Ägypten Das Bündnis zwischen Jugend und Militär zerbricht
Die Demonstranten in Ägyptens Hauptstadt Kairo fordern den Rücktritt des herrschenden Militärrates. Doch wer soll die Übergangsregierung stellen?
© MISAM SALEH/AFP/Getty Images

Die Flagge Ägyptens: Demonstranten am Sonntag in Kairo auf dem Tahrir-Platz
Die große Wunde im Zentrum Kairos ist wieder offen. Demonstranten ziehen täglich über den Tahrir-Platz , den Schauplatz der ägyptischen Februarrevolution. Sie fordern den Rücktritt des faktischen Herrschers Feldmarschall Mohammed Tantawi. Ein ausgebrannter Bus steht dort als Überbleibsel der blutigen Zusammenstöße von Armee und Demonstranten am vorigen Samstag. Als Andenken an die Nacht, in der wieder zwei Demonstranten starben. Das Bündnis zwischen protestierender Jugend und herrschender Armee hat tiefe Risse bekommen.
"Das Misstrauen ist seit Wochen gewachsen", sagt Shadi al-Ghasaly, einer der Planer des Aufstands vom 25. Januar und führendes Mitglied der Jugendkoalition. Der Hohe Militärrat mit Tantawi an der Spitze habe die Verhaftung und Verurteilung "der korrupten Gesichter des alten Regimes verschleppt". Die jungen Revolutionäre glaubten den alten Offizieren nicht mehr, dass sie wirklich in eine neue Zeit aufbrechen wollen. "Die Rolle des Hohen Militärrats wird verdächtig", sagt Ghasaly.
Dieses Gremium hat am 11. Februar die Macht vom gestürzten Herrscher Hosni Mubarak übernommen und ist seither die höchste Instanz der Revolution. Der Rat hat das März-Referendum ausgeschrieben, in dem eine leicht modifizierte Verfassung vom Volk abgesegnet wurde. Er hat die Parlamentswahlen für den September angekündigt. Vom Rat wird auch die personelle Säuberung in den obersten Staatsinstitutionen erwartet sowie die Abrechnung mit den Figuren der alten Zeit.
Nach dem Wochenende der Gewalt zitierten die Staatsanwälte plötzlich den als hochkorrupt geltenden Mubarak und seine Familie zur Verhörung. Mubarak versuchte dem mit einer Rede auf dem saudischen Sender al-Arabiya zuvorzukommen. Am Montag sprach er zum ersten Mal seit dem Sturz im Februar zu den Ägyptern. In den Cafés und Teestuben um den Tahrir-Platz standen die Menschen auf und lauschten aufmerksam jedem Wort des alten Herrschers. Manche klatschten sogar. Mubarak betonte, weder über Bankkonten noch Banknoten im Ausland zu verfügen. Reiseverbot hat er ohnehin, damit er an verstecktes Geld nicht herankommt.
"Das sind alles nur halbherzige Maßnahmen" schimpft al-Ghasaly. Wenn Mubarak nach der Befragung wieder auf freien Fuß gesetzt würde, sei alles wie vorher: den Menschen ginge es schlecht, und der Herrscher genieße die Sonne im Ferienort Scharm al-Scheich. Jetzt müsse die Verhaftung erfolgen. Das ist, was die Demonstranten hinter ihm auf dem Tahrir seit Wochen fordern. Sie wollen einen schnellen Prozess. "Und einen fairen natürlich", fügt Ghasaly hinzu.
Shadi Ghasaly kommt aus einer politischen Familie. Sein Onkel, ein Publizist und Politikwissenschaftler, führt eine der kleinen liberalen Parteien, die Partei der demokratischen Front. Osama Ghasaly al-Harb quält sich in seinem fortgeschrittenen Alter nicht mehr täglich auf den Tahrir. In seinem Parteibüro im Mittelstandsviertel Muhandessin beschreibt er, was noch zu tun ist. Die Behörden, die Ministerien, die staatseigenen Betriebe, die Staatszeitungen, das Fernsehen – überall seien Mubarak-Leute am Werke, "welche die Revolution im Stillen sabotieren". Mit Personalwechsel und Privatisierung von Medien sei da noch sehr viel zu tun. Doch was, wenn der Hohe Militärrat dazu nicht in der Lage ist?
