Militäreinsatz in Libyen Nato streitet über Waffenhilfen für libysche Rebellen

Gadhafi-Gegner in Libyen fordern Waffen von der internationalen Gemeinschaft. Die USA halten Lieferungen für möglich, die Nato-Führung will "schützen statt bewaffnen".

Ein Kämpfer der Anti-Gadhafi-Rebellen in der Nähe der Stadt Sirte

Ein Kämpfer der Anti-Gadhafi-Rebellen in der Nähe der Stadt Sirte

Die internationale Anti-Gadhafi-Koalition agiert in Libyen bisher auf völkerrechtlich unstrittigem Gebiet. Nun aber stellen Forderungen der libyschen Rebellen die Staatengemeinschaft vor die Frage, ob das Mandat des UN-Sicherheitsrats auch Waffenlieferungen an die Rebellen deckt. 

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach sich dagegen aus. "Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu schützen, nicht, sie zu bewaffnen", sagte er nach der Internationalen Libyen-Konferenz in London. Damit widersprach er US-Außenministerin Hillary Clinton, die zum Abschluss der Konferenz gesagt hatte, nach US-Interpretation sei die Bewaffnung der Rebellen möglich. Clinton hat die Rückendeckung von US-Präsident Barack Obama, der Waffenlieferungen ebenfalls nicht ausschließen wollte. Zuvor hatte der britische Außenminister William Hague sich dafür ausgesprochen. Dieser relativierte seine Unterstützung später jedoch mit dem Hinweis darauf, dass die UN-Resolution nur "sehr begrenzt" die Möglichkeit von Waffenlieferungen biete und die britische Regierung keinerlei Pläne in diese Richtung habe.

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Auch Italien sprach sich gegen Waffenlieferungen aus. "Die Rebellen zu bewaffnen wäre eine kontroverse, eine extreme Maßnahme und würde die internationale Gemeinschaft sicherlich spalten", erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Rom, Maurizio Massari. Es sei auch ganz und gar nicht gesagt, dass dies eine ideale Lösung wäre, um Massaker an Zivilisten zu stoppen. Italiens Position sei es, "die verfügbaren Instrumente zu nutzen, also die Flugverbotszone und die humanitären Korridore."

Die Diskussion entstand, nachdem Vertreter des libyschen Nationalen Übergangsrates am Rande der Konferenz politische, aber auch militärische Hilfe von der internationalen Gemeinschaft verlangt hatten. Mit dem bisherigen Arsenal seien die Truppen von Machthaber Muammar al-Gadhafi nicht zu schlagen.

Die Debatte ist brisant – auch weil US-Geheimdienstberichte im Raum stehen, nach denen unter den Rebellen mittlerweile dort Mitglieder des Terrornetzes al-Qaida und der schiitischen Hisbollah-Bewegung befinden. Clinton räumte ein, dass noch Informationen über die libysche Opposition fehlten. "Wir lernen sie gerade erst kennen", sagte die US-Außenministerin.

Eine Allianz vor allem westlicher Staaten bombardiert seit gut einer Woche Ziele in Libyen, um nach eigener Darstellung die Zivilbevölkerung zu schützen und eine Flugverbotszone durchzusetzen. In Libyen toben seit Wochen Kämpfe zwischen Gadhafis Truppen und Oppositionellen. Die Nato wird das Kommando über den Libyen-Einsatz von den USA übernehmen.

Die Rebellen erlitten nach tagelangem Vormarsch einen ersten Rückschlag. Sie mussten nach Angriffen der Gadhafi-Milizen die Stadt Bin Dschawwad, rund 400 Kilometer westlich von Bengasi, aufgeben.

US-Präsident Obama zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass Gadhafi dem internationalen Druck auf sein Regime nicht standhalten werde. "Unsere Erwartung ist, dass Gadhafi letzten Endes abtreten wird, wenn wir konstanten Druck anwenden", sagte Obama. Den Rücktritt Gadhafis bezeichnete Obama als "strategisches Ziel" der internationalen Koalition, während ihre militärische Absicht der Schutz der libyschen Zivilbevölkerung sei.

Nato-Generalsekretär Rasmussen legte sich nicht fest, wie lange die Luftangriffe noch andauern sollen. Nato-Vertreter hatten zuvor von einem 90-tägigen Einsatz gesprochen. Der Zeitplan hänge von den Vereinten Nationen ab, sagte Rasmussen. Der Konflikt könne jedenfalls nicht allein mit dem Militäreinsatz gelöst werden. Er hoffe, dass es so bald wie möglich eine politische Lösung geben werde.

