Libyen "Sanktionen halten Gadhafis Flugzeuge nicht am Boden"

Fraktionsübergreifend halten deutsche EU-Abgeordnete eine Flugverbotszone über Libyen für möglich. Wie diese umgesetzt werden sollte, sagen sie nicht.

Mit amerikanischen F-16 Kampfjets sicherte die UN die Flugverbotszone über den Irak von 1991 bis 2003

Mit amerikanischen F-16 Kampfjets sicherte die UN die Flugverbotszone über den Irak von 1991 bis 2003

Bei den deutschen EU-Abgeordneten scheint fraktionsübergreifend Einigkeit darüber zu herrschen, dass der Westen die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen vorantreiben sollte. Abgeordnete von CDU, SPD und den Grünen drängen darauf, einen solchen Schritt sobald wie mögliche wieder im UN-Sicherheitsrat zu diskutieren. Nur Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Abgeordneter im EU-Parlament, sieht die nötigen Voraussetzungen für einen solchen Schritt nicht gegeben. Weder gebe es bisher ein UN-Mandat für ein militärisches Eingreifen noch werde ein Mitglied der Vereinten Nationen unmittelbar durch Libyen bedroht, sodass man im Rahmen des Artikel 51 der UN Charta eingreifen könnte. "Die Lage in Libyen ist zu unübersichtlich, um definitiv sagen zu können, dass ein militärischer Eingriff gerechtfertigt ist", sagt Graf Lambsdorff. Im Moment könne man nur Abwarten, mit welchen Ergebnissen das UN-Beraterteam, das am Sonntag nach Tripolis gesandt wurde, zurückkommt. Sollten eine eklatante Verletzung der Menschenrecht deutlich werden, dann könne man die Situation neu bewerten.

Elmar Brok von der CDU macht seine Entscheidung von einer eingehenden Prüfung durch Militärs abhängig. Sollten diese Untersuchungen zu dem Ergebnis kommen, dass eine Flugverbotszone mit "vernünftigen Mitteln" möglich ist, dann hält er ein UN-Mandat für den Einsatz für durchaus wünschenswert. "Momentan stehen keine andere Methode zur Verfügung Gadhafi zu stoppen. Die bisher beschlossenen Sanktionen werden seine Flugzeuge nicht am Boden halten", sagte Brok.

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Auch bei den Grünen ist man sich darüber bewusst, dass eine Flugverbotszone ein militärisches Vorgehen erfordert. Die Grünen Europaparlamentsabgeordnete Franziska Katharina Brantner ist sich sicher: "Wenn ein Flugverbot generell als Option vom Tisch kommt, dann sendet das die falschen Signale an Gadhafi." Allerdings müssten vor allem die Sanktionen weiter verschärft werden, denn bisher gab es noch keine effektive Umsetzung, der von den Vereinten Nationen verhängten Beschlüsse. China und Indien kauften weiterhin Öl in Libyen ein und erhielten damit Gadhafis größte Einnahmequelle aufrecht. Ein weiterer Schritt zur Stabilisierung des Landes wäre die Legitimierung der Opposition. Brantner fordert zudem, dass die internationale Gemeinschaft den am 27. Februar in Bengasi gegründeten provisorischen Nationalrat anerkennen müsste.

Diese Ansicht teilt auch Wolfgang Kreissl-Dörfler, der für die SPD im EU-Parlament sitzt. Ein reiner Beschluss von Sanktionen ist nicht ausreichend, wenn er im Endeffekt nicht durchgesetzt werde. Wenn etwa Länder wie Italien einen Zahlungsboykott nur erwägen, dann ist das nicht genug, sagt Kreissl-Dörfler. Er votiert dafür, dass die EU-Außenminister, unter der Führung von der Außenbeauftragten Catherine Ashton, ihr Gewicht in der UN nutzen, um die Diskussion über eine Flugverbotszone neu in Gang zu bringen. Gerade Deutschland, mit seinem nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, müsse aufhören so zögerlich zu reagieren und mit einer Entscheidung nicht auf die anderen Mitglieder warten. "Gadhafi ist nicht mehr anders beizukommen", betont er.

