US-Finanzen Tausende protestieren gegen Haushaltspolitik
Der Kongress hat einen Etatplan verabschiedet, der Einschnitte für die Armen vorsieht. Präsident Obama kritisierte den Vorstoß. Tea-Party-Anhänger unterstützen den Plan.
© Allen Fredrickson/Reuters

Geschätzt 6.500 Anhänger der Tea-Party-Bewegung protestierten gegen die US-Haushaltspolitik in Wisconsin
Die Etatschlacht geht in die nächste Runde. Der amerikanische Präsident Barack Obama wandte sich am Samstag entschieden gegen einen drastischen Sparplan der Republikaner, der tiefe Einschnitte bei den staatlichen Gesundheitsprogrammen für die Armen und Älteren vorsieht. Das von den Konservativen beherrschte US-Abgeordnetenhaus hatte das Konzept am Freitag gebilligt, nur einen Tag, nachdem der Kongress endlich den Haushalt 2011 verabschiedet hatte.
Kein einziger Demokrat hatte den Plan der Republikaner unterstützt. Es gilt als sicher, dass der Senat, in dem die Demokraten die Mehrheit innehaben, dem Vorstoß nicht zustimmen wird.
Der republikanische Rahmenplan sieht für 2012 einen Haushalt von 3,5 Billionen Dollar (2,4 Billionen Euro) und in den nächsten zehn Jahren Ausgabenkürzungen von insgesamt 5,8 Billionen Dollar (4 Billionen Euro) vor. Obama selbst will in den kommenden zwölf Jahren rund vier Billionen Dollar (2,77 Billionen Euro) einsparen, ein großer Teil davon im Verteidigungs- und im Gesundheitshaushalt. Auch will er die Steuererleichterungen für Reiche abschaffen. Die Republikaner lehnen dies ab.
Stattdessen planen die Konservativen, das staatliche Gesundheitsprogramm Medicare für die Älteren abzuschaffen. Senioren sollen sich demnach künftig privat versichern, der Bund soll lediglich Zuschüsse zahlen.
Medicaid, das staatliche Programm für die Armen, soll nach dem Willen der Konservativen in den nächsten zehn Jahren um rund 770 Milliarden Dollar gekappt werden. Obama und seine Demokraten lehnen eine Privatisierung von Medicare und generell jegliche Leistungskürzungen zu Lasten der Älteren und Bedürftigen ab.
Das Haushaltsloch liegt in diesem Jahr bei 1,6 Billionen Dollar, die Staatsverschuldung bei insgesamt 14,3 Billionen. Es gehe kein Weg am Sparen vorbei, pflichtete Obama am Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache den Republikanern bei. Aber diese hätten bei ihren Plänen "die falsche Vision für Amerika". Es könne nicht angehen, dass die Bedürftigen bluten müssten, damit den Reichsten im Land keine Opfer abverlangt werden müssten.
Zuspruch erhielten die Republikaner wiederum von der ihnen nahestehenden, ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung. Tausende Anhänger nahmen am Samstag an Dutzenden Protestveranstaltungen teil. Tea-Party-Ikone Sarah Palin sprach auf einer Veranstaltung in Wisconsin. "Herr Präsident, das Spiel beginnt", rief Palin ihren jubelnden Zuhörern zu.
"Ihr habt uns 2010 ignoriert, aber ihr könnt uns 2012 nicht ignorieren", sagte sie in Anspielung auf die Kongresswahlen Ende des vergangenen Jahres, bei denen die Republikaner die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus erobert hatten, und auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr, bei der die Haushaltspolitik eine große Rolle spielen dürfte.
Neben Palin brachte sich bei einer Veranstaltung im Bundesstaat Florida auch der Immobilienmogul Donald Trump in Stellung. Er ist ein weiterer Hoffnungsträger der Republikaner für die Wahl im kommenden Jahr. Obama sei ein "Desaster", weil er die Staatsausgaben nicht in den Griff bekomme, rief er den Tea-Party-Anhängern zu. Er kündigte an, sich im Juni zu einer Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur äußern zu wollen.