Vor der Küste Libyens griff ein US-Zerstörer mit Unterstützung von US-Kampfflugzeugen drei Schiffe der libyschen Küstenwache an. Diese hatten zuvor im Hafen von Misurata wahllos Handelsschiffe unter Beschuss genommen, berichtete das Afrikakommando (Africom) der US-Streitkräfte in Stuttgart. Die libyschen Schiffe seien außer Gefecht gesetzt worden.

Unterdessen wird in der libyschen Hauptstadt Tripolis als Folge der UN-Sanktionen offenbar langsam das Benzin knapp. Einwohner der Hauptstadt berichteten am Dienstagabend, die Warteschlangen vor den Tankstellen würden immer länger, weil diese nur noch sporadisch mit Benzin beliefert würden. "Wer tanken will, muss sich anstellen und etwa drei Stunden warten, bis er dran ist", sagte einer der Wartenden an einer Tankstelle.

 
Leser-Kommentare
  1. Schon naechste Woche soll das Freie Libyen in der Lage sein Oel zu exportieren. Wenn bis dahin Gadhafis Truppen zurueckgehalten werden, dann wird sich das libysche Volk auf dem Weltmarkt mit Waffen eindecken koennen.

    Auch eine Aenderung der Strategie waere zu empfehlen. Statt sich im Kampf gegen eingegrabene Panzer vor Sirte totzubluten, sollte die libysche Freiheitsbewegung ein paar tausend Kaempfer uebers Meer nach Misrata bringen, um dort den Strassenkampf zugunsten der Demokratie zu entscheiden.

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    • HLWT
    • 30.03.2011 um 8:43 Uhr

    Moderne Waffen muss man auch bedienen können. Einfache Schiessprügel werden nicht reichen!

    • HLWT
    • 30.03.2011 um 8:43 Uhr

    Moderne Waffen muss man auch bedienen können. Einfache Schiessprügel werden nicht reichen!

    • QUOTE
    • 30.03.2011 um 8:33 Uhr

    Interessehalber bitte ich um Erläuterung:

    Warum sind werden die Aufständischen in Libyen in Ihrem Blatt konsequent als "Rebellen" tituliert, während die Rebellen in Afghanistan konsequent als "Aufständische" bezeichnet werden.

    Danke im voraus.

    15 Leser-Empfehlungen
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    • fanta4
    • 30.03.2011 um 9:25 Uhr

    Die Aufständischen in Afghanistan sind Terroristen, in Lybien sind es Rebellen. Ist doch ganz einfach.

    Für die Amis ist die Welt wirklich einfach. Wenn es um Öl geht, mischen sie sich ein.

    Das aber Obama nicht nur in Diensten der Ölindustrie tätig ist, sondern auch der Waffenlobby gutes tut, wird in seiner Lust auf einen Waffen-Deal deutlich.

    So kennen wir den Friedensnobelprei-Beschädiger: Für Krieg, für Folter, für Internierungslager.

    die Zeit nicht die Aufgabe hat zu nformieren sondern Meinungsbilder zu erzeugen... sonst würde se ja auchs chreiben das es keinen Völkermord n Libyen gbt ausser die NAto verursacht jetzt einen... sondern einen Bürgerkrieg....

    • joG
    • 30.03.2011 um 23:27 Uhr

    ....auf Völkermord.

    • fanta4
    • 30.03.2011 um 9:25 Uhr

    Die Aufständischen in Afghanistan sind Terroristen, in Lybien sind es Rebellen. Ist doch ganz einfach.

    Für die Amis ist die Welt wirklich einfach. Wenn es um Öl geht, mischen sie sich ein.

    Das aber Obama nicht nur in Diensten der Ölindustrie tätig ist, sondern auch der Waffenlobby gutes tut, wird in seiner Lust auf einen Waffen-Deal deutlich.

    So kennen wir den Friedensnobelprei-Beschädiger: Für Krieg, für Folter, für Internierungslager.

    die Zeit nicht die Aufgabe hat zu nformieren sondern Meinungsbilder zu erzeugen... sonst würde se ja auchs chreiben das es keinen Völkermord n Libyen gbt ausser die NAto verursacht jetzt einen... sondern einen Bürgerkrieg....

    • joG
    • 30.03.2011 um 23:27 Uhr

    ....auf Völkermord.

    • HLWT
    • 30.03.2011 um 8:43 Uhr

    Moderne Waffen muss man auch bedienen können. Einfache Schiessprügel werden nicht reichen!

