Reaktionen auf Gbagbos Festnahme"Ein Kapitel, das es nie hätte geben dürfen"

Die Festnahme Laurent Gbagbos in der Elfenbeinküste hat international für Erleichterung gesorgt. Außenminister Westerwelle warnte Gbagbos Nachfolger Outtara vor Racheakten. von dpa und AFP

Die Reaktionen auf die Festnahme des ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo nach wochenlangen Kämpfen waren schnell und positiv: Die USA sicherten dem Nachfolger Gbagbos, Alassane Ouattara Unterstützung zu. "Wir freuen uns darauf, mit Präsident Ouattara zu arbeiten, während er seine Pläne für Aussöhnung, wirtschaftliche Entwicklung und Erholung umsetzt", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. Sie bezeichnete die Vorhaben des international anerkannten gewählten Präsidenten als "harte Arbeit".

Clinton fügte hinzu, Gbagbos Festnahme sende ein "starkes Signal an Diktatoren und Tyrannen in der gesamten Region und in aller Welt". Diese dürften den in freien und fairen Wahlen geäußerten Willen ihres Volkes nicht missachten; "und es gibt Konsequenzen für alle, die sich an die Macht klammern".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich ebenfalls erfreut über die Festnahme. "Dies ist das Ende eines Kapitals, das es nie hätte geben dürfen." Der Elfenbeinküste müsse nun geholfen werden, Stabilität und Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen.

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Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte die Festnahme Gbagbos. "Das lässt uns hoffen, dass der Bürgerkrieg jetzt ein schnelles Ende findet", sagte Westerwelle. Das Land habe jetzt eine echte Chance für einen friedlichen und demokratischen Neuanfang. Deutschland sei dabei zur Unterstützung bereit. Westerwelle appellierte an Ouattara, Gewalt- und Racheakte zu unterbinden. Er stehe vor "gewaltigen Herausforderungen".

Der britische Außenminister William Hague forderte einen fairen Prozess für Gbagbo. Der habe zwar "gegen demokratische Prinzipien" verstoßen, müsse aber mit Respekt behandelt werden, sagte Hague. Großbritannien hoffe, dass die Ivorer nun einen demokratischen und friedlichen Weg in die Zukunft fänden.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte, der entmachtete Präsident dürfe sich nicht durch Exil einer Strafverfolgung entziehen. Der 65-Jährige habe sich stattdessen vor einem nationalen oder internationalen Gericht wegen Menschenrechtsverletzungen zu verantworten, sagte HRW-Afrika-Experte Daniel Bekele. Gbagbo müsse von den Behörden Ouattaras "wie jeder andere" Häftling behandelt werden.

Ouattara war im November vergangenen Jahres als Sieger aus der Stichwahl um die Präsidentschaft hervorgegangen. Gbagbo hatte sich aber geweigert, seinen Platz zu räumen.

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Leserkommentare
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    • 11. April 2011 21:05 Uhr

    Billary sagt :

    "Clinton fügte hinzu, Gbagbos Festnahme sende ein "starkes Signal an Diktatoren und Tyrannen in der gesamten Region und in aller Welt". Diese dürften den in freien und fairen Wahlen geäußerten Willen ihres Volkes nicht missachten; "und es gibt Konsequenzen für alle, die sich an die Macht klammern"

    Ach ja , und wieso wird der saudische Einmarsch in Bahrain von den Medien totgeschwiegen , wo gerade ein Massenabschlachten der Zivilbevölkerung stattfindet:

    http://www.indymedia-letz...

    Saudi-backed Bahraini forces have reportedly destroyed 5 mosques in Hamad Town and Mahooz village in the east and northeast of the country as the regime continues its brutal crackdown on protesters.
    Ali Isa Saqer, a 31-year-old, who died in police custody on Sautrday after alleged physical abuse by Bahraini security forces
    Picture shows funeral prayers being held for Ali Isa Saqer
    The mosques were razed on Sunday, a day after the Al Khalifa regime admitted that two protesters had died in its custody. Bahraini troops had earlier destroyed Watiyah Mosque in Mahooz.
    Destruction of the religious sites has become a new scare tactic sanctioned by Manama in its attempts to suppress the popular protests, which began on February 14th.

