Hilfe für Japan Helfen, aber richtig!
Das Spendenbedürfnis der Deutschen ist nach der Katastrophe in Japan gewaltig. Viele denken jedoch eher an Strahlenschutz als an die viel wichtigere humanitäre Hilfe.
Die Erdbebenkatastrophe in Japan hat in Deutschland eine große Welle der Solidarität ausgelöst. So berichtet die Hilfsorganisation Caritas beispielsweise von einem Spendenaufkommen im sechsstelligen Bereich. Viele Menschen fragen sich darüber hinaus aber, ob sie den Menschen in Japan auch anders helfen können: In Foren werden Lieferungen von Geigerzählern und Schutzanzügen debattiert. Es gibt Websiten wie das "Open Home Projekt", auf denen ausreisewilligen Japanern Privatunterkünfte im Ausland vermittelt werden. Im Fokus dieser Überlegungen steht fast immer der drohende GAU im havarierten Atomkraftwerk Fukushima 1.
Tatsächlich aber ist das Hauptproblem aus humanitärer Sicht derzeit nicht das zerstörte AKW, sondern die Lage in den Tsunami-Gebieten. Den Menschen fehlt es an Wasser, Nahrung, warmer Unterkunft, nicht an Geigerzählern.

Super-GAU oder begrenzter Unfall? Wie sehen das schlimmste und das beste Szenario für die Zukunft aus?
Viele der einschlägigen Hilfsorganisationen sind in Japan dennoch nicht aktiv – aus einem einfachen Grund: Japan ist kein Entwicklungsland, sondern eine hoch entwickelte Industrienation.
Das Land ist – anders als beispielsweise Haiti – sehr gut auf Naturkatastrophen eingestellt und besitzt eine weltweit wohl einzigartige Katastrophenhilfe. Gleichzeitig verfügt Japan über die notwendigen finanziellen Mittel, die Katastrophenhilfe zu finanzieren und die eigene Bevölkerung zu versorgen. "Die privaten Haushalte (Japans, Anmerk. des Autors) weisen nach Daten von 2005 im Schnitt ein Sparvolumen von 11,5 Mill. Yen (ca. 75.000 €) auf", schreiben Paul Kevenhörster, Werner Pascha und Karen Shire in einer sozialwissenschaftlichen Studie über Japan. Neben dieser hohen Sparquote sind die meisten japanischen Haushalte sehr gut versichert und können zumindest die finanziellen Spätfolgen der Katastrophe teilweise abfedern.
Auch deshalb hat die japanische Regierung bislang kein allgemeines Hilfsgesuch an die internationale Gemeinschaft ausgegeben, sondern nur um gezielte Unterstützung gebeten. Japan hat zum Beispiel bei den USA um Unterstützung bei der Bewältigung der nuklearen Katastrophe nachgefragt. Die EU wurde gebeten, ihre einzelnen Hilfsangebote untereinander abzustimmen, berichtete die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, der Nachrichtenagentur AFP.
Dennoch werden Spenden benötigt. Auch wenn Japan sehr gut ausgerüstet ist, gibt es Versorgungsengpässe in einigen Regionen. Besonders Alte, Kranke und Behinderte leiden unter den Folgen des Tsunamis, berichtet Achim Reinke von Caritas Deutschland. Die Organisation habe selbst keine deutschen Helfer am Ort, arbeite aber mit dem Ableger in Japan zusammen. Dort würden vor allem Gemeindezentren errichtet und Decken, Nahrungsmittel und Trinkwasser an Menschen verteilt, die durch das soziale Netz fallen, sagte Reinke.
Wer den Menschen in Japan helfen will, sollte also an diejenigen Organisationen spenden, die im Land selbst tätig sind oder dort Partner haben. Das sind beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz, World Vision und Save the Children. In Deutschland informiert das Bündnis für Hilfsorganisation Aktion Deutschland Hilft über etablierte und seriöse Einrichtungen. Vielen Organisationen hilft es, wenn Spenden nicht an einen bestimmten Zweck gebunden werden, weil dann die Mittel nicht flexibel genug eingesetzt werden können.
Von Sachspenden raten Hilfsorganisationen ab. In Japan seien genügend Konsumgüter vorhanden, sagt die Sprecherin der Roten Kreuzes, Svenja Koch. Außerdem verursache der Transport von Spendengütern zu hohe Kosten. "Die Menschen sollen lieber einen Basar einrichten und den Erlös an eine Hilfsorganisationen spenden", empfiehlt Koch.
