Arabische Revolten Jemen am Abgrund
Die Protestwelle hat auch den Jemen erfasst. Das Land ist der eigentliche Krisenstaat Arabiens, geplagt von Korruption, Separatismus und schwindenden Wasserreserven.
© AHMAD GHARABLI/AFP/Getty Images

Anti-Regierungsdemonstration in Jemens Hauptstadt Sanaa, Sonntag 27. März
Die Zeit von Ali Abdullah Salih als Präsident des Jemen scheint nach fast 33 Jahren abgelaufen. Auch hier, am südlichen Ende der arabischen Halbinsel, demonstrieren inzwischen täglich zehntausende unzufriedene junge Menschen. Sicherheitskräfte und Salih-Anhänger haben fast 100 Regimegegner getötet, mehr als 1000 verletzt. Minister, Diplomaten und Militärs – darunter selbst Verwandte Salihs – kündigen dem 69-jährigen Präsidenten die Gefolgschaft.
Salih kann es ähnlich ergehen, wie kürzlich den Autokraten Nordafrikas. Doch wenn es für den Jemen irgendwann einen Nachfolger Salihs geben sollte, wird er den kaputtesten aller arabischen Krisenstaaten vorfinden. So sind allein drei militante Aufstandsbewegungen dabei, den Staat zu zerstören, zwei dieser Bewegungen sind eindeutig separatistisch.
Im Norden haben die schiitischen Huthi-Rebellen ihre Hochburg, die nördliche Provinz Saada an der Grenze zu Saudi-Arabien, für unabhängig erklärt. Sie haben sogar einen eigenen Gouverneur eingesetzt: Scheich Fares Manaa, der neue Provinzchef, war in der Vergangenheit beschuldigt worden, für die Rebellen Waffen zu organisieren. Sein Vorgänger war bereits vor mehreren Tagen aus der Provinzhauptstadt Saada in die Hauptstadt Sanaa geflohen. Auch soll sich die jemenitische Armee aus der Provinz völlig zurückgezogen und ihre Waffen an die Huthi-Rebellen übergeben haben.
Die Huthi gehören zu den Zaiditen, eine schiitische Sekte, die fast ausschließlich im Jemen vorkommt. Jeder dritte Jemenit soll Zaidit sein, die Mehrheit im Land sind jedoch Schafiiten, eine traditionelle Schule der Sunniten. Seit 2004 rebelliert die Huthi-Miliz gegen Sanaa. Der Bürgerkrieg hat sich dabei zu einem Stellvertreterkrieg der beiden Regionalmächte Iran (schiitisch dominiert) und Saudi-Arabien (sunnitisch dominiert) entwickelt.
Gravierende Verfallserscheinungen des Staates zeigt auch der Konflikt mit dem Süden. Die Menschen dort fühlen sich vom Norden politisch benachteiligt. Auch die Gewinne aus den schwindenden Ölressourcen Jemens – das Gros liegt im Süden – fließen aus ihrer Sicht nach Sanaa. Als der Süden 1994 erstmals gegen das Diktat des Nordens aufbegehrte, schickte Salih seine Truppen los und stellte die Einheit gewaltsam wieder her. Bis heute kommt es zu separatistisch motivierten Konflikten mit den Sicherheitskräften, zuletzt Anfang 2011.
Jemen in der heutigen Ausdehnung gibt es erst seit 1990. Damals endete die Unterstützung Südjemens durch die Sowjetunion. Salih gelang als Präsident von Nordjemen die Vereinigung mit dem bis dahin kommunistischen Süden und wurde Staatschef des ganzen Landes. Der islamisch und nach Stammestraditionen ausgerichtete Norden beendete darauf den Wohlfahrtsstaat nach sowjetischem Modell im Süden; heute trauern ihm viele hinterher. Auch deshalb gibt es eine Massenbewegung im Süden, die die Trennung vom Norden fordert.
Ein kleineres Problem – zumindest aus der Sicht Sanaas – ist die Anwesenheit des Terrornetzes al-Qaida im Land. Die Organisation "al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel" (AQAP) im Jemen ist ein Zusammenschluss der örtlichen Gruppierungen mit den Al-Qaida-Gotteskriegern Saudi-Arabiens. Letzteren war der Verfolgungsdruck der Behörden zu groß geworden, weshalb man sich ins Nachbarland zurückzog.
- Datum 30.03.2011 - 10:46 Uhr
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- Quelle Reuters
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Es ist der Jemen, soweit ich mich erinnere, wo die meisten Männer das Rauschmittel Kath (?) als Droge hinter die Wangen
schieben. Mitunter ist das Land ab Mittag handlungsunfähig.
Die waren m.E. immer schon über dem Abgrund. Diese Eigenhei- ten werden, wohl aus falsch verstandener Toleranz, in den Darstellungen weggelassen. Sie zeigen aber den sozio-
kulturellen Hintergrund vor dem die Ereignisse ablaufen.
Haben Sie den Artikel jetzt gelesen oder nicht? Den letzten Absatz!?!?!?
".... Das liegt vor allem am Anbau der Droge Kat, der sehr viel Wasser verbraucht. Siebzig Prozent aller Männer und ein Drittel der Frauen kauen die Blätter täglich. Kat macht euphorisch und gesellig und ist überall zu kaufen.........."