Eine Mehrheit für ein militärisches Eingreifen besteht aber nicht auf internationaler Ebene – und nicht einmal unter den Nato-Partnern. Während Großbritannien und Frankreich offensiv für ein Eingreifen in Libyen werben, warnt US-Außenministerin Hilary Clinton vor einem zweiten Somalia. Nach dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 fiel Somalia in einen Bürgerkrieg von dem es sich bis heute nicht erholt hat. Zwei von den USA geführte UN-Missionen scheiterten damals kläglich und verlustreich. Auch China und Russland, die beide als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat über ein Vetorecht verfügen, haben bisher auch keinerlei Zustimmung zu einem militärischen Eingreifen signalisiert.
 

 
Leser-Kommentare
  1. "Fraktionsübergreifend halten deutsche EU-Abgeordnete eine Flugverbotszone über Libyen für möglich. Wie diese umgesetzt werden sollte, sagen sie nicht."
    Es ist nicht die Aufgabe von Volksvertretern, abzuwägen, was militärisch machbar ist oder wie die Details einer Intervention auszusehen haben. Dafür zahlen wir etwa 30 Mrd. Euro pro Jahr an entsprechend ausgebildete Leute und an die Rüstungsindustrie für funktionsfähiges Equipment.

    "Eine Mehrheit für ein militärisches Eingreifen besteht aber nicht auf internationaler Ebene und nicht einmal unter den Nato-Partnern ... US-Außenministerin Hilary Clinton [warnt] vor einem zweiten Somalia."
    Ja, das sagt Clinton. McCain (R) und Kerry (D) sehen das anders, Obama betont militärische Möglichkeiten als eine Handlungsoption (http://www.nytimes.com/20...).

    Was sagt eigentlich der Bundesguido oder die Mutti dazu, außer dass Gewalt gegen das eigene Volk inakzeptabel ist? Man hört von den den Briten, den Franzosen und den Spanien und besonders viel von den US-Amerikanern, aber was will unsere Regierung? Im einen oder anderen Nebensatz wurde zwar erwähnt, dass eine Flugverbotszone abgelehnt wird, da Gadhafi das propagandistisch ausnutzen könnte, aber was ist den dann der Plan der Regierung? Abwarten? Trotz der Forderungen der Demonstranten? Diese Position wird wohl kaum für längere Zeit haltbar bleiben.

  2. Es ist traurig anzusehen, wie ein derart menschenverachtendes Wesen wie dieser alte verirrte Mann unbeschreibliches Leid erzwingen kann - und die Welt schaut mal wieder zu.

    Das Übel steckt in der Scheinheiligkeit der waffenexportierenden Länder, die sich, oh wie überrascht, plötzlich den eigenen Waffen gegenüberstehen sehen.

    Etwas Gutes hat es, wenigstens wissen sie dann schon, was sie erwartet.

  3. Das ist wohl das entscheidende Stichwort. Die heutige Stimmung dürfte sehr schnell kippen, wenn Bilder einer völlig anderen Art die Medien überfluten. Das libysche Regime wird diese Bilder dankbar aufgreifen und einen nationalen Verteidigungsfall medial inszenieren. Stichwort: "Stieftochter des großen Bruders". Bricht die Zustimmungsbasis für die Intervention in libyscher Bevölkerung weg, wird der Westen als derjenige dastehen, der den mutmaßlichen Geschäftsführungswillen des libyschen Volkes völlig falsch eingeschätzt hat.

    Eine entsprechende UN-Resolution ist erforderlich, damit die libyschen Milliardäre begreifen, dass der Einsatz von Kampfflugzeugen über Wohngebieten ein verdammt harter Tobak ist. Die Umsetzbarkeit dieser Resolution ist aber ein sehr riskantes Unterfangen.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Gadhafi können bis jetzt noch keinerlei Massaker an Zivilisten nachgewiesen werden !

    Obama schon.

    Obama ist die Geissel Europas !

    Antwort auf
  5. "Tausendfacher Schlächter von Tripolis"

    Dies suggeriert, dass Sie "Mothers finest" Beweise oder zumindest eindeutige BELEGE dafür haben dass Gadhafi verantwortlich ist für den Tod von mindestens 2000 Zivilisten.

    Haben Sie diese ?

    Würde mich sehr interessieren !

    Und bitte verlinken Sie jetzt nicht auf ein Propagandakommentar auf ZEIT, WELT SPON, sondern auf eine Glaubhafte Quelle.

