Internationale Beziehungen: Libysch-britischer Handschlag
Ölgeschäfte, die Freilassung des Lockerbie-Bombers, die wohlwollende Beurteilung einer Doktorarbeit: Wie Großbritannien den Gadhafi-Clan hofiert hat.
© Peter Macdiarmid/Getty Images

Der "Handschlag in der Wüste": Der frühere britische Premierminister Tony Blair und Muammar al-Gadhafi (29.5.2007)
Vor zwei Monaten beehrte der libysche Präsident Muammar al-Gadhafi die London School of Economics (LSE) mit einer per Videolink übertragenen Vorlesung über die Rolle seines Landes in der Welt. Eine führende Mitarbeiterin des Instituts für globale Politik, LSE Global Governance , stellte den "weltweit am längsten im Dienst stehenden Landesherren" als Vertreter eines Dritten Weges zwischen Sozialismus und Kapitalismus vor. In ihrer Stimme schwang unüberhörbar Begeisterung mit.
Anthony Giddens saß in vorderster Reihe. Der ehemalige Leiter der angesehenen Hochschule und Vordenker des in den neunziger Jahren von Tony Blair und Peter Mandelson proklamierten britischen Dritten Weges verzichtete darauf, dem libyschen Diktator im Anschluss an die Rede eine kritische Frage zu stellen. Niemand tat es. Gadhafi hatte viele Freunde in England. Besonders an der LSE, der intellektuellen Hebamme einer innigen Liebesbeziehung.
2008 verlieh die LSE Saif al-Islam, dem zweitgeborenen Sohn des Diktators , einen Doktor für eine Dissertation mit dem Titel " Die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Demokratisierung globaler Regierungsinstitutionen: Von sanfter Macht zu kollektiver Entscheidungsfindung? .
David Held, Direktor des Global-Governance-Instituts, hielt den damals 37-jährigen Saif Gadhafi für keinen sonderlich begabten Akademiker. Er hegte auch den Verdacht, seine Dissertation sei nicht vollständig auf seinem eigenen Mist gewachsen. Doch das sollte die Verleihung des Titels nicht stoppen. Als der junge Gadhafi der LSE wenig später einen Scheck über 1,5 Millionen Pfund (1,8 Millionen Euro) überreichte, pries Held seinen ehemaligen Schüler als einen Menschen, der "Inspiration in Demokratie, Zivilgesellschaft und liberalen Werten findet".
Die LSE wurde 1895 von Sozialisten der ersten Stunde gegründet, unter ihnen der Dramatiker und Nobelpreisträger George Bernard Shaw. Die Hochschule hielt sich immer ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Demokratie zugute. Als ihr Leitungsgremium die Annahme des Geldgeschenks aus Libyen erörterte, sprach sich nur Fred Halliday, ein letztes Jahr verstorbener, international hoch angesehener Nahost-Experte, dagegen aus.
Der Direktor der LSE reichte wegen des Skandals letzte Woche seinen Rücktritt ein. 2009 hatte die Hochschule den jungen Gadhafi sogar eingeladen, im Rahmen einer akademisch anspruchsvollen Vortragsreihe ein Referat zu halten. Mittlerweile wurden auch Verbindungen des angesehenen
Instituts für Afrikanische und Orientalische Studien (SOAS) der London University zu libyschem Geld ruchbar. Akademiker des nicht minder bekannten Kings College besuchten libysche Gefängnisse und attestierten ihnen "unverkennbare Verbesserungen" der Menschenrechtssituation.
Saif Gadhafi fand im Kreis der britischen Protagonisten des Dritten Weges ein festes Zuhause. Ihn verband ein besonders enges Verhältnis mit Peter Mandelson, Blairs zweimal über Finanzskandale gestolpertem Minister und ehemaligen EU-Kommissar, der als Vizepremier auch in Gordon Browns Kabinett im Hintergrund die Fäden zog.
Lord Mandelson gehört wie Giddens dem von Blair geschaffenen New-Labour-Adel an und ist gut mit Nat Rothschild befreundet, einem Nachkommen der legendären Bankiersfamilie. Rothschild brachte Saif und den Lord mindestens einmal im opulenten Landsitz der Rothschilds in der Grafschaft Buckinghamshire und zwei weitere Male auf einem Besitztum in Korfu und auf einer vor Korfu ankernden Yacht zusammen.
Kurz nach einem dieser Treffen wurde der libysche Geheimdienstoffizier Abdelbaset al Megrahi aus der Haft im schottischen Glasgow entlassen. Megrahi saß wegen 270-fachen Mordes ein. Ein Sondergericht im holländischen Zeist hatte ihn 2001 für schuldig befunden, 1988 eine Bombe in den Frachtraum des Fluges PanAm 103 von London nach New York geschmuggelt zu haben. Die Explosion der Boeing 747 über der schottischen Kleinstadt Lockerbie war der bis dahin verheerendste Terroranschlag auf US-Bürger gewesen.





für die gnadenlose Aufklärung liebe ZEIT-Redaktion!
Was muss noch alles ans Tageslicht kommen bis sich unsere Politiker so schämen, dass sie endlich den Menschen dort helfen???
nicht jeder ehemalige Strassenverkäufer des "Morning Star" (Organ der kommunistischen Partei Grossbritanniens)bringt es zu diesem Titel
Wenn diese Dinge alle so stimmen - und da gibt es eigentlich wenig Zweifel - dann sollte man diese Bude schnell zugesperren. Das Geschehen dort hat mit den Standards einer seriösen Ausbildung nichts mehr zu tun. Schande über diese käuflichen Professoren, die den "zwielichtigsten" Gestalten die Doktortitel verhöckern. Eine Politik, die sich den Diktatoren anbietet, ist für Europa nicht zu akzeptieren.
Da weiß man, warum man Die Zeit ließt.
Eigentlich bin ich ganz froh, dass wir bezahlte Politiker haben. Die koennen sich nicht herausreden und muessen dann eben die Pfote hinhalten, wenn es noetig ist. Ich haette dem Schleimbeisser die Hand nicht reichen wollen.
wie Berlusconi Gadhafi hofiert hat. Es ist wichtig, dass Europa auch eine gemeinsame wirtschaftliche Moral entwickelt. Banknoten dürfen nicht über gewisse ethische und soziale Spalten hinwegsehen.
erst vorgestern haben in saudi arabien polizisten auf friedlich demonstrierende menschen geschossen.
ich kann mich nicht erinnern, dass man saudi arabien wegen seines totalitären und menschenverachtenden regimes kritisiert hätte. im gegenteil, genauso wie bei gaddafi werden die saudischen herrscher mit rotem teppich empfangen und hofiert.
Ich bin fest ueberzeugt das Gadafi den Bombenanschlag auf den Jumbo befohlen.
Um das zu verstehen sollte man etwas in der Geschichte zurueckgehen. Einige Zeit vorher hatten US-Bomber Tripolis bombardiert auch mit Ziel Gafafi zu toeten.
Dabei sind sehr viele Menschen ums Leben gekommen , auch Mitglieder von Gadafis Familie.
Da Gadafi die USA nicht angreifen konnte , war der Anschlag auf das Flugzeug ein geignetes Mittel.
Es ist mir bis heute nicht bekannt das die Verantwortlichen fuer den Bombenangriff auf Tripolis zur Rechenschaft gezogen wurden.
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