Volkskongress China bremst Wachstum und fördert Atomkraft

Nachhaltiges Wachstum ist ein Ziel im chinesischen Fünf-Jahres-Plan. Der Volkskongress hat ihn gebilligt. Ein anderes Ziel ist der massive Ausbau der Atomkraft.

Der chinesische Volkskongress hat am Montag den neuen Fünf-Jahres-Plan gebilligt. Zum Abschluss ihrer zehntägigen Jahrestagung in der Großen Halle des Volkes in Peking stimmten 2778 Delegierte für die neuen Rahmenrichtlinien zur Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde im Zeitraum von 2011 bis 2015. 59 Delegierte stimmten dagegen, 38 enthielten sich.

Der neue Fünf-Jahres-Plan soll zu einer Umstrukturierung der Wirtschaft Chinas führen. Der Exportweltmeister will nicht mehr so sehr von seinen Ausfuhren abhängig sein, sondern den heimischen Konsum stärker ankurbeln und das soziale Netz ausbauen. Die Unterstützung der Delegierten für die Vorhaben lag etwa auf dem gleichen Niveau wie 2006 für den letzten Fünf-Jahres-Plan.

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Die Abschlusssitzung war überschattet von der Katastrophe in Japan, die auch Fragen über den geplanten massiven Ausbau der Kernenergie in China aufwirft. Die chinesische Regierung teilte mit, sie wolle zwar aus den Ereignissen in Japan lernen, an der Atomkraft aber festhalten.

Bis 2015 soll mit dem Bau von weiteren 40 Gigawatt an Kapazitäten begonnen werden – das entspricht etwa 28 Kraftwerken. Im Moment hat China 13 Atomreaktoren mit einer installierten Kapazität von 10,8 Gigawatt in Betrieb. Bis 2020 sollen die gegenwärtigen Atomkapazitäten sogar verachtfacht werden, berichten chinesische Staatsmedien.

Die Entwicklung der Atomkraft in den Küstenprovinzen werde "beschleunigt", heißt es in dem Plan. Auch in den zentralen Provinzen werde die Nutzung der Kernenergie "beständig vorangetrieben".

Volkskongress

Der Nationale Volkskongress ist nach der Verfassung eigentlich Chinas höchstes Staatsorgan. Unter der Alleinherrschaft der Kommunistischen Partei allerdings ist er vor allem ein Werkzeug der politischen Führung. Er kam zum ersten Mal 1954 zusammen, als die Verfassung der Volksrepublik China verkündet wurde.

Rund 3000 Abgeordnete gehören dem Volkskongress an. Sie treffen sich für zehn bis zwölf Tage jährlich im März in der Großen Halle des Volkes in Peking.

Die Delegierten werden nicht frei gewählt, sondern alle fünf Jahre von lokalen Volkskongressen neu entsandt. Nationale Minderheiten sollen angemessen vertreten sein.
 

Funktion

Der Volkskongress billigt Gesetze, ändert die Verfassung, bestätigt die Regierung, nimmt den Haushalt an und soll über Probleme im Land diskutieren. Lebhafte Debatten oder kontroverse Abstimmungen sind selten. Wichtige Entscheidungen sind schon vorher in engen Führungszirkeln wie dem mächtigen Politbüro und Ausschüssen gefallen.

Noch nie in seiner Geschichte hat der Volkskongress eine Gesetzesvorlage abgelehnt. 1992 verweigerte aber zumindest ein Drittel der Abgeordneten dem Bau des umstrittenen Drei-Schluchten-Dammes die Zustimmung.

Vom 5. bis 14. März findet in Peking die Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses statt. Auf der Sitzung werden etwa 3000 Abgeordnete den neuen 5-Jahres-Plan verabschieden.

Wirtschaftsziele

China plant in den kommenden fünf Jahren einen historischen Umbau seiner Wirtschaft. Statt Export und Investitionen wie in den vergangenen drei Jahrzehnten soll künftig der heimische Verbrauch das Wachstum antreiben. Das soll den Exportweltmeister unabhängiger von Schwankungen auf ausländischen Märkten machen.

Das Land will zudem die Wirtschaft bremsen, um Stabilität zu garantieren. In den kommenden fünf Jahren soll sie nur noch mit sieben Prozent jährlich wachsen. Im alten Plan (2006-2010) waren 7,5 Prozent angestrebt, aber 11 Prozent erreicht worden.

Energie

Bis Ende 2015 wird eine Verringerung der Energieintensität um 16 bis 17 Prozent angestrebt. Es ist ein wichtiges Ziel des größten Energieverbrauchers und Klimasünders im globalen Kampf gegen die Erderwärmung.

Um 19 Prozent wurde im alten Plan der Energieaufwand für jeden erwirtschafteten Yuan reduziert. Die Reduzierung lag damit knapp unter der 20-Prozent-Vorgabe.

Sicherheitsvorkehrung

Wegen der Aufrufe zu Protesten nach arabischem Vorbild werden die Vorbereitungen zum Jahrestreffen in mehreren Städten von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet.

