Aufstand Gadhafi will Rebellen in 48 Stunden besiegt haben
Die Truppen Gadhafis sind auf dem Vormarsch und wollen in spätestens zwei Tagen wieder das gesamte Land kontrollieren. Aus Bengasi flüchten die Menschen Richtung Ägypten.
© Patrick Baz/AFP/Getty Images

Libysche Rebellen stehen am Rande eines Kraters, wo eine Bombe der Gadhafi-Truppen eingeschlagen ist
Die libysche Führung hat angekündigt, den Aufstand innerhalb von zwei Tagen endgültig niederzuschlagen. "In 48 Stunden wird alles vorbei sein", sagte der Sohn des autokratischen Machthabers Gadhafi, Saif al-Islam, dem französischen TV-Sender Euronews. Staatschef Muammar al-Gadhafi hatte sich zuvor ebenfalls siegesgewiss gezeigt. "Wenn es sich um ein ausländisches Komplott handelt, werden wir es zerschmettern, und wenn es sich um ein Komplott im Inland handelt, werden wir es auch zerschmettern", sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Rede.
Gadhafis Soldaten rücken inzwischen immer näher an die Rebellen-Bastion Bengasi heran und rüsteten sich für den möglicherweise entscheidenden Kampf gegen die Aufständischen. Geschützdonner von schwerer Artillerie und Luftabwehrkanonen erschütterte die ostlibysche Hafenstadt, eine Hochburg der Rebellenbewegung, die im Gegensatz zu Gadhafis Truppen nur unzureichend bewaffnet sind. Tausende Bewohner flüchteten in Richtung ägyptische Grenze.
In den vergangenen elf Tagen hat die Regierung fast alle Öl-Anlagen zurückerobert und die Kontrolle über eine Reihe von Küstenstädten zurückgewonnen. "Wir haben ihnen unsere Gewehre gegeben und sie sagten, wir sollen nun Gadhafi feiern", berichtete ein Aufständischer aus der lange umkämpften Stadt Adschdabija unter Tränen. "Wir haben verloren, einfach verloren."
© ZEIT ONLINE
In der Küstenstadt Misarata gelang es den Rebellen indes, eine Offensive von regierungstreuen Truppen zurückzuschlagen. Dabei wurden nach Angaben eines Sprechers der Aufständischen vier Menschen getötet und rund ein Dutzend weitere verletzt. Die Rebellen halten die rund 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegene Stadt seit mehreren Wochen. "Die Stadt wurde von allen Seiten angegriffen. Die Rebellen kontrollieren weiter die Stadt und haben den Einheiten Gadhafis zwei Panzer abnehmen können, als diese von Süden angriffen", sagte der Sprecher.
Die diplomatische Bemühungen um eine Flugverbotszone kommen nicht voran – was auch dem Regime in Tripolis nicht entgangen ist. Mit Blick auf die Uneinigkeit der internationalen Gemeinschaft sagte Saif al-Islam: "Egal welche Entscheidung getroffen wird, es ist zu spät."
Nichtsdestotrotz gibt es im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Diskussion über eine mögliche Flugverbotszone. Unterstützer dieses militärischen Schrittes, wie Frankreich und Großbritannien, ließen einen Entwurf für eine entsprechende Resolution kursieren. Länder wie Deutschland, Russland und China äußerten sich jedoch skeptisch. Auch Italien, eine mögliche Basis für eine Militäroperation, schloss eine Intervention aus. "Wir können keinen Krieg führen", sagte Außenminister Franco Frattini. Die internationale Gemeinschaft sollte und wolle das auch nicht tun.
Diese Meinung vertrat auch Außenminister Guido Westerwelle in einer Regierungserklärung im Bundestag. Die Bundesregierung wolle nicht auf eine "schiefe Ebene geraten, an deren Ende dann deutsche Soldaten Teil eines Krieges in Libyen sind", sagte er. Die vermeintlich einfache Lösung einer Flugverbotszone werfe mehr Fragen und Probleme auf, als sie zu lösen verspreche. "Wir wollen und dürfen nicht Kriegspartei in einem Bürgerkrieg in Nordafrika werden."
Der FDP-Vorsitzende warb für eine Verschärfung der internationalen Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen das Regime und drohte Gadhafi mit dem Internationalen Strafgerichtshof. Gadhafi müsse für seinen "Feldzug gegen das eigene Volk" zur Verantwortung gezogen werden.
- Datum 16.03.2011 - 17:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 52
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gegen den Angeklagten. Bei Ruanda saß die Welt auch nur in der ersten Reihe.
das Blatt wenden wuerde. Den Aufstaendischen ist es nicht
gelungen die Armee auf ihre Seite zu bringen. Jetzt muss
Schadensbegrenzung geuebt werden.
Eine Konsequenz wird sein, dass Umstuerze in Zukunft nicht
mehr so leicht wie in Tunesien und Aegypten sein werden.
Umsturz in Ägypten ? Habe ich was verpasst? Heute Morgen saß die ägyptische Militärjunta noch fest im Sattel.
Umsturz in Ägypten ? Habe ich was verpasst? Heute Morgen saß die ägyptische Militärjunta noch fest im Sattel.
Bei Krisen erstmal einen Ausschuss bilden, dann feststellen, dass das Problem sich von selbst erledigte.
Zur Not erstmal nach unabhängigen Informationen verlangen.
Ich dachte, man kann mittels der Satelliten meinen Bauchnabel sehen.
