Die Beisetzung von fünf getöteten Demonstranten in der Stadt Daraa im Süden von Syrien ist in eine Kundgebung für Freiheitsrechte umgeschlagen. Mindestens Zehntausend Menschen folgten den Särgen mit zwei von vier Männern, die am Freitag ums Leben gekommen waren. Die Trauergemeinde skandierte "Gott, Syrien, Freiheit" und "Wer sein eigenes Volk tötet, ist ein Verräter." Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Augenzeugen zufolge nahm die Geheimpolizei mindestens eine Person fest.

Die Behörden sperrten den Südteil der Stadt nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten vollständig ab, um zu verhindern, dass Demonstranten zu dem Trauerzug stoßen. Eine Versammlung der Stämme in Daraa forderte die "kriminellen Banden des Regimes", wie die Sicherheitskräfte bezeichnet wurden, dazu auf, sich aus der Stadt zurückzuziehen.

Insgesamt waren am Freitag in der Hauptstadt Damaskus, in Homs, Aleppo, Deir al-Zor und Daraa insgesamt mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen, um Freiheitsrechte und ein Ende der Korruption zu fordern. In Syrien
haben in den vergangenen Tagen die Proteste gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad stark zugenommen.

Auch im Jemen gehen die Proteste gegen Präsident Ali Abdullah Salih trotz des verhängten Ausnahmezustands weiter. Zehntausende Menschen versammelten sich im Zentrum von Sanaa, um den Rücktritt des Staatschefs zu fordern. Am Vortag hatten Scharfschützen in Zivil von Dächern aus auf die Massen geschossen. 44 Menschen waren nach offiziellen Angaben getötet worden, 240 weitere erlitten Verletzungen. In der südlichen Hafenstadt Aden gingen Polizeitrupps am Samstag gegen einen Sitzstreik von Salih-Gegnern vor. Dabei wurden mindestens zwei Demonstranten verletzt, berichteten Augenzeugen. Auch aus anderen Landesteilen wurden neue Proteste gemeldet. Der prominente islamistische Kleriker Abdul Madschid al-Sindani forderte Salih auf, sein Amt an den Vizepräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi abzugeben. Der Staatschef hatte bislang nur zugestanden, bei den nächsten regulären Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren nicht mehr zu kandidieren.Salih hatte nach dem Blutbad am Freitag den Ausnahmezustand verhängt und ein Verbot des Tragens von Waffen in der Öffentlichkeit - eine im Jemen weit verbreitete Angewohnheit - erlassen. Außerdem behauptete er, dass keine Sicherheitskräfte auf die Demonstranten geschossen hätten. Dass aber die Scharfschützen in Zivil nicht auf die eine oder andere Weise eng mit dem Sicherheitsapparat des Präsidenten verbunden waren, ist nach Ansicht von Beobachtern ausgeschlossen.