mit Ziel Europa stockte Tunesien seine Küstenwache personell auf. "Verstärkung wurde geschickt", hieß es aus Regierungskreisen in der Hauptstadt Tunis. Die Küstenwache arbeite "Tag und Nacht, um diesen Strom zu stoppen" und habe viele Menschen beim Versuch der Grenzüberquerung festgenommen. Nähere Angaben zur Art und Zahl der Verstärkung wurden nicht gemacht. Tunesien erlebe "eine außergewöhnliche Phase", zugleich sei das Problem der Bootsflüchtlinge jedoch nicht neu, hieß es.

Insgesamt hielten die tunesischen Behörden Berichten zufolge rund 1500 Bürger an der Küste von einer Flucht ab. Allein auf der Insel Djerba seien 200 Menschen festgenommen worden. Insgesamt seien bis zu 5000 Menschen bereits in Italien angekommen, allein in der Nacht zum Sonntag waren es 1000.

Seit den Unruhen im nordafrikanischen Land Tunesien und dem anschließenden Sturz des langjährigen Staatschefs Sein al-Abidin Ben Ali Mitte Januar hatte sich die Zahl der Flüchtlinge stark erhöht. Daher hat die italienische Regierung für die Insel Lampedusa den Notstand ausgerufen.