Die liberale Regierungschefin Mari Kiviniemi wird durch den Konservativen Jyrki Katainen abgelöst. Seine Partei kam auf 20,4 Prozent und überholte damit das Zentrum der 42-Jährigen als bisher stärkster Kraft. Die bäuerlich-liberale Partei der Regierungschefin erhielt nur 15,8 Prozent. Im Vergleich zur letzten Parlamentswahl verlor sie 7,3 Prozentpunkte und war damit Verlierer der Wahl. Die Partei verlor 16 Mandate.

"Wir haben Geschichte geschrieben!", rief Nationalpartei-Chef Katainen seinen Anhängern zu. Er dürfte der nächste Ministerpräsident des Landes werden. Seine Partei hatte im Parlament bislang nie die größte Fraktion gestellt.

Als wahren Sieger des Abends feierten sich aber die Wahren Finnen mit ihrem Parteichef Timo Soini. Sie wurden drittstärkste Kraft und konnten 34 Parlamentssitze hinzugewinnen. Die rechtspopulistische Partei lag mit 19,0 Prozent kurz hinter den Sozialdemokraten, die 19,1 Prozent erreichten. Bei der Wahl vor vier Jahren hatten die Wahren Finnen nur 4,1 Prozent erhalten und waren bislang die kleinste im Parlament vertretene Partei. "Manchmal zahlt es sich aus, an seinen Überzeugungen festzuhalten, auch wenn man auf Widerstände stößt und verspottet wird", sagte Parteichef Soini. Die Rechtspopulisten führten einen europakritischen Wahlkampf und machten auch die Einwanderung und den finnischen Wohlfahrtsstaat zum Thema.

Die Chefin der Zentrumspartei, Kiviniemi, zeigte sich enttäuscht vom Wahlausgang: "Natürlich ist das eine Enttäuschung. Aber die Bürger haben uns gesagt, was sie wollen, und darauf müssen wir hören", sagte sie dem Fernsehsender YLE. "Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Mit diesen Ergebnissen werden wir uns in der Opposition wiederfinden." Die Zentrumspartei und die pro-europäische Nationalpartei bildeten bisher gemeinsam mit den Grünen und der liberalen Schwedischen Volkspartei, der Vertretung der Finnlandschweden, die Regierungskoalition in Helsinki.

In dem 5,4 Millionen Einwohner zählenden Finnland gibt es eine Tradition von Regierungskoalitionen mit mehreren Parteien. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Wahren Finnen der Regierung angehören. Im Mai werde die Regierung stehen, kündigte Soini an. Aber die Verhandlungen würden nicht einfach. 

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben der Wahlkommission bei 70,4 Prozent und damit sehr hoch. Offensichtlich trieb die Polemik um den sich abzeichnenden Aufstieg der Wahren Finnen viele Wähler zu den Wahlurnen. Rund 4,4 Millionen Bürger waren aufgerufen, über die insgesamt 200 Sitze des Parlaments zu entscheiden, das aus nur einer Kammer besteht. Bei den Wahlen 2007 hatte die Beteiligung bei knapp 68 Prozent gelegen.