Zahlreiche Bürgerrechtler sind bereits festgenommen, unter Hausarrest gestellt, eingeschüchtert oder verschleppt worden. Chinas Polizei hat auch die Arbeitsmöglichkeiten von ausländischen Journalisten drastisch eingeschränkt, um Berichte über eventuelle Aktionen zu verhindern.

Mit dem neuen Fünf-Jahres-Plan will China sein rasantes, zweistelliges wirtschaftliches Wachstum in den kommenden fünf Jahren auf nur noch sieben Prozent jährlich drosseln und so weniger Rohstoffe verbrauchen. Der Energieverbrauch für jeden erwirtschafteten Yuan soll bis 2015 um 16 Prozent gesenkt werden. Als größter Klimasünder der Welt will China seinen Ausstoß von Treibhausgasen gemessen an der Wirtschaftsleistung um 17 Prozent verringern. In absoluten Zahlen steigt er wegen des starken Wachstums aber weiter an.

Der Ministerpräsident hatte für dieses Jahr einen verstärkten Kampf gegen die hohen Preissteigerungen versprochen, vor allem bei Nahrungsmitteln und Wohnungen. Die Inflation hatte im Februar 4,9 Prozent erreicht und könnte nach Expertenansicht weiter steigen. Nach 10,3 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr will Wen Jiabao das Tempo der Wirtschaft in diesem Jahr zunächst auf acht Prozent abbremsen.

Der Volkskongress billigte auch den neuen Haushaltsentwurf, der eine starke Steigerung der Militärausgaben um 12,6 Prozent vorsieht. 2391 Delegierte stimmten dafür. Nein-Stimmen gab es 362, während sich 118 Delegierte enthielten. Wegen der wirtschaftlichen Ungewissheiten will China in diesem Jahr weniger Schulden machen. Mit 900 Milliarden Yuan, umgerechnet 98 Milliarden Euro, soll das Haushaltsdefizit von 2,5 Prozent im Vorjahr auf 2 Prozent fallen.

Die nicht frei gewählten Delegierten haben in der Geschichte des Volkskongresses jede Vorlage der Regierung angenommen. Eventueller Widerstand äußert sich nur in einer höheren Zahl von Gegenstimmen oder Enthaltungen. Traditionell bekommen der Oberste Richter und der Generalstaatsanwalt mehr Gegenstimmen, womit die Abgeordneten ihren Unmut über den unzureichenden Kampf gegen Korruption und Kriminalität zum Ausdruck bringen.

In diesem Jahr bekam der Oberste Richter 475 Gegenstimmen und 155 Enthaltungen, während der Generalstaatsanwalt 434 Nein-Stimmen und 130 Enthaltungen hinnehmen musste.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenigstens die Chinesen bewahren einen klaren Kopf [...]

    Gekürzt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

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    Entfernt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

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  2. Führungsclique, die Atomkraft massiv auszubauen, ist vor dem Hintergrund von Tschernobyl und Fukushima bewundernswert.
    Er beschehrt seinem Volk eine strahlende Zukunft!

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  3. Entfernt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    Antwort auf "Klaren Kopf bewahren"
  4. ...
    Und wenn die Anzahl der Meiler dort jetzt aufgestockt wird, um so eher.

    Den jetzt noch Mächtigen wird man die Hälse umderehen,
    denn auch das chinesische Volk wird sich von Tyrannei und Bevormundung befreien.

    Es ist nur noch eine Frage der ZEIT.

    Gruß Max Stockhaus

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    Und wieviele zigtauschend, auch in Deutschland an Staublunge? Wie haetten sich Kohle- und andere Kraftwerke
    verhalten bei einem Erdbeben dieser Dimension? Und die
    Bergwerke? Der Tsunami wurde nicht durch Kernkraft aus-
    geloest. Und das Erdbeben wird die Kernkraftgewinnung
    nicht reduzieren, ausser vielleicht in Deutschland, wo die
    Panikmache geschuert wird.

    Und wieviele zigtauschend, auch in Deutschland an Staublunge? Wie haetten sich Kohle- und andere Kraftwerke
    verhalten bei einem Erdbeben dieser Dimension? Und die
    Bergwerke? Der Tsunami wurde nicht durch Kernkraft aus-
    geloest. Und das Erdbeben wird die Kernkraftgewinnung
    nicht reduzieren, ausser vielleicht in Deutschland, wo die
    Panikmache geschuert wird.

  5. Diese Diktatur interessiert doch sowieso nicht wie die Menschen darüber denken.
    Ich kann Mx Stockhaus nur beipflichten.

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  6. Oh, Verzeihung. Ich habe das a bei Max vergessen

  7. Und wieviele zigtauschend, auch in Deutschland an Staublunge? Wie haetten sich Kohle- und andere Kraftwerke
    verhalten bei einem Erdbeben dieser Dimension? Und die
    Bergwerke? Der Tsunami wurde nicht durch Kernkraft aus-
    geloest. Und das Erdbeben wird die Kernkraftgewinnung
    nicht reduzieren, ausser vielleicht in Deutschland, wo die
    Panikmache geschuert wird.

    • mkrm
    • 14.03.2011 um 12:36 Uhr

    Hier juckt es unsere Politiker auch nicht was die Menschen darüber denken. Deswegen kann die BRD den rotz ohne Probleme verlängern! Oder etwa nicht?

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