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    • joG
    • 08.03.2011 um 11:02 Uhr

    ....im Sinne eines sehr unwahrscheinlichen Falls, dass Gaddafi keine Menschen töten und foltern ließ. So ist das letztlich aber immer im internationalen Sektor, war es immer und wird immer so sein. Wissen tut man erst sicher, wenn der Soldat anhält auf uns persönlich und abdrückt. Letztlich ist das im Inland sogar so. Wenn die Polizei sich mit den mutmaßlichen Verbrechern schießt, kann es auch Mal kein Verbrecher sein. Selbst im sicheren übersichtlichen Inland. Das ist trivial.

    Was also wollen Sie sagen?

    • joG
    • 08.03.2011 um 11:02 Uhr

    ....im Sinne eines sehr unwahrscheinlichen Falls, dass Gaddafi keine Menschen töten und foltern ließ. So ist das letztlich aber immer im internationalen Sektor, war es immer und wird immer so sein. Wissen tut man erst sicher, wenn der Soldat anhält auf uns persönlich und abdrückt. Letztlich ist das im Inland sogar so. Wenn die Polizei sich mit den mutmaßlichen Verbrechern schießt, kann es auch Mal kein Verbrecher sein. Selbst im sicheren übersichtlichen Inland. Das ist trivial.

    Was also wollen Sie sagen?

    • Acrux
    • 07.03.2011 um 23:33 Uhr

    die Lufthoheit ueber dem eigenen Land zu verteidigen. Wer glaubt, die lybische Luftwaffe liesse sich so einfach die Butter vom Brot nehmen uebersieht einiges, zum Beispiel dass es anders als im Irak in den letzten zehn Jahren weder Krieg und sei 2004 auch kein Waffenembargo mehr gab, die Ausruestung duerfte also auf gegnwaertigem Stand und ohne Abnutzung sein. Eine feindliche Luftwaffe ueber eigenem Gebiet auf dem Boden zu halten, ist unter solchen Umstaenden ohne Verluste kaum machbar.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    so asymmetrisch - nicht ganz zu unrecht haben unsere amerikanischen Freunde ja nen recht beschissenen Ruf - was wohl auch etwas mit "feiger", asymmetrischer Kriegsführung zu tun hat - grade in der muslimischen und arabischen Welt wird das auch empfindlich so wahrgenommen – wenn jetzt ne Luftwaffe – ob amerikanisch – israelisch oder italienisch ^^lol sch egal nur dafür sorgen würde, dass alles was in Libyen an Militärflugzeugen startet – abgeschossen wird – sicher das könnte auch Verluste geben – aber wer glaub denn ernsthaft, dass Libysche Kampfjetpiloten mit 40 Jahre alten Maschinen nen Luftkampf gegen eine modernen Luftwaffe führen wollten?(!)

    Aber etwas anderes würde erreicht...

    Nur – so wie ich die US Streitkräfte kenne bomben die lieber GANZ Libyen erstmal aus 8000 km höhe ins Mittelalter zurück...

    8000 meter war nat. gemeint - oha 15000 kampfjets 8000km höhe - etwas - bluna alle hier

    so asymmetrisch - nicht ganz zu unrecht haben unsere amerikanischen Freunde ja nen recht beschissenen Ruf - was wohl auch etwas mit "feiger", asymmetrischer Kriegsführung zu tun hat - grade in der muslimischen und arabischen Welt wird das auch empfindlich so wahrgenommen – wenn jetzt ne Luftwaffe – ob amerikanisch – israelisch oder italienisch ^^lol sch egal nur dafür sorgen würde, dass alles was in Libyen an Militärflugzeugen startet – abgeschossen wird – sicher das könnte auch Verluste geben – aber wer glaub denn ernsthaft, dass Libysche Kampfjetpiloten mit 40 Jahre alten Maschinen nen Luftkampf gegen eine modernen Luftwaffe führen wollten?(!)

    Aber etwas anderes würde erreicht...

    Nur – so wie ich die US Streitkräfte kenne bomben die lieber GANZ Libyen erstmal aus 8000 km höhe ins Mittelalter zurück...

