FluchtwelleTausende Tunesier fliehen nach Italien

Rund 5000 Flüchtlinge haben in den vergangenen fünf Tagen die italienische Insel Lampedusa erreicht. Der Flüchtlingsstrom sorgt inzwischen für Streit zwischen Tunesien und Italien. von AFP und dpa

Illegale Immigranten aus Nordafrika nach der Ankunft auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa

Illegale Immigranten aus Nordafrika nach der Ankunft auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa  |  © Antonio Parrinello/Reuters

Die Massenflucht von Tunesien nach Italien will nicht enden und beide Länder sind sich uneinig, wie die Bootsflüchtlinge aufgehalten werden sollen.

Die tunesische Regierung wies am Sonntag den Vorschlag Italiens zurück, eigene Polizisten in das nordafrikanische Land zu entsenden, um den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton will das Thema bei einem Besuch in Tunesien heute ansprechen.

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Taïeb Baccouche, der Sprecher der tunesischen Regierung, sagte dem Fernsehsender El Arabija, der italienische Vorschlag sei "inakzeptabel". "Das tunesische Volk lehnt die Stationierung ausländischer Soldaten auf seinem Gebiet ab", sagte er und fügte hinzu, die Kontrolle der eigenen Küsten liege bei den tunesischen Behörden.

Angesichts der vielen Bootsflüchtlinge mit Ziel Europa stockte Tunesien seine Küstenwache personell auf. "Verstärkung wurde geschickt", hieß es aus Regierungskreisen in der Hauptstadt Tunis. Die Küstenwache arbeite "Tag und Nacht, um diesen Strom zu stoppen" und habe viele Menschen beim Versuch der Grenzüberquerung festgenommen. Nähere Angaben zur Art und Zahl der Verstärkung wurden nicht gemacht. Tunesien erlebe "eine außergewöhnliche Phase", zugleich sei das Problem der Bootsflüchtlinge jedoch nicht neu, hieß es.

Insgesamt hielten die tunesischen Behörden Berichten zufolge rund 1500 Bürger an der Küste von einer Flucht ab. Allein auf der Insel Djerba seien 200 Menschen festgenommen worden. Insgesamt seien bis zu 5000 Menschen bereits in Italien angekommen, allein in der Nacht zum Sonntag waren es 1000.

Seit den Unruhen im nordafrikanischen Land Tunesien und dem anschließenden Sturz des langjährigen Staatschefs Sein al-Abidin Ben Ali Mitte Januar hatte sich die Zahl der Flüchtlinge stark erhöht. Daher hat die italienische Regierung für die Insel Lampedusa den Notstand ausgerufen.

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Leserkommentare
  1. Und dieses Recht sollte Europa auch umsetzen.

    Eine Flüchtlingswelle des zu erahnenden Ausmaßes ist für Europa nicht tragbar.

    Wenn das passiert, was sich jetzt schon abzeichnet, dann wird es in Europa zu Aufständen der Einheimischen kommen; unabhängig der nationalen Zugehörigkeit.

    Dem gilt es, entgegen zu treten!

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    ... wenn wir die Waren von dort wollen, aber die Menschen nicht.

  2. Es war nicht anders zu erwarten: der Sturz Ben Alis wird zu einer Besetzung Tunesiens durch NATO-Streitkräfte führen. Tunesien ist nicht in der Lage seine Grenzen zu schützen, die Tunesier nicht in der Lage, eine funktionierende Administration aufzubauen. Ben Ali muss so schnell wie möglich als rechtmäßiger Herrscher in Tunesien wieder eingesetzt werden [...]

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    • jecho
    • 14. Februar 2011 16:17 Uhr

    Dass es kranke Meschen gibt, das bezweifelt niemand, aber soo krank, das gibt einem zum nachdenken.Solche Diktatoren, sollte man eigentlich aus der Gesellschaft wegtilgen.

  3. Zitat Moritator: "Wir werden uns entscheiden müssen, entweder umfangreiche ökonomische Hilfe vor Ort zu leisten um eine vernünftige ökonomische Perspektive zu eröffnen, die einen Verbleib sinnvoll erscheinen lassen, oder aber wir werden die Immigration in das ökonomisch gebeutelte Europa mit militärischen Mitteln verhindern müssen."

