Proteste Syrien hebt den Ausnahmezustand auf

Erfolg für die Opposition – Präsident al-Assad hat den seit 48 Jahren geltenden Ausnahmezustand aufgehoben. Wann die Maßnahme in Kraft tritt, bleibt unklar.

Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad hat den in Syrien seit 48 Jahren geltenden Ausnahmezustand aufgehoben. Der Beschluss wurde vor dem Hintergrund der jüngsten Unruhen im Land gefällt. Bislang war der geltende Ausnahmezustand die Grundlage für willkürliche Verhaftungen und unbeschränkte Rechte der Sicherheitsorgane. Eine Regierungssprecherin sagte, die Behörden hätten die Aufhebung bereits beschlossen, es sei aber noch unklar, wann sie in Kraft trete.

In den Tagen und Wochen zuvor hatte es Ausschreitungen im ganzen Land gegeben. Dutzende Menschen waren in verschiedenen Städten getötet worden, als staatliche Sicherheitskräfte mit Schusswaffen gegen Menschen vorgingen, die an Kundgebungen für politische Reformen und Bürgerrechte teilnahmen.

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Die Aufhebung des Ausnahmezustands war eine der Hauptforderungen der Demonstranten. Er war am 8. März 1963 verhängt worden, als sich die arabisch-nationalistische Baath-Partei an die Macht putschte. Auf der Grundlage des Ausnahmezustands waren die meisten Bürgerrechte stark eingeschränkt.

Wie stark die Aufhebung den politischen Alltag im Polizei- und Überwachungsstaat Syrien tatsächlich ändern wird, ist zunächst noch unklar. Frühere Anläufe reformorientierter Kräfte innerhalb des Regimes, die politische Unterdrückung zu lockern, waren in den vergangenen Jahren regelmäßig am Einspruch der mächtigen Hardliner des Sicherheitsapparats gescheitert.

Erst vor einigen Tagen hatte al-Assad angekündigt, er plane ein Gesetz, das die Einführung von Parteien ermögliche. Eine Kommission sollte nach den Toten in den syrischen Städten "die Anliegen der Bürger anhören", hatte eine Sprecherin des Präsidenten gesagt. Außerdem hatte al-Assad nicht weiter konkretisierte Lohnerhöhungen, eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Staatsbediensteten und Maßnahmen zum Kampf gegen die Korruption versprochen. Die Forderungen der Opposition wurden als "legitim" bezeichnet.

Zu diesen weiteren Reformvorhaben werde sich al-Assad "sehr bald" in einer Rede an sein Volk äußern, sagte eine Sprecherin des Präsidenten. Bei der Ansprache sollten die angekündigten Reformen konkretisiert werden.

US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, die USA planten trotz der massiven Angriffe der syrischen Sicherheitskräfte auf Demonstranten keinen Eingriff  in Syrien. Sowohl Mitglieder der Demokraten als auch der Republikaner im US-Kongress hielten Präsident al-Assad für einen "Reformer".

Clinton äußerte dennoch Sorge über die Lage in Syrien. "Was in den vergangenen Wochen dort geschehen ist, ist zutiefst besorgniserregend", sagte die Außenministerin. Es gebe aber einen Unterschied zwischen dem Einsatz von Flugzeugen mit willkürlichen Bombardements der eigenen Städte und Polizeiaktionen mit Gewaltanwendung, sagte Clinton.

 
Leser-Kommentare
  1. ...oder neue Weichen. Wie auch immer, wo auch immer...

    Freut mich zu hören. Es wäre schön, wenn die Syrer friedlich ein neues politisches Bild ihres Landes bilden könnten, ohne für ihre Freiheit und Meinungen sterben zu müssen.

    In Gedanken...

  2. ...im Gegensatz zu Frau Clinton sehe ich weniger Unterschiede zwischen

    "dem Einsatz von Flugzeugen mit willkürlichen Bombardements der eigenen Städte und Polizeiaktionen mit Gewaltanwendung"

    Willkürlich (wenn man dies so interpretieren will) sind beide Aktionen und ob nun Milizen/Militär auf Zivilisten schießen oder milizähnliche Polizisten; wo liegt der Unterschied.

    Vllt braucht es in Syrien ja auch ein paar Rebellen damit sich westliche Mächte sicher fühlen können bei einer "No-Flyzone" auch gleich den in Ungnade gefallenen Despoten der Macht zu berauben.
    Wär doch schade wenn der sich (mit dem Wissen um das wahre Gesicht der europ./westlichen Demokratien) weiterhin an der Macht hält.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. die Frau Clinton. Ich verstehe ja ihre Besorgnis, dass schon wieder ein Einsatzort entstehen könnte, wo die selbsternannte Weltpolizei eventuell einschreiten muss. Ihr verzweifelter Versuch, den syrischen Brandherd als nicht so schlimm einzustufen, wird wohl auf kurz oder lang ein negativer Bescheid erfolgen.

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    Frau Clinton machte bereits eine unglückliche Figur bei den vorausgegangenen Unruhen. Ihre Aussagen, wie auch die Analysen der Medien, hatten bisher eine noch geringere Halbwertzeit als Francium. Ich erinnere nur an Ihre Äußerungen zu Mubarak, dessen Regierung sie ja noch anfangs als stabil bezeichnet hatte. Das bisherige Handeln zeugt von Überforderung, aber auch von mangelnder Kompetenz.