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Da haben wir den Salad unter den Rebellen werden Kräfte der Hamas, sowie al-Qaida vermutet.
    Wie soll man diese vom Westen kontrollieren und man möchte den Rebellen mit Waffen ausrüsten.
    Natürlich die Waffenlobby folgt den Politkern dicht auf und so mancher unterliegt deren Einflüsterungen.

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    Dass Hamas und Al Qaida unter den 'Rebellen' sind, passt doch dem Westen gut ın den Kram.
    Welchen Grund sollte dieser verlogene Raeuber Westen denn nach der 'Befreıung' der Zivilbevölkerung haben, um weiter dort zu bleıben, bis alle Ölquellen schön untereinander aufgeteilt und das Land, zersplitterter als jetzt, bequem zu kontrollieren ist (siehe Afghanistan und İrak)

    '

    Dass Hamas und Al Qaida unter den 'Rebellen' sind, passt doch dem Westen gut ın den Kram.
    Welchen Grund sollte dieser verlogene Raeuber Westen denn nach der 'Befreıung' der Zivilbevölkerung haben, um weiter dort zu bleıben, bis alle Ölquellen schön untereinander aufgeteilt und das Land, zersplitterter als jetzt, bequem zu kontrollieren ist (siehe Afghanistan und İrak)

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  3. Offenbar haben die Leute, die in der NATO nur allzugern den Finger am Abzugshahn haben, vergessen, dass es im Irak und in Afghanistan ebenso los ging. Zunächst Waffen für Aufständische, die dann die gleichen Waffen gegen jene richteten, von denen sie diese erhalten hatten. Brauchen wir wirklich einen weiteren Konfliktherd in nächster Nähe von Europa?

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    • joG
    • 30.03.2011 um 12:28 Uhr

    ....man bereits. Gaddafi hat über Jahre Terroristen in Europa ausgerüstet. Was wollten Sie also tun? Nur klagen ist ein wenig dünn.

    • joG
    • 30.03.2011 um 12:28 Uhr

    ....man bereits. Gaddafi hat über Jahre Terroristen in Europa ausgerüstet. Was wollten Sie also tun? Nur klagen ist ein wenig dünn.

  4. "Demokratische" gegen diktorische Mörder... So ein Quatsch. Die Leidenden sind immer die, die dort leben, wo sich Gewalttätige umzubringen versuchen. Und es ist eine Schande, dass Deutschland nicht Hamas und Al Qaida unterstützt? Das hört man sonst anders.

  5. Warum unterstützt man die Rebellen in Libyen aber nicht die in Afghanistan?
    Das Gedankengut der Rebellen in Libyen ist typischerweise pluralistisch, aber sicher enthält er einen überproportionalen Anteil an Radikalen und Extremisten.
    Der Wert der Demokratie ist zwar hoch, aber ich halte es für idealistisch und ein wenig für naiv, anzunehmen, sie würden das nur fürs Wahlrecht machen.
    Man muss sich vorstellen, dass sie zum Einen gegen ihre eigenen Landsleute die Waffen erheben, zum Anderen, dass jeder einzelne dieser Rebelenn bereit ist, für ein Ideal einen anderen Menschen zu ermorden.
    Ich für meinen Teil würde nicht mit einem solchen Menschen befreundet sein wollen. Aus meiner Sicht ist es ein Mörder, der sich an unnötigem Blutvergießen nicht beteiligen.
    Die Insubordination und Abkehr von vielen Offizieren bis hin zu Generälen führte nicht dazu, dass diese sich den Rebellen anschlossen, weil sie keinen Bürgerkrieg aber den Dialog möchten, diese sind also nicht bereit, dafür zu töten.
    Die Aufständischen in Afghanistan, die nur zu einer Minderheit aus Taliban bestehen, werden komischerweise bekämpft. Unter ihnen Reihen sind nun, anders als anfangs, Nationalisten und Patrioten, die ihre Familienangehörigen rächen wollen. Aus Sicht der Afghanen sind es tatslächlich Patrioten geworden.
    Karzai hat vor einem Monat die Nato aufgefordert, sofort abzuziehen. Das wird nicht getan.
    Afghanistan wird besetzt gehalten und wir diesen den US-Interessen.

    Peinlich

  6. die resolution verhängt ein waffenembargo über libyen. über libyen, nicht über gaddhafi! auch alle anderen blockaden sind nicht auf gaddhafi, sondern auf libyen anzuwenden. die rebellen sind auch libyer, jede handelsbeschränkung gilt selbstverständlich auch für sie. da gibt es keinen spielraum. wenn also die usa waffen an die rebellen liefern sollten, dann muss ein nato schiff notfalls das liefernde schiff versenken. so ist das.

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