Die dramatische Lage in Libyen setzt die internationale Staatengemeinschaft unter Handlungsdruck. Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen auf einem Sondergipfel am Freitag den sofortigen Rücktritt Gadhafis fordern. Die USA und Großbritannien haben den libyschen Machthaber bereits öffentlich zum Rücktritt gedrängt.

Im EU-Parlament verlangten Sozialdemokraten, Liberale und Grüne eine rasche Entscheidung über ein Flugverbot. "Gadhafi ist ein Mörder und ein Verbrecher, der vor ein internationales Strafgericht gehört", sagte der SPD-Abgeordnete Martin Schulz. Eine Flugsverbotszone sollte gemeinsam mit den UN und der Arabischen Liga beschlossen werden.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) aber warnte vor einer vorschnellen Festlegung auf eine Flugverbotszone. Es sei zwar richtig, dass über die Zone diskutiert werde, er rate aber "doch zur Zurückhaltung und zur genauen Überlegung", sagte Westerwelle. Er forderte zu "einer intensiven internationalen Abstimmung" in der Frage auf.

Alles, was über gezielte Sanktionen hinausgehe, müsse durch die Vereinten Nationen mit einem Mandat versehen werden und auch "die Rückendeckung der Arabischen Liga haben", erklärte Westerwelle. "Denn wir wollen kein Wasser auf die Propagandamühlen des Diktators geben, der dann sagt, es sei in Wahrheit keine Volksbewegung, die ihn in Libyen aus dem Amt drängen will, sondern es sei eine Angelegenheit des Westens."

US-Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premier David Cameron hatten auch über die Möglichkeit einer Flugverbotszone gesprochen. Sie wird von der libyschen Opposition gefordert, um Luftangriffe der Gadhafi-treuen Truppen zu verhindern. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton sagte indes, eine solche Entscheidung müsse von der UN getroffen werden "und nicht von den USA".

Die USA und ihre europäischen Verbündeten erwägen nach einem Zeitungsbericht den Einsatz von Schiffen, um Hilfsgüter nach Libyen zu bringen und das Waffenembargo zu kontrollieren. Ein Einsatz von Schiffen benötige keine Resolution der Vereinten Nationen, berichtete die Washington Post.

Die Außenminister der 27 EU-Staaten und die Verteidigungsminister der 28 Nato-Länder treffen sich am Donnerstag zu getrennten Beratungen in Brüssel. Über die Einrichtung einer Flugverbotszone für Libyen werden die Nato-Verteidigungsminister vermutlich zwar reden, jedoch noch nicht entscheiden. Die EU-Außenminister werden über humanitäre Hilfe für Flüchtlinge aus Libyen und über die Unterstützung der Demokratiebewegung in Nordafrika sprechen.

Ein Vertreter des Gadhafi-Regimes ist vor dem EU-Sondergipfel zu Gesprächen nach Portugal gereist. Der Gesandte werde mit Vertretern der portugiesischen Regierung zusammenkommen, sagte ein EU-Diplomat. Demnach war ein Treffen mit Portugals Außenamtschef Luis Amado geplant.

Offenbar hat Gadhafi ebenfalls einen Gesandten in die ägyptische Hauptstadt Kairo geschickt. Der General Abdelrahman el Sawi, der zu Gadhafis Vertrauten zählt und für Logistik- und Versorgungsfragen zuständig ist, sei mit einem libyschen Flugzeug in Kairo gelandet, teilte ein Flughafenbeamter mit. Der genaue Grund für den Aufenthalt war zunächst unklar, ebenso, ob Sawi Regierungsvertreter treffen wollten. Auch nach Brüssel soll Gadhafi einen Emissär entsandt haben.

Die EU-Kommission habe jedoch keinerlei Informationen über einen Vertreter Gadhafis in Kairo, sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Auch bei der Nato hieß es, von einem solchen Flugzeug sei nichts bekannt.