Auf dem Tahrir-Platz ist die Antwort längst gefunden. Feldmarschall Tantawi soll zurücktreten, manche fordern auch den Kopf seines Stellvertreters, andere gleich den Abtritt des Hohen Militärrates. Doch wer soll Ägpyten regieren, wenn nicht die Generäle, die mit der Armee die letzte funktionierende Staatsinstitution befehligen?
Shadi Ghasaly erinnert an eine Idee von Mohammed El Baradei aus dem Februar: Ein Präsidialrat, der aus zwei Zivilisten und einem Armeeoffizier besteht, solle regieren. Die Verwirklichung dieser Idee sei überfällig, sagt Ghasaly. Es ginge nicht um die Entmachtung der Armee, die den Revolutionären immer noch verbunden sei. "Dieser Rat würde mit den Streitkräften eng zusammenarbeiten, ein Offizier wäre dabei." Es wäre der Versuch, die Revolution voranzutreiben und trotzdem das Vertrauen zwischen Armee und Demonstranten wiederherzustellen.
Die Demonstranten, der Stacheldraht und der Müll auf dem Tahrir-Platz zeigen, dass es dafür höchste Zeit ist.
- Datum 12.04.2011 - 18:16 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 16
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hatte ich es erwartet! Dem Aegyptern wird es nicht besser gehen wenn sich Mubarak nicht in Scharm al Scheich sonnt.
Dafür müssten die Menschen dort erst mal diszipliniert und effektiv arbeiten lernen! So etwas zu sagen wird meist als diskriminierend bezeichnet, ich hoffe dieser Kommentar wird nicht zensiert.
Ich erinnere an das Schweinekeulen das vielen Christen dort die Lebensgrundlage genommen hat. Auch sind mir die Ausschreitungen nach dem Fussballspiel gegen Algerien in Erinnerung. Über die Plünderungen waehrend der Proteste wurde ja nicht viel berichtet, man will ja nicht diffamieren!
Das es ohne Mubarak in Aegypten wirklich besser wird, halte ich für recht unwahrscheinlich. Das jetzt ein anderes Feindbild entsteht wird die Bevölkerung ja nicht an die Arbeit sondern zu Protesten anstacheln und davon geht wirtschftlich nichts voran!
Na ja wer weiss, vielleicht gibt es ja jetzt 'Aufbauhilfen' aus Deutschland, da ist ja genug Geld !
Die Tatsache, dass in Ägypten überhaupt noch demonstriert wird (zumal zu hunderttausenden), sollte doch bereits deutlich genug zeigen, dass die Ägypter an einem Umbau ihres Staates weiterhin ein deutliches Interesse haben. Und wenn Sie behaupten, sie wüssten nicht zu arbeiten - würden womöglich nur "einfach dagegen" sein und grundlos auf die Straße gehen wollen, um nicht arbeiten zu müssen -, so bedienen Sie bloß billige Klischees der europäischen Rechten. Ägypten verfügt über eine stabile Wirtschaft mit guten Wachstumsraten, die in den vergangenen Jahren nur durch den totalitären Staat, der trotz Planwirtschaft durch seine Korruption zur Ungleichverteilung der Einkommen beigetragen hat, gebremst worden sind.
Was soll diese Beteuerung, wenn dennoch diffamiert wird. Ihre Beispiele sind vollkommen unangebracht, an einer Veränderung in Ägypten zu zweifeln. Machen Sie doch mal das gleiche Konstrukt und vergleichen Sie Ägypten mit Deutschland nach 1945. Es gab Ausschreitungen, nicht nach einem Fussballspiel, sondern einfach nur aus der Tatsache heraus, dass man Jude, Roma, Homosexuelle oder ein Linker war. Es wurden anstatt Schweine, Menschen gekeult.
Und dennoch hatte die Weltgemeinschaft Geduld mit den verteufelten Deutschen. Und es hat sich gelohnt. Die Deutschen haben, zwar mit großen persönlichen Schwierigkeiten, sich geläutert. Da müsste es doch für die ägyptische Bevölkerung erst recht auch möglich sein, eine Zukunft auf die Beine zu stellen. Und die Zukunft mit grundlegenden Änderungen wird nicht nur in Ägypten kommen, wo es eben nicht mehr so abläuft, wie in der Vergangenheit, eine Dynastie kommt nach der anderen. Es wird ein demokratischer Weg sein, der selbstverdständlich nicht eine "westlicher Weg" sein wird, es wird ein arabischer Weg sein. Jeder Anfang ist schwer. Aber wo ein Wille ist, wird auch ein Weg gefunden werden.