- Datum 18.03.2011 - 17:46 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 13
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auf diesen Artikel hin faellt mir eigentlich nicht viel ein:
sind die Deutschen auf dem Weg komplett zu verbloeden ?!
Naja, sie spenden ja bekannterweise eh gerne unsinnigerweise abgelegte Kleidung oder egoistisch "zweckgebunden", was ich schon schlimm genug finde. Aber "Geigerzaehler und Schutzanzuege" schiesst den Vogel ab.
Wenn wir keine Spenden in die die absolut lebensnotwendigen Grundlagen wie Nahrung, Wasser, Heizsysteme stecken, dann sterben ganz schnell mehr Menschen an Hunger & Kaelte, als ueber laengere Zeit an den Folgen von Strahlenbelastung.
Normalerweise spende ich an MSF ( ohne Zielbestimmung, weil es immer an ALLE Brennpunkte dieser Welt verteilt wird ), aber selbst diese haben darauf hingewiesen, daß Japan erstmal eine stabile Grundversorgung ( Nahrung und Heizungen ) benoetigt ... mehr als medizinische Hilfe.
Die Menschen in Japan haben pro Haushalt Spareinlagen, die das Volumen der Spareinlagen von Entwicklungsländern bei weitem übersteigen.
Welche Bedeutung haben Kontobewegungen, wenn man mit dem am Geldautomat abgehobenen Geld kein Dach über dem Kopf kaufen kann, weil die Infrastruktur schlicht zerstört ist?
Wenn in einem Entwicklungsland oder einem reichen hochtechonologisiertem Land eine Katastrophe ausbricht, brauchen alle Menschen zuerst einmal humanitäre Hilfe, unabhängig von ihrem Bruttoinlandsprodukt.
Und zwar sehr schnell internatonale humanitäre Hilfe.
Ich würde eine Familie mit Kindern aufnehmen, auch wenn es sehr eng werden würde, aber sie könnten der Verstrahlung entkommen.
Und meine große Familie würde da helfen.
aber mein Geld bekommt weiterhin Ric O'Barry
Deutschland spendet Geigerzähler, wie absurd ist das denn ?!
Ich hatte mich schon über TV-Berichte gewundert, die von einem Ausverkauf an Geigerzählern in Deutschland sprachen. Jetzt weiß ich es, die Schwachköpfe schicken sowas nach Japan!
Ich fass es nicht!
gespendet, aber für gewöhnlich spende ich an die Institutionen die probieren den Schaden den die Menschen anrichten wieder gut zu machen...
Die japanischen Turbokapitalisten haben Japan längst verlassen, sitzen in Hawai oder in den Emiraten. Es gibt in diesem Land des reinen Turbokapitalismus wenig bis keine Solidarität. Korruption und Wirtschaftskriminaltät haben aus diesem Land eine Pseudodemokratie gemacht und einige wenige Konzernbosse haben das Sagen. Menschenleben interessieren nicht. Es ist zu hoffen, dass die Japaner nach dieser Katastrophe Demokratie lernen. In Japan ist alles da, nur die Reichen versuchen auch in dieser Situation noch, die Bevölkerung unter Kontrolle zu halten durch künstlich verlängerte Notsituationen.
Ebenso ist ein völliger Quark, dass in Fukushima die desinformierten Soldaten, Feuerwehrleute oder andere "freiwillig" in den sicheren Strahlentod gehen. Heute wird die Strahlung (addierte mSievert) mit schwerwiegenden gesundheitlichen Schädigungen wie genetische Defekte, extreme Krebsraten etc. die 80 km Grenze überschreiten entgegen anderslautenden "offiziellen" Berichten!
In Japan frieren und hungern tausende obdachlose Menschen in Notunterkünften. Tausende Verletzte müssen notversorgt werden. In Deutschland trifft sich die Protestbewegung zum fröhlichen Frühlingsmarsch.
In Libyen tobt der Bürgerkrieg. Deutschland läßt die Nato-Partner mit dümmlichen Argumenten im Stich. Danke für den Platz im Sicherheitsrat, übrigens.
Griechenland ist pleite. Deutschland übernimmt die Hauptlast der Bürgschaft.
Deutschland schafft sich ab. Bei dieser Regierung ist man geneigt zu sagen: Besser heute als morgen!!!
Es war in der Nachkriegszeit noch nie so peinlich Deutscher zu sein.
Ja, Erdbeben, Tsunami und Atomdesaster sind eine Katastrophe vor allem für die japanischen Menschen, die alles verloren haben.