Im Bundesstaat Massachusetts machte der Ex-Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, seinem Ärger Luft. "Wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen, und wir dürfen dies auch der Regierung nicht erlauben", sagte er. Pawlenty wird ebenfalls als republikanischer Präsidentschaftsbewerber gehandelt.
- Datum 17.04.2011 - 13:18 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








USA, das große Vorbild. Oder das "gute" Beispiel für die Zukunft. Gut in Bezug auf das Beispiel, nämlich im Sinne als passend.
Es ist das selbe Spiel wie andernorts, da hat Palin Recht. Es ist das Spiel, wie jene, die Macht und Mittel besitzen, diese einsetzen, um es gegen zu verteidigen oder zu mehren. Das immense Haushaltsdefizit, die hohe Staatsverschuldung geht zwar auf falsche Ideen der selben Personenkreise zurück, die auch am meisten davon profitierten in der Vergangenheit, also ihr Vermögen durch die Verschuldung des Landes erreichten, aber in den USA gibt es eine Geisteshaltung, die dies mehrheitlich ignoriert. Hier trifft der beliebte Nebenkampf des Gegeneinander-Ausspielens auf seltsame Vorstellungen, dass der, der es nicht schafft, stets selbst schuld daran ist, weil es ja Einzelbeispiele von anderen Fällen gibt.
So ist es ein stets leichtes Spiel, selbst für die unglaublich ignorante, rückwärtsgewandte Tea-Party, denn viele fürchten eher um den Verlust eigener Reste, als dass sie die Schuldigen bestrafen. Und in den USA funktioniert es auch in der Führung bestens, da nirgendwo sonst politische Kandidaten und Wahlergebnisse so abhängig von reichen Unterstützern sind.
Die USA lebt vor, wohin das führt. Krieg im Außen, um Pfründe für das Land zu sichern, Krieg im Innern gegen alle, die vermeintlich zu wenig bringen. Eine elitäre Selektion in Richtung lauter kleiner und großer Despoten, die Volk nur als menschliche Ware ansieht. Die USA waren für vieles Vorbild...
Das nächste Mal sollte ich es doch wieder durchlesen, bevor ich einen Kommentar abschicke. Entschuldigung für die vielen Fehler...
dass seit Monaten in den USA Bürgerproteste und Demonstrationen mit bis zu 180000 Beteiligten laufen, hat man hier in Europa, deutschen Medien und besonders in der ZEIT tunlichst verschwiegen - kein Thema , Ignoranz, Programm ??
Wer mehr wissen will schaut zB. hier
oder hier: ein Interview mit Noam Chomsky zum Thema
Da wäre ein Affe aus dem Zoo viel günstiger und bei weitem auch effektiver (da er weniger kostet) ^^
Liebe Zeit-Redaktion, auch wenn mein Kommentar nicht so recht zur sachlichen Diskussion beiträgt, so genau ist mein bildlicher Vorschlag aber doch.
[Im Bundesstaat Massachusetts machte der Ex-Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, seinem Ärger Luft. "Wir können nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen, und wir dürfen dies auch der Regierung nicht erlauben", sagte er. Pawlenty wird ebenfalls als republikanischer Präsidentschaftsbewerber gehandelt.]
Wo war eigentlich dieser, als die Konservativen (G. W. Bush) an der Macht waren? War doch gerade Bush, der den Haushaltsdefizit in die Höhe getrieben hat.
Aber dieses Detail wollen die Konservativen nicht hören. Es sind immer die anderen schuld.
Hier würde ich nach einer alten Westernmanier handeln. Diese Typen sollten geteert und gefedert.