    Keineswegs, letztlich wird man beides machen müssen. V.a. Letzteres, da Ersteres zu lange dauert.

    Und die Idee mit dem Nato-Bündnisfall ist gar nicht so schlecht. Sollen uns doch die Amis helfen, wenn die Bundeswehr schon nach AFG muß. Oder eben umgekehrt: Die Amerikaner helfen nicht und die Bundeswehr kommt nach Hause. Wäre natürlich zu bevorzugen.

    Und unsere Werften werden durch die Marine auch wieder ausgelastet. Auch nicht schlecht.

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    Die Frage ist, warum denn Demokratie und Freiheit in den arabischen Ländern auf die Dauer nicht funktionieren. Die Frage ist, warum die von den westlichen Kolonialherren übernommene Infrastruktur nicht funktionstüchtig erhalten wurde. Die Frage ist, warum politische Stabilität, Kontinuität und Zuverlässigkeit nur dort gewährleistet waren und sind, wo die Araber von Präsidenten und Monarchen geführt werden, die mit harter Hand regieren?

    Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Länder, wie Ägypten oder Tunesien mit Erlangung ihrer "Freiheit" sehr schnell weit hinter den status quo zurückfallen werden.

  7. Wieviele Erdteile können wir noch aus unseren Taschen retten?
    Wir haben kein Geld für die eigenen Kinder, haben Sie das Geschacher darum nicht mitbekommen?

    Den Rentner die Rente kürzen, damit in Tunesien alle satt zu essen haben?

    Wenn die Politische Kaste das Land genug ausgebeutet hat,
    und Riesenvermögen in unseren Ländern gehortet hat, sollen wir für deren Arme bezahlen?

    Damit die nächsten, die regieren werden, es genauso weitermachen können?

    Grüsse
    ladytrue

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    'Wieviele Erdteile können wir noch aus unseren Taschen retten?'

    Welche Erdteile sind denn Ihrer Erkenntnis nach von 'uns' gerettet worden? Nicht verstanden, daß der Reichtum des Westens sich zu einem ganz erheblichen Anteil aus der Armut und Ausbeutung armer Länder speist? Ob das nun die direkte Kolonialpolitik der vergangenen Jahrhunderte oder die neuere globalisierte Ausbeutung ist, ist dabei recht unerheblich.

    Sie wissen auch nicht, daß ein Großteil der Kleptokraten in armen Ländern in Europa ausgebildet sind, ihre Gelder in der Schweiz etc. anhäufen und Latifundien an der Cote D'Azur besitzen?

    Wir in Europa sollten uns sehr davor hüten, uns wie der französische Adel am Vorabend der französischen Revolution zu verhalten.

  8. nachdem für den gemeinen europäer die tunesier in der vergangenheit nur zum krabbenpulen oder sardinenfang nützlich waren, stehen sie jetzt auf einmal in der haustür von europa und verlangen ordentliche arbeit. dass seit dem 2. weltkrieg das 6 fache des marshallplanes an geldmitteln nach afrika geflossen ist; geschenkt. es landete eh nur meistens in den händen von korrupten beamten, politikern und diktatoren. es ist keine hilfe für die nordafrikanischen länder, wenn jetzt diejenigen, die gesund und arbeitsfähig sind - bei allem persönlichen verständnis - sich aus dem sprichwörtlichen staub machen. es sollte den menschen ganz klar gesagt werden, was sie im haus europa erwartet, nämlich auffanglager, ewig lange und zermürbende duldungsverfahren etc etc, aber bestimmt nicht die goldigen aussichten, die ihnen irgendwelche schlepper in ihrem land erzählen und die teilweise auch hier von einigen gutmenschen aus "humanitären gründen" erwähnt werden. was wäre wohl los, wenn 5000 tunesier nicht auf lampedusa, sondern z.b. auf sylt anlanden?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Tunesien | Behörde | Bootsflüchtling | Catherine Ashton | Flüchtling | Hauptstadt
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