Vor wenigen Wochen noch zogen Christen und Muslime Seite an Seite auf den Tahrir-Platz in Kairo, um den Rücktritt von Staatschef Hosni Mubarak zu erzwingen. Nun jedoch erscheint diese Allianz wieder äußerst brüchig: In der ägyptischen Hauptstadt wurden in der Nacht zum Mittwoch bei schweren Ausschreitungen zwischen Christen und Muslimen elf Menschen getötet.

Sechs der Opfer waren koptische Christen, die anderen fünf Muslime, teilte die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft in Kairo mit. Zuvor hatte ein Rechtsanwalt der koptisch-orthodoxen Kirche erklärt, alle Toten seien Christen gewesen. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, dass zudem 110 Menschen verletzt worden seien.

Die Zusammenstöße hatten am Dienstagabend begonnen, als rund 2000 Kopten am Fuße des Mokattam-Hügels mit einem Sitzstreik die Zugänge zu den darüber liegenden Vierteln blockierten. Sie wollten damit gegen die Zerstörung einer koptischen Kirche südlich von Kairo am letzten Wochenende protestieren. Muslimische Anwohner hatten erbost auf die Blockade reagiert.

Eine Menge von Muslimen ging daraufhin mit Messern, Brandsätzen und abgebrochenen Flaschenhälsen gegen die demonstrierenden Kopten vor. Auch Schusswaffen sollen zum Einsatz gekommen sein. Von den getöteten Kopten hieß es, alle Opfer seien durch Kugeln getötet worden, auch die Verletzten hätten Schusswunden erlitten.

Einem koptischen Priester zufolge hatten die angreifenden Muslime zuvor Häuser und Warenlager in Brand gesetzt. Auch von muslimischer Seite hieß es, die Christen hätten Reifen in Brand gesetzt und Steine auf Autos geschleudert.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte bewarfen sich während der folgenden Auseinandersetzungen beide Seiten mit Steinen. Augenzeugen zufolge schossen Soldaten in die Luft, um die Menschenmenge aufzulösen.

In Ägypten liefern sich Kopten und Muslime immer wieder heftige Auseinandersetzungen. Durch ein Attentat auf koptische Christen in Alexandria waren in der Neujahrsnacht 23 Menschen getötet worden. Die Kopten sind die größte christliche Glaubensgemeinschaft im Nahen Osten und machen bis zu zehn Prozent der 80 Millionen Einwohner Ägyptens aus. Sie sehen sich im Alltag Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt.

Eigentlich hatte die Annäherung zwischen beiden Glaubensgruppen während des Aufstands die Hoffnung genährt, das Verhältnis der Religionen könne sich nachhaltig verbessern. Nun aber hatten offenbar muslimische Jugendliche die Kirche südlich von Kairo angezündet, nachdem zuvor während Zusammenstößen je ein Muslim und ein Christ getötet worden waren. Allerdings gibt es unter den Ägyptern auch Gerüchte, wonach der Brandanschlag auf die Kirche von Mubarak-Getreuen angezettelt wurde, um Unruhe zu stiften. Die Regierung sagte zu, die Verantwortlichen zu fassen und zu bestrafen.