Die libyschen Regierungstruppen haben nach Angaben der Rebellen die bei Tripolis gelegene Stadt Sawija weitgehend eingenommen. Die Aufständischen teilten mit, sie hätten sich vom zentralen Platz Sawijas zurückgezogen. Sie planten aber in Kürze einen neuen Angriff. Die Machthaber Muammar al-Gadhafi ergebenen Soldaten waren mit Panzern und Scharfschützen in die Stadt eingerückt.

Rebellen und Einwohner sprachen von einer verzweifelten Lage in Sawija. "Wir können die Panzer sehen. Überall sind Panzer", sagte ein Aufständischer.

Der Hauptplatz sei von Gadhafis Einheiten umstellt. Überall lauerten Scharfschützen. "Sie schießen auf jeden, der sich aus dem Haus traue. Es gibt viele Tote, die nicht begraben werden können", sagte ein Kämpfer. Die Stadt im Westen Libyens sei verlassen.

Ein Regierungssprecher in Tripolis sagte, etwa 30 bis 40 Kämpfer leisteten den Soldaten in Sawija noch Widerstand. Sie hätten auf Straßen und auf dem Friedhof Zuflucht gesucht. "Sie sind verzweifelt." Das staatliche Fernsehen berichtete, die Bewohner der Stadt hätten ihre Unterstützung für die Regierung demonstriert und seien in kleinen Gruppen zum Hauptplatz gezogen. Das Fernsehen zeigte davon aber keine Bilder. Ausländische Journalisten konnten die Angaben nicht nachprüfen. Sie dürfen die Nachbarstädte von Tripolis ohne Begleitung nicht besuchen.

Auch in der östlichen Öl-Region um Ras Lanuf kam es erneut zu heftigen Gefechten zwischen Aufständischen und Gadhafi-Truppen. Die Rebellen meldeten, in den Ortschaften Al-Sidr und Bin Jawad seien vier ihrer Kämpfer getötet worden. Ein Sanitäter gab an, es habe viele Schwerverletzte gegeben. Die Truppen von Gadhafi hätten Kampfflugzeuge und Artillerie eingesetzt. Ein Öllager sei von ihnen bombardiert worden. Das libysche Staatsfernsehen meldete dagegen, die Rebellen hätten ein Öldepot angezündet.

Derweil ist ist in der von den Rebellen kontrollierten Hafenstadt Bengasi ein Schiff des UN-Welternährungsprogramms (WFP) mit Weizenmehl eingetroffen. Außerdem sollten in den nächsten Tagen Lastwagen mit weiteren Hilfsgütern folgen, teilte die Organisation mit. An Bord des Schiffes befänden sich 1182 Tonnen Mehl, sagte eine WFP-Sprecherin. Daraus könnten 2,5 Millionen Brote hergestellt und 95.000 Menschen einen Monat lang ernährt werden. Zu Beginn des Monats hatte das WFP erklärt, die Lebensmittelvorräte in Libyen seien erschöpft und die Versorgungswege durch die Kämpfe unterbrochen. Das Schiff hatte schon einmal Kurs auf den Hafen genommen, war aus Sicherheitsgründen aber wieder abgedreht.