Dennoch sind die meisten Menschen in Deutschland durchaus in der Lage gegen Atomkraftwerke zu sein und dennoch ein Mitgefühl für die japanischen Opfer der Naturkatastrophen zu haben. Vermutlich wird auch die Mehrheit der Atomgegner nicht auf den Gedanken kommen Geigerzähler zu spenden.
Leider kommen sie auch nicht auf den Gedanken, dass man Geld vielleicht eher für Haiti spenden müsste - aber sei's drum.
Das andere Thema, dass damit ja nix zu tun hat, ist die Haltung der Deutschen im UN Sicherheitsrat. Dort wurde so abgestimmt wie unser GG es zulässt. Wir dürfen per Definition keinen Angriffskrieg führen (schlimm genug, dass wir es in Afghanistan dennoch tun). Nichts anderes aber ist das Eingreifen in Libyen. Insofern sind es keine "dümmlichen Argumente", sondern die einzig korrekte Haltung. Ich bin gar nicht so sicher, ob die "Rebellen" ein anderes Regime im Auge haben. Die libysche Revolution ist völlig undurchschaubar.
Und die Bürgschaften an andere EU Staaten sind genau das: Bürgschaften, d.h. es ist kein Geld geflossen, sondern wir stehen einfach mit unserer Wirtschaftsmacht dafür ein, dass sich andere Länder erholen können - daran kann ich nicht viel peinliches finden.
Und diesen "Deutschland schafft sich ab" Spruch sollten wir lieber gehackt legen. Oder will man sich wirklich mit einem Zahlenverdreher ins selbe Bett legen?
Ja, Erdbeben, Tsunami und Atomdesaster sind eine Katastrophe vor allem für die japanischen Menschen, die alles verloren haben.
Dennoch sind die meisten Menschen in Deutschland durchaus in der Lage gegen Atomkraftwerke zu sein und dennoch ein Mitgefühl für die japanischen Opfer der Naturkatastrophen zu haben. Vermutlich wird auch die Mehrheit der Atomgegner nicht auf den Gedanken kommen Geigerzähler zu spenden.
Leider kommen sie auch nicht auf den Gedanken, dass man Geld vielleicht eher für Haiti spenden müsste - aber sei's drum.
Das andere Thema, dass damit ja nix zu tun hat, ist die Haltung der Deutschen im UN Sicherheitsrat. Dort wurde so abgestimmt wie unser GG es zulässt. Wir dürfen per Definition keinen Angriffskrieg führen (schlimm genug, dass wir es in Afghanistan dennoch tun). Nichts anderes aber ist das Eingreifen in Libyen. Insofern sind es keine "dümmlichen Argumente", sondern die einzig korrekte Haltung. Ich bin gar nicht so sicher, ob die "Rebellen" ein anderes Regime im Auge haben. Die libysche Revolution ist völlig undurchschaubar.
Und die Bürgschaften an andere EU Staaten sind genau das: Bürgschaften, d.h. es ist kein Geld geflossen, sondern wir stehen einfach mit unserer Wirtschaftsmacht dafür ein, dass sich andere Länder erholen können - daran kann ich nicht viel peinliches finden.
Und diesen "Deutschland schafft sich ab" Spruch sollten wir lieber gehackt legen. Oder will man sich wirklich mit einem Zahlenverdreher ins selbe Bett legen?
danke für die aufklärung! genauso ist es.
man braucht momentan keine menschen hier aufzunehmen. ich glaube,auch wenn sie angst haben, niemanden würde es einfallen,jetzt ihre mitmenschen in stich zu lassen. sie wollen so schnell wie möglich den alltag zurück. jeder ,der kann , arbeitet daran, auch die in den notunterkünften! dort ist es bitter kalt, ich hoffe,daß endlich die tankwagen durchgekommen sind, um sie mit heizöl und benzin zu versorgen. essen, trinken, medikamente, hygieneartikel- es fehlt an allem! auch im großraum tokyo,wo so gut nichts zerstört wurde, müssen die menschen geduld üben, nichts läuft mehr wie vorher:züge fallen aus, strom wird stundenweise abgeschaltet etc. aber auch sie bleiben da. die menschen sind dort sehr gut vernetzt, auch wenn es trotzdem nicht klappt, das liegt aber nicht an den menschen, sondern an der situation. also, jedes geld ,das dort ankommt, wird genutzt werden und in richtige hände gelangen. ich bedanke mich für die solidariät deutschlands mit japan. wir haben in diesem jahr 150jahre deutsch-japanische freundschaftsjubiläum. deshalb waren vielerorts hier in deutschland konzerte und veranstaltungen geplant, sie sind nun umfunktioniert zu benefiz-veranstaltungen für japan. auch ich werde mich beteiligen.
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