Die gewalttätigen Proteste in Afghanistan gegen eine Koran-Verbrennung, die vor knapp zwei Wochen in den USA stattfand, haben auch am Samstag angehalten. In der südafghanischen Stadt Kandahar sind bei Zusammenstößen mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, mehr als 80 Menschen wurden verletzt.

Insgesamt hatten in der Stadt mehr als 2000 Menschen gegen die Koran-Verbrennung protestiert und dabei zahlreiche Autos in Brand gesetzt, wie die afghanischen Behörden mitteilten. Ursprünglich wollte offenbar eine Gruppe von Demonstranten zum UN-Gebäude marschieren, war aber von der Polizei mit Warnschüssen daran gehindert worden. Die Menge bewarf daraufhin die Polizei mit Steinen, wie ein Sprecher des Gouverneurs von Kandahar mitteilte.

Ein Arzt eines Krankenhauses der Stadt sagte, die meisten Opfer seien durch Schüsse und Steine verletzt worden. Bis zum Nachmittag entspannte sich die Lage, eine Gruppe von rund 800 Menschen hielt aber weiter den zentralen Platz der Stadt besetzt. Viele von ihnen hatten Stöcke bei sich.

Auslöser der Proteste war eine Aktion des radikalen Predigers Terry Jones in Florida. Der umstrittene Pastor in Gainesville hatte nach Angaben der New York Times schon am 20. März einen Koran in seiner Gemeinde verbrannt. Dies war zunächst weitgehend unbemerkt geblieben. In den US-Medien war darüber kaum berichtet worden.

Schon am Freitag hatten aufgebrachte Menschen in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen gestürmt und sieben ausländische UN-Helfer getötet. Wie ein Vertreter der afghanischen Polizei mitteilte, wurden einige der UN-Mitarbeiter enthauptet. Auch in Kabul und Herat gingen am Samstag Hunderte von Demonstranten auf die Straße.

Nach Meinung der Behörden waren die Demonstranten in Kandahar – beinahe ausschließlich junge Männer – aufgewiegelt worden, 17 Männer seien festgenommen worden. Berichten zufolge riefen die jungen Männer im Zentrum der Stadt "Tod den USA" und "Tod für Karsai" sowie "Sie haben unseren Koran beleidigt".

Ahmad Wali Karsai, Vorsitzender des Provinz-Rates von Kandahar und Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, sagte: "Das waren keine Demonstranten, das waren Opportunisten, die Schaufenster zertrümmert und Autos in Brand gesteckt haben". Unter anderem sei auch eine Mädchenschule – die üblicherweise den radikalen Islamisten ein Dorn im Auge sind – angezündet worden.