Jugoslawien-KriegKriegsverbrecher Gotovina kommt hinter Gitter

Mord, Plünderung, Misshandlung, Vertreibung: Der kroatische Ex-General Gotovina ist schuldig gesprochen worden. Das UN-Tribunal verurteilte ihn zu 24 Jahren Haft. von dpa , Reuters und AFP

Ante Gotovina vor dem UN-Jugoslawien-Tribunal in Den Haag

Ante Gotovina vor dem UN-Jugoslawien-Tribunal in Den Haag  |  © Michel Porro/Getty Images

Das UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag hat den früheren kroatischen General Ante Gotovina zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt – drei Jahre weniger als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der 55-Jährige beim Vorgehen gegen die serbische Bevölkerung in Kroatien im Jahr 1995 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hat.

Gotovina, der zu den meistgesuchten Kriegsverbrechern des Jugoslawien-Krieges zählte, war im Dezember 2005 auf Teneriffa festgenommen und nach Den Haag überstellt worden. Der Prozess vor dem UN-Tribunal hatte im März 2008 begonnen. 

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Ebenfalls angeklagt waren zwei weitere kroatische Militärs, die sich wie Gotovina ebenfalls für unschuldig erklärt hatten. Ex-General Ivan Cermak, gegen den die Staatsanwaltschaft 23 Jahre Haft gefordert hatte, wurde nun auch tatsächlich freigesprochen. Offenbar haben die Richter das Beweismaterial als nicht ausreichend betrachtet. Der gleichfalls angeklagte Ex-General Mladen Markac wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Die drei Angeklagten wurden für Hunderte Morde, Plünderungen, Misshandlungen, Verfolgungen und für die Vertreibung von Serben aus der Region Krajina verantwortlich gemacht. Sie hatten im August 1995 die "Operation Sturm" zur Rückeroberung der von kroatischen Serben proklamierten Republik geleitet. Nach Darstellung von Staatsanwalt Alan Tieger wurden im Zuge dessen mehr als 300 Serben umgebracht und mehr als 90.000 mit brutaler Gewalt vertrieben. Hilfsorganisationen sprechen von mehr als 150.000 vertriebenen Serben, mehr als 600 ermordeten Zivilisten sowie mehr als 22.000 zerstörten Häusern.

Gotovinas Anwalt Gregory Kehoe wies diese Anschuldigungen zurück. Vielmehr habe sein Mandant seinerzeit Gräueltaten des berüchtigten und immer noch flüchtigen serbischen Generals Ratko Mladic zunichte gemacht. Dieser wollte die Krajina mit bosnisch-serbischen Gebieten zusammenführen. "Wenn einer für den Frieden verantwortlich ist, dann ist es General Gotovina", sagte Kehoe während des Prozesses. Er habe im Kroatien-Krieg "das Gemetzel der Serben" beendet.

Auch in seinem Heimatland genießen die früheren Generäle hohes Ansehen; Gotovina wird als Nationalheld verehrt. Die Rückeroberung der Krajina, die 1991 von den Serben als Teil eines eigenen Staates innerhalb Kroatiens errichtet worden war, gilt vielen Kroaten als nationaler Befreiungsakt, bei dem ihrer Meinung nach alle Mittel gerechtfertigt gewesen waren.

Vor dem Urteilsspruch kam es zu vielen Solidaritätsbekundungen für die Angeklagten. Kroatiens konservative Regierungschefin Jadranka Kosor forderte, dass Gotovina, Cermak und Markac freigesprochen werden. Sie seien Kommandeure in einem "gerechten Befreiungskrieg" gewesen. Die katholischen Bischöfe des Landes appellierten an die Gläubigen, für Freisprüche zu beten. Dem Aufruf von Veteranenverbänden zu einer Demonstration im Zentrum von Zagreb waren rund Tausend Menschen gefolgt.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
    • Schlagworte Hilfsorganisation | Jadranka Kosor | Kriegsverbrechen | Kroatien | Misshandlung | Richter
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