    Für mich ist es nur ein Trost, dass nicht nur wir schlecht regiert werden, sondern derzeit auch viele andere Länder. Hieraus aber erwächst eine zukünftige Unsicherheit. Nicht nur mit Blick auf die sich verändernde Lage im Nahen Osten, sondern auch auf die sich verschiebenden innenpolitischen Gewichte.

    Die geopolitische Lage wird auch dauerhaft instabil bleiben. Und dies nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in anderen Teilen der Welt, einschließlich Südamerikas und Asiens. In Europa werden sich die politischen Gleichgewichte verschieben, was auch zu weiterer Anspannung führen könnte.

    Die nächsten 10 Jahre werden die Welt entscheidend verändern. Wir stehen vor einem Epochenwechsel. Alte Ordnungen werden unter dem sich aufbauenden Druck zerbersten, neue Ordnungen werden es erst einmal schwer haben sich zu etablieren. Eine Zeit der Instabilität bricht an, deren Ende eine neue Epoche einleiten wird.

    Frau Clinton machte bereits eine unglückliche Figur bei den vorausgegangenen Unruhen. Ihre Aussagen, wie auch die Analysen der Medien, hatten bisher eine noch geringere Halbwertzeit als Francium. Ich erinnere nur an Ihre Äußerungen zu Mubarak, dessen Regierung sie ja noch anfangs als stabil bezeichnet hatte. Das bisherige Handeln zeugt von Überforderung, aber auch von mangelnder Kompetenz.

    Für mich ist es nur ein Trost, dass nicht nur wir schlecht regiert werden, sondern derzeit auch viele andere Länder. Hieraus aber erwächst eine zukünftige Unsicherheit. Nicht nur mit Blick auf die sich verändernde Lage im Nahen Osten, sondern auch auf die sich verschiebenden innenpolitischen Gewichte.

    Die geopolitische Lage wird auch dauerhaft instabil bleiben. Und dies nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in anderen Teilen der Welt, einschließlich Südamerikas und Asiens. In Europa werden sich die politischen Gleichgewichte verschieben, was auch zu weiterer Anspannung führen könnte.

    Die nächsten 10 Jahre werden die Welt entscheidend verändern. Wir stehen vor einem Epochenwechsel. Alte Ordnungen werden unter dem sich aufbauenden Druck zerbersten, neue Ordnungen werden es erst einmal schwer haben sich zu etablieren. Eine Zeit der Instabilität bricht an, deren Ende eine neue Epoche einleiten wird.

  4. ... schon richtig einzuschätzen, wenn man Assad als Reformer betrachtet. Er ist seinerzeit nach dem tödlichen Unfall seines Bruders eher wie die "Jugfrau zum Kinde" in die Rolle des "Kronprinzen" gerutscht, politische Ambitionen hatte er zuvor nicht, hatte seinen Lebensmittelpunkt als Augenarzt in London. Seine Frau kommt aus einer zur britischen High Society zählenden Familie. Erst nachdem sein Bruder verunglückt ist, wurde er als Nachfolger seines Vaters aufgebaut, dessen Schatten und Seilschaften bis heute maßgeblich für einen der repressivsten Polizeistaaten des Nahen Ostens sind. Assad selber ist eigentlich ein ganz vernünftiger Mann, dem bislang eher die Kraft fehlte, sich im Apparat gegen das Erbe seines Vaters durchzusetzen. Der Druck der Straße könnte ihm so gesehen durchaus entgegenkommen, da dieser ihm indirekt politisch den Rücken stärkt, um gegen den wie ein Staat im Staate funktionierenden Sicherheitsapparat heikle Reformen durchzusetzen.

  5. Frau Clinton machte bereits eine unglückliche Figur bei den vorausgegangenen Unruhen. Ihre Aussagen, wie auch die Analysen der Medien, hatten bisher eine noch geringere Halbwertzeit als Francium. Ich erinnere nur an Ihre Äußerungen zu Mubarak, dessen Regierung sie ja noch anfangs als stabil bezeichnet hatte. Das bisherige Handeln zeugt von Überforderung, aber auch von mangelnder Kompetenz.

    Für mich ist es nur ein Trost, dass nicht nur wir schlecht regiert werden, sondern derzeit auch viele andere Länder. Hieraus aber erwächst eine zukünftige Unsicherheit. Nicht nur mit Blick auf die sich verändernde Lage im Nahen Osten, sondern auch auf die sich verschiebenden innenpolitischen Gewichte.

    Die geopolitische Lage wird auch dauerhaft instabil bleiben. Und dies nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in anderen Teilen der Welt, einschließlich Südamerikas und Asiens. In Europa werden sich die politischen Gleichgewichte verschieben, was auch zu weiterer Anspannung führen könnte.

    Die nächsten 10 Jahre werden die Welt entscheidend verändern. Wir stehen vor einem Epochenwechsel. Alte Ordnungen werden unter dem sich aufbauenden Druck zerbersten, neue Ordnungen werden es erst einmal schwer haben sich zu etablieren. Eine Zeit der Instabilität bricht an, deren Ende eine neue Epoche einleiten wird.

    Antwort auf "Sie tut mir leid"

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  • Schlagworte Syrien | Bill Clinton | Recht | Protest | Ausnahmezustand | USA | US-Kongress
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