    8000 meter war nat. gemeint - oha 15000 kampfjets 8000km höhe - etwas - bluna alle hier

  6. Ein Diktator, der seit Jahrzehnten das libysche Volk unter seiner Knute hält, ist ihnen sympathischer als ein demokratisch gewählter Präsident der USA?Dem Land, das die BRD nach dem 2. Weltkrieg nicht in den Einflussbereich der Sowjets einverleibt wurde? Der Krieg im Irak war ein Verbrechen, gewiss. Der Krieg in Afghanistan ist eine von der UN getragene milit. Intervention, der ein Angriff von Fundamentalisten vorausging, die sich auf die Taliban als Unterstützer verlassen konnten, die sich durch ihr unkooperatives Handeln nach dem 11. September zu Komplizen dieser Verbrecher machten. Als wären die Amis gewissenlose Menschenschlächter und Blutsäufer.Dass ich nicht lache![...]

    MfG

    NiMachiavelli

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    Antwort auf
  7. so asymmetrisch - nicht ganz zu unrecht haben unsere amerikanischen Freunde ja nen recht beschissenen Ruf - was wohl auch etwas mit "feiger", asymmetrischer Kriegsführung zu tun hat - grade in der muslimischen und arabischen Welt wird das auch empfindlich so wahrgenommen – wenn jetzt ne Luftwaffe – ob amerikanisch – israelisch oder italienisch ^^lol sch egal nur dafür sorgen würde, dass alles was in Libyen an Militärflugzeugen startet – abgeschossen wird – sicher das könnte auch Verluste geben – aber wer glaub denn ernsthaft, dass Libysche Kampfjetpiloten mit 40 Jahre alten Maschinen nen Luftkampf gegen eine modernen Luftwaffe führen wollten?(!)

    Aber etwas anderes würde erreicht...

    Nur – so wie ich die US Streitkräfte kenne bomben die lieber GANZ Libyen erstmal aus 8000 km höhe ins Mittelalter zurück...

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    Die können:
    * Ziele mit einer Geschwindigkeit von 3.500 km/h in 5 bis 35 km Höhe und einer Entfernung von 150 km abzufangen
    * Ziele mit einer Geschwindigkeit von 2.000 km/h in 5 bis 35 km Höhe und einer Entfernung von 180 bis 200 km abzufangen
    * Eine Trefferwahrscheinlichkeit von 70 bis 80 %
    Mit Flugzeugen sollte man das nicht versuchen. Deswegen sind die Schiffe in der Ecke. Die VSA brennen wahrscheinlich drauf ihre Raketenabwehrsysteme zu testen. Zumal für Iran, der ähnlich bewaffnet ist.

    • joG
    • 08.03.2011 um 11:08 Uhr

    ....Verweis auf die Amis ab. Es sind Europäer, Deutsche, die die Flugverbotszone fordern. Auch Amerikaner. Ja. Aber kümmern Sie sich doch um die eigene Politik. Die verstehen Sie und die können Sie beeinflußen. Oder ist es gerade letzteres, das Sie mit der unterschwelligen Hetze gegen en Ami wollen? Nach dem ;uster "Außenfeind-Innen Wirkung!"

    Die können:
    * Ziele mit einer Geschwindigkeit von 3.500 km/h in 5 bis 35 km Höhe und einer Entfernung von 150 km abzufangen
    * Ziele mit einer Geschwindigkeit von 2.000 km/h in 5 bis 35 km Höhe und einer Entfernung von 180 bis 200 km abzufangen
    * Eine Trefferwahrscheinlichkeit von 70 bis 80 %
    Mit Flugzeugen sollte man das nicht versuchen. Deswegen sind die Schiffe in der Ecke. Die VSA brennen wahrscheinlich drauf ihre Raketenabwehrsysteme zu testen. Zumal für Iran, der ähnlich bewaffnet ist.

    • joG
    • 08.03.2011 um 11:08 Uhr

    ....Verweis auf die Amis ab. Es sind Europäer, Deutsche, die die Flugverbotszone fordern. Auch Amerikaner. Ja. Aber kümmern Sie sich doch um die eigene Politik. Die verstehen Sie und die können Sie beeinflußen. Oder ist es gerade letzteres, das Sie mit der unterschwelligen Hetze gegen en Ami wollen? Nach dem ;uster "Außenfeind-Innen Wirkung!"

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