Von Deutschland aus zu diffamieren ist vollkommen unangebracht und vor allen Dingen unverschämt.
Die Tatsache, dass in Ägypten überhaupt noch demonstriert wird (zumal zu hunderttausenden), sollte doch bereits deutlich genug zeigen, dass die Ägypter an einem Umbau ihres Staates weiterhin ein deutliches Interesse haben. Und wenn Sie behaupten, sie wüssten nicht zu arbeiten - würden womöglich nur "einfach dagegen" sein und grundlos auf die Straße gehen wollen, um nicht arbeiten zu müssen -, so bedienen Sie bloß billige Klischees der europäischen Rechten. Ägypten verfügt über eine stabile Wirtschaft mit guten Wachstumsraten, die in den vergangenen Jahren nur durch den totalitären Staat, der trotz Planwirtschaft durch seine Korruption zur Ungleichverteilung der Einkommen beigetragen hat, gebremst worden sind.
Was soll diese Beteuerung, wenn dennoch diffamiert wird. Ihre Beispiele sind vollkommen unangebracht, an einer Veränderung in Ägypten zu zweifeln. Machen Sie doch mal das gleiche Konstrukt und vergleichen Sie Ägypten mit Deutschland nach 1945. Es gab Ausschreitungen, nicht nach einem Fussballspiel, sondern einfach nur aus der Tatsache heraus, dass man Jude, Roma, Homosexuelle oder ein Linker war. Es wurden anstatt Schweine, Menschen gekeult.
Und dennoch hatte die Weltgemeinschaft Geduld mit den verteufelten Deutschen. Und es hat sich gelohnt. Die Deutschen haben, zwar mit großen persönlichen Schwierigkeiten, sich geläutert. Da müsste es doch für die ägyptische Bevölkerung erst recht auch möglich sein, eine Zukunft auf die Beine zu stellen. Und die Zukunft mit grundlegenden Änderungen wird nicht nur in Ägypten kommen, wo es eben nicht mehr so abläuft, wie in der Vergangenheit, eine Dynastie kommt nach der anderen. Es wird ein demokratischer Weg sein, der selbstverdständlich nicht eine "westlicher Weg" sein wird, es wird ein arabischer Weg sein. Jeder Anfang ist schwer. Aber wo ein Wille ist, wird auch ein Weg gefunden werden.
Von Deutschland aus zu diffamieren ist vollkommen unangebracht und vor allen Dingen unverschämt.
Das Misstrauen ist seit Wochen gewachsen", sagt Shadi al-Ghasaly, einer der Planer des Aufstands vom 25. Januar und führendes Mitglied der Jugendkoalition
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vielleicht sollte man die protestierenden Hitzköpfe
sich austoben lassen.Besser noch Rädelsführer in Verantwortung stecken.Mal gucken was das gibt.
Natürlich sitzt der Frust tief,nachdem Mubarak zwar weg,
aber die Lebenssituation immer noch die gleiche ist.
Da ist auch einfach zuviel männliche Jugend,die zwar den Aufstand probt,aber nicht auf die Zeit danach eingestellt ist.
So einen von Ahnungslosigkeit zeugenden Kommentar habe ich selten gelesen! Schonmal in Ägypten gewesen? Mehr Klischee passt kaum in ein Kommentar!
... denken sie dass es im falle einer revolution in deutschland anders wäre? plünderungen, zerstörung und chaos gehören leider dazu, das kann man in der geschichte gut verfolgen. wie das land heißt spielt zwar auch eine rolle, jedoch eine sekundäre. wichtig ist jetzt, dass sich eine regierung durchsetzen kann, die vernünftige politische visionen und vorallem auch die durchsetzungskraft dazu hat! und die kritik der demonstranten an der jetzigen übergangsregierung ist durchaus gerechtfertigt, das darf man nicht vergessen. hier geht es nicht um pure zerstörungswut, sondern um politik. und da bin ich der meinung: es lieber einmal direkt richtig machen anstatt über 50 jahre zu reformieren(wenn
aber wir hatten doch hier unsere ureigenste Revolution.
Da wurde geplündertund zerstört? Wußt ich garnicht.
aber wir hatten doch hier unsere ureigenste Revolution.