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Lesehilfe, dem obigen Artikel entnommen.
Haben Sie den Artikel jetzt gelesen oder nicht? Den letzten Absatz!?!?!?
".... Das liegt vor allem am Anbau der Droge Kat, der sehr viel Wasser verbraucht. Siebzig Prozent aller Männer und ein Drittel der Frauen kauen die Blätter täglich. Kat macht euphorisch und gesellig und ist überall zu kaufen.........."
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Lesehilfe, dem obigen Artikel entnommen.
Ich finde es etwas befremdlich, dass Separatismus gemeinsam auf eine Stufe mit Korruption und schwindenden Wasserreserven als Plage gestellt wird.
Separatismus ist doch nicht Schlimmes. Es ist Teil des natürlichen Prozesses, der stattfindet, wenn man einen Haufen unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen einzäunt und von einem machttrunkenen Diktator aushungern lässt. Beinahe alle Grenzen in Afrika und im Nahen Osten sind ziemlicher Schwachsinn, denn sie stammen größtenteils aus Kolonialzeiten. Separatismus ist wahrscheinlich die beste Lösung um der unzähligen Bürgerkriegen im Nahen Osten und in Afrika Herr zu werden.
Mit welcher Selbstverständlichkeit der Autor westliche Hilfe verlangt ist erstaunlich. Seit Jahrzehnten finanzieren die Industrienationen mit erheblichen Devisen aus dem Erdölgeschäft die Haushalte arabischer Staaten. Hat sich dadurch etwas an der politischen Situation in den Ländern geändert? Eher im Gegenteil.
Sowohl die fehlende staatliche Ordnung, als auch die mangelhafte Adaptionsfähigkeit an Umweltbedingungen sind doch zu großen Teilen hausgemachte Probleme der arabischen Gesellschaften.
Mit welchem Recht sollten Industrienationen also dort intervenieren?
Unsicherheit für den Handel kann kein Argument sein. Handelswege lassen sich auch auf andere Weise schützen, als durch ineffizientes und ineffektives Nationbuiding aller angrenzenden Staaten!
Unsere Gesellschaft stößt bei solchen Fragen immer auf einen Konflikt mit dem Gewissen. Sollen wir tatenlos zusehen, wie ein Diktator sein Volk niedermetzelt und das Volk sich selbst überlassen, obwohl es unseren Vorstellungen von Menschenrechten widerspricht? Sollen wir uns dabei immer wieder einreden, dass wir gar nicht alle Menschenrechtsverstöße ahnden oder gar verhindern können?
Ich finde wir sollten genau das tun, solange wir keine Mitschuld an einem konkreten Konflikt tragen. Wenn die Briten im Jemen eingreifen, dann ist das Recht. Wenn die Deutschen es tun sollten, dann nicht.
Unsere Gesellschaft stößt bei solchen Fragen immer auf einen Konflikt mit dem Gewissen. Sollen wir tatenlos zusehen, wie ein Diktator sein Volk niedermetzelt und das Volk sich selbst überlassen, obwohl es unseren Vorstellungen von Menschenrechten widerspricht? Sollen wir uns dabei immer wieder einreden, dass wir gar nicht alle Menschenrechtsverstöße ahnden oder gar verhindern können?
Ich finde wir sollten genau das tun, solange wir keine Mitschuld an einem konkreten Konflikt tragen. Wenn die Briten im Jemen eingreifen, dann ist das Recht. Wenn die Deutschen es tun sollten, dann nicht.
nach dem Ende des Öls entwickeln können:
- Das öl ist fast aufgebraucht
- Das (fossile, d.h. endliche) Grundwasser wurde mit Dieselpumpen fast komplett nach oben gepumt
- die aktuelle Bevölkerungsdichte kann von dem Land ohne Öl nicht unterhalten werden.
...und jetzt schaue man Saudi-Arabien an...
Unsere Gesellschaft stößt bei solchen Fragen immer auf einen Konflikt mit dem Gewissen. Sollen wir tatenlos zusehen, wie ein Diktator sein Volk niedermetzelt und das Volk sich selbst überlassen, obwohl es unseren Vorstellungen von Menschenrechten widerspricht? Sollen wir uns dabei immer wieder einreden, dass wir gar nicht alle Menschenrechtsverstöße ahnden oder gar verhindern können?
Ich finde wir sollten genau das tun, solange wir keine Mitschuld an einem konkreten Konflikt tragen. Wenn die Briten im Jemen eingreifen, dann ist das Recht. Wenn die Deutschen es tun sollten, dann nicht.
Haben Sie den Artikel jetzt gelesen oder nicht? Den letzten Absatz!?!?!?
Wie tief und wie breit ist er denn? Können sie das auf einer Karte einzeichnen? Ist er schlimmer als der Grand Canyon? Ich hoffe ich konnte ihnen die absurdität ihrer Überschrift nahelegen.
".... Das liegt vor allem am Anbau der Droge Kat, der sehr viel Wasser verbraucht. Siebzig Prozent aller Männer und ein Drittel der Frauen kauen die Blätter täglich. Kat macht euphorisch und gesellig und ist überall zu kaufen.........."
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Lesehilfe, dem obigen Artikel entnommen.
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