Aber es bewahrheitet sich immer wieder , die einzige Nation, die handelt, sind die Amerikaner.
Wenn Gadaffi siegt, dürfen wir getrost das nächste Lockerbie erwarten. Die Rache dieses Mannes gegenüber den Verrätern wird fürchterlich sein. Ihm mit Anklagen und Sanktionen zu drohen ist lächerlich und treibt einzig das schon genug geschundene libysche Volk noch in tieferes Elend. Ich schäme mich für Europa.
via ZEIT ONLINE plus App
wird nicht das einzige bleiben. Gaddafi's Sohn sagte, Sarkozy's Wahlwerbung sei von Libyen bezahlt worden. Ein Schelm wer denkt, es könnte nur eine Wahlkampagne von Gaddafi bezahlt worden sein.
wird nicht das einzige bleiben. Gaddafi's Sohn sagte, Sarkozy's Wahlwerbung sei von Libyen bezahlt worden. Ein Schelm wer denkt, es könnte nur eine Wahlkampagne von Gaddafi bezahlt worden sein.
Umsturz in Ägypten ? Habe ich was verpasst? Heute Morgen saß die ägyptische Militärjunta noch fest im Sattel.
Lybien ist ein Lehrstück internationaler Politik. Wenn es darum geht Menschen zu unterstützen, die in Freiheit leben wollen, werden allerhand Gründe herangezogen, warum man ihnen nicht helfen kann.
Wenn wir denn in einem demokratischen Land leben, warum verkaufen wir dann Waffen an Diktatoren, die ihre eigene Bevölkerung mit unserer Militärtechnik niedermähen, aber nicht in der Lage sind diese an Rebellen zu verkaufen, damit die sich gegen Wahnsinnige Diktatoren wehren können?
Wären sie nicht dann unsere Freunde, auf die wir uns in unruhigen Zeiten verlassen könnten? Ja wie würden es die anderen Menschen im arabischen Raum sehen, wenn der Westen ihnen dabei hilft in Freiheit zu leben?
Es wird immer klarer für mich, dass Demokratie nur als Illusion für eine freie Welt verwendet wird, in der das Wohl der Menschen im Mittelpunkt stehen würde.
Doch leider sieht es so aus, dass der Name Deutschland für die globalisierten Eliten, zu der auch die meisten unserer Politiker gehören, nur für einen Wirtschaftsraum steht, der gefälligst im Konzert der gegeneinander konkurrierenden Wirtschaftsräume ein Instrument für globales Wachstum darstellt, damit die globalen Konzerne und ihre Aktionäre ihre Gewinne vergrößern können.
Daher kann man den Menschen in Lybien auch nicht helfen, denn wo kämen wir hin, wenn wirkliche Demokratien entstehen würden, die sich am gesunden Menschenverstand orientieren würden?
MFG
Egal welche Massstäbe man anlegen will, normative oder "realpolitische", wenn diese Revolution scheitert wird das noch lange negativ nachwirken.
Der "Westen" verlöre weiter an politischem Gewicht, während die Despoten der Welt sich entspannt zurücklehnen um abzuwarten, wer sich ihnen am schnellsten wieder andient.
Die Migrationsfrage wird weiterhin unbefriedigend beantwortet werden, weil die Menschen in ihren Heimatländern weiterhin keine Teilhabe an den reichlich vorhandenen Ressourcen haben werden. Der zutiefst gestörte Ghaddafi kann in Ruhe seine degenerierten Söhne zu Nachfolgern aufbauen. Unvergessen die Erpressung der Schweiz, das Kidnapping unschuldiger Krankenschwestern, die Drohung der Kontinent Europa werde "schwarz" usw.
Dabei wäre, bei entschlossenem Handeln genug Zeit geblieben, Ghaddafi zu entmachten. Doch nun hat sich das Gewicht in seine Richtung verschoben. Das kleingeistige Europa hat einmal mehr seine Schrebergarten-Mentalität offenbart!
Es ist das erste Mal seit 1945, dass die Bundesrepublik Deutschland einen Diktator gegen Demokraten unterstuetzt, auch wenn dieses 'nur' durch das Verhindern westlicher Hilfe fuer die libysche Demokratiebewegung geschieht. Wir sollten uns noch gut an dieses Jahr erinnern, zeigt es doch einen Wendepunkt in der deutschen Aussenpolitik auf.
und das war auch gut so, denn die Lage waere nur noch
verworrener geworden und es waeren mehr Menschen gestorben
als gestorben sind und noch sterben werden.
Kann es sein, dass andere als Sarkozy auch einen Wahlkampf finanziert bekommen haben ???
Da hat der Herr Friedensfürst wohl Herrn Mossadegh vergessen, den ersten und einzigen "lupenreinen" Demokraten im mittleren Osten.
Haben Sie all die Jubelperser des Reza Pahlavi dies vergessen lassen?
und das war auch gut so, denn die Lage waere nur noch
verworrener geworden und es waeren mehr Menschen gestorben
als gestorben sind und noch sterben werden.
Kann es sein, dass andere als Sarkozy auch einen Wahlkampf finanziert bekommen haben ???
Da hat der Herr Friedensfürst wohl Herrn Mossadegh vergessen, den ersten und einzigen "lupenreinen" Demokraten im mittleren Osten.
Haben Sie all die Jubelperser des Reza Pahlavi dies vergessen lassen?
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