Der UN-Sicherheitsrat hat den Weg frei gemacht, die Angriffe des Gadhafi-Regimes auf die libysche Zivilbevölkerung zu unterbinden. In der Nacht verabschiedete das 15-köpfige Gremium nach langen Beratungen eine Resolution, die UN-Mitgliedstaaten erlaubt, "alle erforderlichen Maßnahmen" zu ergreifen, um Gewalt von libyschen Zivilisten abzuwenden. Erlaubt ist militärisch fast alles, möglich wäre also auch ein Angriff auf Bodenziele oder die Zerstörung der libyschen Luftwaffe am Boden durch Bomber oder Marschflugkörper. Der Einsatz von Bodentruppen ist allerdings ausdrücklich ausgeschlossen.

Die Resolution bezieht sich auf das Kapitel 7 der UN-Charta, wonach dafür auch der Einsatz von Gewalt erlaubt ist, falls nötig. Einzelne Staaten dürfen auch individuell gegen das Regime vorgehen. Die Resolution gestattet Mitgliedern, "national oder in regionalen Organisationen" zu handeln.

US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem britischen Regierungschef David Cameron und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Alle drei hätten darin übereingestimmt, dass Libyen "unverzüglich allen Bestimmungen in der Entschließung nachkommen und dass die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung von Libyen enden muss", teilte das Weiße Haus mit.

Sarkozy hatte bereits mehrfach mit seiner Luftwaffe gedroht. "Wir sind einsatzbereit", sagte sein Außenminister Alain Juppé. Bedingung sei allerdings, dass auch arabische Partner mitmachten.

Wie es weiter hieß, vereinbarten Obama, Cameron und Sarkozy eine enge Koordination "der nächsten Schritte" und eine weitere Zusammenarbeit mit arabischen und anderen internationalen Partnern, "um die Durchsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu Libyen sicherzustellen".

Grundlage des Beschlusses war ein von Libanon für die Arabische Liga eingebrachter Resolutionsentwurf, den dann maßgeblich Frankreich weiter ausarbeitete. Er erlaubt Luftschläge gegen das Regime von Machthaber Muammar al-Gadhafi. Damit geht er deutlich über die ursprünglich diskutierte Flugverbotszone hinaus.

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Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle begrüßte die Resolution, schloss aber erneut kategorisch aus, dass die Bundeswehr mitwirkt. In einer Mitteilung des Außenministeriums hieß es: "Wir sehen die in der Resolution ebenfalls vorgesehene Option einer militärischen Intervention in Libyen weiterhin äußerst skeptisch. Wir sehen hier erhebliche Gefahren und Risiken. Deswegen können wir diesem Teil der Resolution nicht zustimmen."

Deutsche Soldaten würden sich an einem militärischen Einsatz in Libyen nicht beteiligen. "Unsere Position gegenüber dem Gadhafi-Regime bleibt unverändert: Der Diktator muss die Gewalt gegen sein eigenes Volk sofort beenden. Er muss gehen und für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Westerwelle nach Angaben des Ministeriums.

Die Resolution war mit zehn Stimmen angenommen worden. Fünf Länder hatten sich enthalten, darunter die ständigen Mitglieder Russland und China sowie Deutschland, Indien und Brasilien. Gegen die Resolution stimmte kein Land. Mindestens neun Ja-Stimmen waren notwendig.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte das Votum als eine "historische Entscheidung". Wegen der kritischen Lage vor Ort erwarte "unmittelbares Handeln", hieß es in einer von der Weltorganisation verbreiteten Erklärung.

"Deutschland unterstützt die wirtschaftlichen Sanktionen voll, denn die Herrschaft des Muammar al-Gadhafi ist vorbei und muss beendet werden", sagte Berlins UN-Botschafter Peter Wittig. "Aber der Einsatz des Militärs ist immer extrem schwierig und wir sehen große Risiken." Deutschlands Luftwaffe werde sich nicht an einem Einsatz gegen Gadhafi beteiligen. "Die Gefährdung von Leben darf nicht unterschätzt werden. Wir sollten nicht in den Kampf gehen mit der Hoffnung auf einen schnellen Erfolg und geringe Opfer."

Die Europäische Union begrüßte die Libyen-Resolution ebenfalls. Diese sei "eine klare Grundlage für die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, der Zivilbevölkerung Schutz zu gewähren", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy und der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Nun sei die Kooperation mit der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union wichtig. Die EU werde sich auch mit anderen internationalen Partnern darüber verständigen, "wie wir am besten so rasch wie möglich zur Umsetzung der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates beitragen können".