Bitte drücken Sie sich in Zukunft sachlicher aus. Danke. Die Redaktion/se
Nun könnte es wieder soweit sein, der Plebs, i.d.R. die Schwarzen und die ewig Benachteiligten geht auf die Straße, sie haben ja nichts zu verlieren. Der Stern USA dunkelt immer schneller. Könnte uns ja egal sein, ist aber immer noch unsere Schutzmacht. Wer füllt das Vakuum?
Vermutlich greift die USA zum bewährten Mittel der großzügigen Abwertung, internationaler Proteste ungeachtet.
Ein probates Mittel, den Export (Arbeitsplätze!) anzukurbeln und nebenbei die immensen Auslandsschulden abzubauen. Die Chinesen können ja meckern, die sind eh nicht beliebt.
So auf den ersten Blick fallen mir da Gentechnikprodukte, Software, Landwirtschaft und vor allem Waffen ein.
Es gibt sicher noch mehr exportfähiges, aber wenn nach alter zählweise jenseits der wie bei uns extrem geschönten Zahlen bereits rund 26% (über ein Viertel) der Bevölkerung arbeitslos sind (und wohl auch bleiben), sich über 40 Mio mit Foodstamps ernähren müssen und die Kassen allerorten leer sind, weil die Steuereinnahmen insgesamt zu niedrig sind (vor allem bei den reichsten Clans), dann ist die Irrationalität der Teaparty-Gänger, die sich auch noch von den reichsten Erzkonservativen der USA anfeuern und finanzieren lassen, könnte das alles in einem großen Knall enden.
Bei dem ersten Teil Ihres Kommentars bin ich bei Ihnen.
So auf den ersten Blick fallen mir da Gentechnikprodukte, Software, Landwirtschaft und vor allem Waffen ein.
Es gibt sicher noch mehr exportfähiges, aber wenn nach alter zählweise jenseits der wie bei uns extrem geschönten Zahlen bereits rund 26% (über ein Viertel) der Bevölkerung arbeitslos sind (und wohl auch bleiben), sich über 40 Mio mit Foodstamps ernähren müssen und die Kassen allerorten leer sind, weil die Steuereinnahmen insgesamt zu niedrig sind (vor allem bei den reichsten Clans), dann ist die Irrationalität der Teaparty-Gänger, die sich auch noch von den reichsten Erzkonservativen der USA anfeuern und finanzieren lassen, könnte das alles in einem großen Knall enden.
Bei dem ersten Teil Ihres Kommentars bin ich bei Ihnen.
leider wird in diesem Artikel zu wenig - das Wort 'endlich' im ersten Absatz gab einen Hinweis - darauf hingewiesen, dass die Demokraten als sie noch die Mehrheit im Haus und Senat hatten BEWUSST den Haushalt fuer 2011 nicht verabschiedet haben um die an sich schon deutliche Wahlniederlage in November 2010 nicht noch deutlicher zum Ausdruck kommen zu lassen.
Wenn die Waehler nicht mehr zeitgemaess aud die Regierungspartei reagieren koennen sind alle Demonstrationen hinterher wohl doch nur eine 'politische Aeusserung' ohne Wert
das wären wieder unsere atomkraftgegener oder S21 bewegte...
So auf den ersten Blick fallen mir da Gentechnikprodukte, Software, Landwirtschaft und vor allem Waffen ein.
Es gibt sicher noch mehr exportfähiges, aber wenn nach alter zählweise jenseits der wie bei uns extrem geschönten Zahlen bereits rund 26% (über ein Viertel) der Bevölkerung arbeitslos sind (und wohl auch bleiben), sich über 40 Mio mit Foodstamps ernähren müssen und die Kassen allerorten leer sind, weil die Steuereinnahmen insgesamt zu niedrig sind (vor allem bei den reichsten Clans), dann ist die Irrationalität der Teaparty-Gänger, die sich auch noch von den reichsten Erzkonservativen der USA anfeuern und finanzieren lassen, könnte das alles in einem großen Knall enden.
Bei dem ersten Teil Ihres Kommentars bin ich bei Ihnen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren