Im Gaza-Streifen haben islamistische Gegner der regierenden Hamas eine italienische Geisel getötet. Der 36-jährige Journalist und Friedensaktivist Vittorio Arrigioni sei in der Nacht zum Freitag in einem Haus in Gaza aufgehängt gefunden worden, teilte die Regierung der radikalislamischen Hamas mit. Zwei seiner mutmaßlichen Entführer, die einer bisher unbekannten Gruppe von Salafisten angehören, wurden festgenommen.

Arrigioni, der sich seit drei Jahren für die pro-palästinensische Internationale Solidaritätsbewegung (ISM) im Gaza-Streifen engagierte, war am Donnerstag von einer bislang unbekannten Gruppe von Salafisten verschleppt worden. In einem auf dem Internetportal YouTube veröffentlichten Video drohten die Geiselnehmer mit der Ermordung des Italieners, sollte Hamas nicht bis Freitag 16 Uhr ihre Forderung nach der Freilassung mehrerer inhaftierter Salafisten erfüllen.

Allerdings töteten die Geiselnehmer Arrigioni noch vor Ablauf der Frist. Den Angaben der Sicherheitskräfte zufolge wurde der Italiener in einem verlassenen Haus im Norden von Gaza erhängt. Den Sicherheitskräften gelang es, einen der Geiselnehmer zu fassen. Dieser identifizierte die anderen Mitglieder der Gruppe und führte die Polizei an den Ort der Leiche. Es war die erste Entführung eines Ausländers im Gaza-Streifen seit der Machtübernahme durch Hamas 2007.

Ein Sprecher der Hamas-Regierung verurteilte die "abscheuliche" Tat. "Das Ziel dieser verdorbenen Bande Gesetzloser war, Chaos und Anarchie im Gaza-Streifen zu verbreiten." Die restlichen Mitglieder der Gruppe würden aufgespürt und zur Verantwortung gezogen, sagte er. Die palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland verurteilte ebenfalls die Entführung. "Diese Tat hilft der Sache des palästinensischen Volkes nicht – im Gegenteil, sie schadet ihr", hieß es in einer Erklärung aus Ramallah.

Das italienische Außenministerium erklärte, es verurteile den "barbarischen Mord". Es erinnerte daran, dass sich das Opfer seit langem im Nahen Osten aufhielt, um über die Lage der Palästinenser im Gaza-Streifen zu berichten. Die ISM beklagte die Tat "gegen den Willen des palästinensischen Volkes", wollte zunächst aber seine Mitarbeiter nicht aus dem Gebiet abziehen.

Die Salafisten vertreten eine noch radikalere Form des Islam als Hamas und gewinnen offenbar immer mehr Anhänger. Sie werfen der Hamas vor, dem islamischen Recht nicht genug Geltung zu verschaffen. Wiederholt haben sie Internetcafés angegriffen und fordern die Vertreibung aller Christen aus dem Gaza-Streifen. Mit Hamas teilen die Salafisten die Feindschaft zu Israel. Sie kritisieren jedoch, dass Hamas mehrmals mit Israel Feuerpausen vereinbart hat. Im Gaza-Streifen gibt es fünf größere Salafistengruppen.

Die Entführung Arrigonis war die erste eines Ausländers im Gaza-Streifen seit der Machtübernahme der Hamas vor knapp vier Jahren. Im März 2007 war der BBC-Reporter Alan Johnston in dem Palästinensergebiet ebenfalls von Salafisten verschleppt worden und erst nach 114 Tagen wieder freigekommen.