Ein Händler in Gaza-Stadt freut sich über die inner-palästinensischen Gespräche: Auf dem Poster links Ismail Haniya (Hamas) und rechts Mahmud Abbas (Fatah) © MOHAMMED ABED/AFP/Getty Images

Warum droht Israel mit Fehde und Streit, wenn die Palästinenser sich versöhnen? Soeben hat die säkulare Fatah mit Hauptquartier in Ramallah sich mit der islamistischen Hamas in Gaza verständigt, Gefangene auszutauschen und wieder mit einander zu reden, auch über eine gemeinsame Regierung ihrer geteilten Heimat.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu fordert die Palästinensische Autonomiebehörde nun ultimativ auf, sich zu entscheiden: "Entweder Frieden mit Israel oder mit der Hamas!" Außenminister Avigdor Lieberman droht gar mit einem "riesigen Arsenal von Mitteln", mit dem Israel gegen die Autonomiebehörde vorgehen könne. Klingt hässlich, doch das zeichnet Politik in Nahost meist aus. Ist es wenigstens gute hässliche Politik, nützt sie Israel?

Netanjahu fürchtet, dass sich die Palästinenser bei einer Einigung zwischen Fatah und Hamas radikalisieren würden. Dass ihre Forderungen an Israel unerfüllbar und ihre Bereitschaft zur Gewalt steigen würden. Der Beweis für diese Annahme steht jedoch aus. Als die Palästinenser nach der letzten Wahl 2006 eine Einheitsregierung bildeten, flogen wesentlich weniger Katjuscha-Raketen auf Israel als in der Phase nach dem Putsch von Hamas gegen Fatah in Gaza 2007. Gegen die Koalitionsregierung musste Israel keinen Krieg führen, wohl aber gegen die in Gaza regierende Hamas 2009. Hamas allein im Haus scheint ein größeres Problem zu sein als in einer Wohngemeinschaft mit der Fatah.

Blicken wir auf die Chancen. Es kommt nicht aus heiterem Himmel, dass arabische Regierungen von Ägypten über Qatar und Saudi-Arabien, auch die Türken, seit Jahren versuchen, die Palästinenser auszusöhnen. Sie wissen genau, dass Hamas immer dann besonders radikal agierte, wenn die Partei neben Israel auch noch gegen die Fatah kämpfte. Jede kleinste Vereinbarung zwischen Israel und der Autonomiebehörde wurde sofort aus Gaza torpediert. Nur eine Koalition der beiden führenden Palästinensergruppen hätte ausreichend Legitimität, mit Israel Frieden zu schließen.

Deshalb bemühten sich Araber und Türken so sehr um die Einheitsregierung. Den revolutionären Ägyptern gebührt das Verdienst, die Palästinenser nun auf den Weg dahin gebracht zu haben. Es ist ein steiniger Pfad, Fatah und Hamas können jederzeit steckenbleiben. Aber wenn die gemeinsame Regierung gelingt, hätte auch ein israelischer Premier Grund zur vorsichtigen Freude.

Denn für Israel liegt darin eine neue Möglichkeit zum Ausgleich. Seine Regierung müsste natürlich nicht mit Hamas-Leuten an einem Tisch sitzen. Verhandlungen könnten von Fatah-Politikern geführt werden, die dann am palästinensischen Kabinettstisch versuchen, die Hamas von den Bedingungen zu überzeugen. Eine solche Einigung hätte die Rückendeckung der meisten Palästinenser. Schwierige Sache, zugegeben. Doch hat sie den Charme, noch nicht ausprobiert zu sein.

Was hinreichend getestet wurde, ist der Versuch, mit Mahmud Abbas und seiner Fatah einen Separatfrieden auszuhandeln. Seit seinem Amtsantritt Anfang 2009 hat US-Präsident Obama viel versucht, Israelis und Fatah zu einem Abkommen zu bewegen. Gutes Zureden und Wutausbrüche, Shuttle diplomacy und Handschlaggipfel in Washington, Druck auf Israel und die Palästinenser – alles wurde ausprobiert.

Wie die Palestine Papers uns lehren, hätten die Fatah-Unterhändler in einem Vertrag auf weite Teile von Jerusalem und seiner östlichen (!) Vororte verzichten wollen, sie hätten Siedlungen und Militärpräsenz der Israelis akzeptiert, um nur endlich den eigenen Staat zu bekommen. Diese Verhandlungen scheiterten, weil die Israelis ablehnten. Nun muss Benjamin Netanjahu damit leben, dass die Palästinenser sich neu organisieren, um neu verhandeln zu können.