    The security forces have also shot and killed a protester in Bilad al-Qadeem -- a Manama suburb town.

    A recently-surfaced video showed forces firing tear gas canisters at peoples' homes.

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    Einem "uff" der Erleichterung folgt sofort die Mahnung, es ist nicht überall vorbei.

    Aber Sie erinnern sich, auch in Côte d'Ivoire ist lange abgewartet worden. Der UNO wurde vorgeworfen, sie sei ob des eklatanten Unrechts nur deshalb untätig, weil das Land zu weit weg und nicht so wichtig sei wie Libyen. Langsam schält sie sich aus ihrer Papiertigerhülle, eine Warnung an alle Despoten.

  1. 'Das Land habe jetzt eine echte Chance für einen friedlichen und demokratischen Neuanfang.'

    Das klingt nicht nur ueberheblich, sondern ist es auch. Westerwelle scheint zu wissen wie man ins diplomatische Fettnaepfchen tritt, schliesslich scheint er keins auszulassen. Angesichts eines bereits demokratisch gewaehlten Praesidenten braucht die Elfenbeinkueste genausowenig 'eine echte Chance fuer einen...demokratischen Neuanfang' wie die Bundesrepublik Deutschland diesen braeuchte.

    Westerwelles Aussenpolitik ist Gift fuer das Verhaeltnis Deutschlands zu seinen Partnern. Er hat einmal mehr bewiesen dass er eine voellige Fehlbesetzung fuer sein Amt ist.

    • HH7
    • 12. April 2011 5:16 Uhr

    Die Menschen an der Elfenbeinküste können froh über das couragierte Eingreifen der Franzosen sein.

    Westerwelle hingegen ist nur - wie Libyen zeigt - nur für Worthülsen zuständig.

    Die Bevölkerung wäre unter seiner Regide auch in Zukunft den brutalen Truppen Gbagbos ausgeliefert.

  2. Einem "uff" der Erleichterung folgt sofort die Mahnung, es ist nicht überall vorbei.

    Aber Sie erinnern sich, auch in Côte d'Ivoire ist lange abgewartet worden. Der UNO wurde vorgeworfen, sie sei ob des eklatanten Unrechts nur deshalb untätig, weil das Land zu weit weg und nicht so wichtig sei wie Libyen. Langsam schält sie sich aus ihrer Papiertigerhülle, eine Warnung an alle Despoten.

  3. Nun gilt die volle Aufmerksamkeit in Paris wieder der Lage in Libyen, wo es ebenfalls noch einen Führerbunker mit einem blutrünstigem Diktator zu knacken gibt.

    Der entschlossene Alleingang Frankreichs hat aus einer nahezu gescheiterten UN-Mission innerhalb kürzester Frist einen unverhofft großen Erfolg gemacht, was durchaus auch als offene Warnung an andere massenmörderische Despoten zu verstehen ist.

    Frankreich hat aus seinen einstigen schuldhaften Verstrickungen und Unterlassungen in Ruanda für sich offenkundig die richtigen Lehren gezogen, und handelt neuerdings entschlossen, chouragiert und vorbildlich, damit sich solch eine Tragödie nie mehr irgendwo wiederholen kann.

    Bis zum entschlossenen Eingreifen Frankreichs galt die Elfenbeinküste bereits als ausgemachter neuer gescheiterter Staat mit einem in der Perspektive endlosen Bürgerkriegsgemetzel zwischen den Truppen Gbagbos, Outtaras und aufkommenden Warlords, und einer wirkungs- und nutzlos gewordenen UN-Mission.

    Das erfolgreiche resolute HANDELN Frankreichs beweist auch uns Deutschen, dass wir uns mit dem verantwortungslosen, unsolidarischen und wertevergessenen Herumeiern unseres Außenministers Guido Westerwelle auf einem völligen Holzweg befinden, der uns letztlich nur in eine fatale Isolation führt.

    Paris macht es richtig.

    Berlin macht es falsch.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Guido Westerwelle | Hillary Clinton | Laurent Gbagbo | FDP | Außenminister | Bürgerkrieg
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