In Estland haben die Wähler die Mitte-rechts-Regierung von Ministerpräsident Andrus Ansip im Amt bestätigt. Nach der Auszählung nahezu aller Stimmen kommt Ansips Reformpartei zusammen mit ihrem bisherigen Koalitionspartner auf 56 der 101 Parlamentssitze. Dabei konnten beide Parteien noch zulegen – die Reformpartei gewann zwei Mandate hinzu und hält nun 33 Sitze, die IRL hat 23 Mandate und damit vier mehr als zuvor. Ansip steht vor seiner dritten Amtszeit. Er kündigte an, das Bündnis fortsetzen zu wollen. Beobachter erwarten, dass Ansip seinen eingeschlagenen Sparkurs fortführen wird.

Die oppositionellen Sozialdemokraten schafften mit einem Zuwachs von 9 auf 19 Mandate die höchsten Zugewinne. Das Zentrum verlor 3 Mandate und stellt künftig 26 Abgeordnete.

Schon vor der Wahl war das gute Ergebnis für die Koalition erwartet worden, Umfragen hatten Andrips Mitte-rechts-Koalition knapp 50 Prozent der Stimmen vorausgesagt. Ansip ist seit 2005 im Amt. Seit Mai 2009 verfügt seine konservative Reformpartei gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner IRL allerdings nur noch über 49 der 101 Sitze im Parlament. Mit Ansip an der Spitze der Regierung erlebte Estland einen fast schon märchenhaften Wirtschaftsaufschwung, aber auch einen schweren Fall während der internationalen Finanzkrise 2008. Unter seiner Führung konnte sich die Wirtschaft inzwischen wieder erholen und Ansip sein Versprechen einhalten, das Land in die Eurozone zu führen: Seit Januar wird in Estland mit dem Euro gezahlt.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs standen wirtschaftliche und soziale Fragen. Die Opposition warf der Regierung vor, bei ihrem harten Sanierungskurs soziale Probleme wie etwa die Arbeitslosigkeit zu vernachlässigen. Diese verwies darauf, dass sich die Arbeitslosenquote von rund 20 Prozent Anfang 2010 auf inzwischen 10,4 Prozent fast halbiert hat. "Der Staat schafft keine Jobs. Aufgabe des Staates ist es, für ein wirtschaftliches Umfeld zu sorgen, das Jobs schafft, und das haben wir getan", sagte der Regierungschef am Samstag. Nach minus 14,1 Prozent im Jahr 2009 wuchs die Wirtschaft im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent, für dieses Jahr wird mit einem rund vierprozentigen Wachstum gerechnet.

Mit 1,3 Millionen Einwohnern ist Estland der kleinste der drei Baltenstaaten. Wie Litauen und Lettland gehört es seit 2004 der EU und Nato an. Estland ist das einzige Land weltweit, in dem die Wähler bereits im Vorfeld per Internet abstimmen konnten – 140.846 Stimmberechtigte, etwas mehr als 15 Prozent, machten davon Gebrauch. Insgesamt hatte die Wahlbeteiligung am Mittag bei 37,6 Prozent gelegen. Die Wahlbüros schlossen um 19 Uhr (MEZ).