In einer Reaktorwand des havarierten Atomkraftwerks Fukushima hat sich ein 20 Zentimeter langer Riss gebildet, aus dem kontaminiertes Wasser ins Meer fließt. Laut AKW-Betreiber Tepco wurde eine Strahlung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde gemessen. Japans Atomsicherheitsbehörde bestätigte die Angaben. An drei Messpunkten etwa 15 Kilometer vor der Küste solle nun die Strahlenbelastung im Meerwasser neu gemessen werden, hieß es.

Nach Angaben Tepcos befindet sich der Riss in der Wand einer zwei Meter tiefen Grube für Stromkabel unter Block 2. Darin stand das Wasser demnach 10 bis 20 Zentimeter hoch. Der japanische Energiekonzern wolle das Leck mit Beton dichten. Man müsse nun genauer untersuchen, warum sich in dem Schacht überhaupt Wasser angesammelt habe, sagte ein Vertreter. Es werde zudem geprüft, ob es weitere undichte Stellen an einem der vier Unglücksreaktoren von Fukushima-1 gibt.

Die Arbeiten zur Beseitigung des kontaminierten Wassers in der Anlage wurden derweil fortgesetzt. Dazu wird das unter Turbinengebäuden angesammelte Wasser in einen Tank geleitet, meldete die Nachrichtenagentur Jiji Press. Das radioaktiv belastete Wasser behindert die Versuche, das Kühlsystem des AKW in Gang zu bringen.

An diesem Sonntag sollen zudem Tests zum Besprühen der Anlage mit Harz zur Eindämmung der Strahlen fortgesetzt werden. Das Ergebnis eines ersten Versuchs wird derzeit geprüft. Demnach sollen in zwei Wochen 60.000 Liter Kunstharz versprüht werden, wie Jiji Press weiter meldete. 

Rund 40 Kilometer von Fukushima entfernt ist die Belastung mit radioaktivem Jod im Meer doppelt so hoch wie der zulässige Grenzwert. Entsprechende Messwerte veröffentlichte das japanische Wissenschaftsministerium am Samstag, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Dafür waren Wasserproben zehn Kilometer vor der Küste nahe der Stadt Iwaki genommen worden.

Es war das erste Mal, dass Radioaktivität über den gesetzlich zugelassenen Werten so weit vor der Küste der Präfektur gemessen wurde, wie NHK weiter meldete. Vermutlich habe eine Nord-Süd-Strömung das radioaktive Jod-131 mitgespült. Laut dem Fernsehsender teilte die japanische Atomaufsichtsbehörde mit, dass das Jod im Meerwasser verdünnt werde und die Gesundheit der Menschen nicht bedrohe. Die erhöhten Werte seien Mitte der Woche gemessen worden.

Unterdessen hat Regierungschef Naoto Kan erstmals das Katastrophengebiet um Fukushima besucht. Drei Wochen nach dem verheerenden Beben und dem Tsunami sagte er den Opfern seine volle Unterstützung zu. "Es ist ein etwas langer Kampf, aber die Regierung wird Ihnen bis zum Ende beistehen und ihr Bestes tun, bleiben auch Sie bitte zäh", sagte Kan zu einer Gruppe von Feuerwehrmännern in der vom Erdbeben und dem Tsunami schwer verwüsteten Stadt Rikuzentakata in der Präfektur Iwate.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen. © Julika Altmann

Regierungssprecher Yukio Edano sagte über die eintägige Reise, es sei sehr wichtig für den Regierungschef, sich selbst im Krisengebiet persönlich ein Bild zu machen und mit den Betroffenen zu sprechen.

Unterdessen setzten Tausende von japanischen und US-amerikanischen Soldaten sowie andere Rettungskräfte ihre intensive Suche nach Vermissten im Gebiet der schwer zerstörten Stadt Ishinomaki in der Provinz Miyagi fort. Sie konzentrierten sich am zweiten Tag der auf drei Tage angelegten Suchaktion auf das Gebiet um eine Grundschule, wo viele Schüler von dem Tsunami erfasst worden waren. Taucher suchten auch einen Fluss in der Umgebung ab. Am Tag zuvor hatten die Einsatzkräfte 32 Leichen in den Trümmern entdeckt.

Insgesamt waren durch das Beben und die an einigen Orten 20 Meter hohe Flutwelle 11.800 Menschen ums Leben gekommen. Kyodo meldete unter Berufung auf die Polizei zudem noch mehr als 15.500 Vermisste.