Da wurde geplündertund zerstört? Wußt ich garnicht.
aber wir hatten doch hier unsere ureigenste Revolution.
Da wurde geplündertund zerstört? Wußt ich garnicht.
Die Tatsache, dass in Ägypten überhaupt noch demonstriert wird (zumal zu hunderttausenden), sollte doch bereits deutlich genug zeigen, dass die Ägypter an einem Umbau ihres Staates weiterhin ein deutliches Interesse haben. Und wenn Sie behaupten, sie wüssten nicht zu arbeiten - würden womöglich nur "einfach dagegen" sein und grundlos auf die Straße gehen wollen, um nicht arbeiten zu müssen -, so bedienen Sie bloß billige Klischees der europäischen Rechten. Ägypten verfügt über eine stabile Wirtschaft mit guten Wachstumsraten, die in den vergangenen Jahren nur durch den totalitären Staat, der trotz Planwirtschaft durch seine Korruption zur Ungleichverteilung der Einkommen beigetragen hat, gebremst worden sind.
positiv überraschen. Aber korrupt ist ja nicht nur der Staatsapperat, da gehört die ganze Gesellschaf dazu.
Ist es also ein Klischee das völlig unnötig zur Schweinegrippe alle Schweine gekeult wurden? Ist es mein Vorurteil das Kirchen überfallen wurden?
Das - sind eher Tatsachen denke ich !
positiv überraschen. Aber korrupt ist ja nicht nur der Staatsapperat, da gehört die ganze Gesellschaf dazu.
Ist es also ein Klischee das völlig unnötig zur Schweinegrippe alle Schweine gekeult wurden? Ist es mein Vorurteil das Kirchen überfallen wurden?
Das - sind eher Tatsachen denke ich !
Bisher sehe ich in Aegypten eher viel positives.
Es waere ja geradezu 'falsch', wenn alle zurueckkehren wie vorher, strukturell nur formale Aenderungen stattfinden, sich sonst aber alles laemmerartig verhaelt.
Deeskalation ist wichtig, Infragestellung von allem aber auch. Spannungen, die ausgehalten werden muessen.
Genau die vielen Diskussionen und Reibereien "jetzt", die unterschiedlichsten Auffassungen, die unterschiedliche Kritik an diesem und jenem, die permanente Infragestellung auch des Militaers, die Diversifizierungen der Ansichten auch im kleinen. Genau das _jetzt_ sind die eigentlichen potentiell demokratisierenden, bewusstseinsveraendernden Prozesse.
Im positiven Falle regulieren sich alle (ebenfalls ein Erkenntnisprozess, der eingeuebt sein will!) immer wieder alle darauf, dass es friedlicher besser geht, aber eben auch durch gleichzeitigem Aushalten und "Einueben" des Ausdrueckens anderer Ansichten, Einueben auch des so wichtigen gesellschaftlichen Infragestellens von Institutionen an sich.
Jetzt, genau jetzt, wird ein grosser Teil der aegyptischen Gesellschaft, die vielen Koepfe, umprogrammiert - um es mal lapidar zu sagen.
Darin liegen die eigentlichen Chancen, Entwicklungen und auch Inspirationen fuer die Zukunft, egal in welche Richtung es sich zunaechst einmal dreht ...
Bei allen Revolutionen der Vergangenheit gab es vorher nur wenig demokratisches Bewusstsein. Logisch, fehlende Gewoehnung daran. Danach gingen die eigentlichen Prozesse los...
Nun auch im "westen" hat die Reformation ja nicht über Nacht oder über 4-5 Monate hinweg die Demokratischen ideen im Volk verankert.
Der nahe osten erlabt nun seine eigene Reformation, und wie bei uns wird sie Zeit brauchen und auch einige Rükschläge hinnehmen müssen. Aber ich Hoffe das es für die Mentschen dort im Endeffect besser wird.
Man könnte auch der französichen Revolution forwerfen die Mentschn kurtz nach der evolution in einen Blutigen Krieg geführt zu haben und so die Lebensbedingungen eher verschlechtert zu haben. Aber war das den Mentschen zu der Zeit wirklich wichtig.
Momentahn sehen die Mentschen erst einmal das ihre hochgelobte Obrigkeitsgläubigkeit sie nirgentwohin bringt und das sie anfangen müssen die Obrigen zu hinterfragen und zu kontrollieren. das sit doch soch mal ein guter Schritt , aber auch ein schwerer.
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