Flüchtlingsfrage EU lehnt Hilfe für Italien ab

Italien erhält von seinen Nachbarn keine zusätzliche Hilfe für das Flüchtlingsproblem. Dessen Innenminister bezweifelt nun den Sinn der EU-Mitgliedschaft.

Die Innenminister Italiens und Deutschlands, Roberto Maroni und Hans-Peter Friedrich, am Rande des Ministertreffens in Luxemburg

Die Innenminister Italiens und Deutschlands, Roberto Maroni und Hans-Peter Friedrich, am Rande des Ministertreffens in Luxemburg

Das Luxemburger EU-Innenministertreffen hat für Ernüchterung auf allen Seiten gesorgt. Die EU-Staaten verweigern Italien direkte Hilfe bei der Versorgung Tausender Flüchtlinge aus Nordafrika. Es habe keine Einigung der EU-Innenminister auf eine gemeinsame Unterstützungsaktion gegeben, teilte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström mit.

Die EU-Staaten kündigten an, mit Tunesien darüber verhandeln zu wollen, dass das Land mehr als bisher 60 seiner Staatsbürger am Tag zurücknimmt. Zudem sollen Gespräche über einen Einsatz der EU-Grenzschutzagentur Frontex direkt vor der tunesischen Küste geführt werden, um Flüchtlinge bereits dort an der Überfahrt nach Europa zu hindern.

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Mehr Hilfe kann Italien nicht erwarten, die geforderte solidarische Verteilung der Flüchtlinge bleibt aus. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und seine österreichische Kollegin Maria Fekter sagten, Italien sei mit der Anzahl der Flüchtlinge nicht überfordert; im Gegensatz zum kleinen Malta, das mit der Hilfe von Deutschland und einigen anderen Ländern bei der Aufnahme politischer Flüchtlinge rechnen kann.

Seit dem Sturz des tunesischen Präsidenten Sajn al-Abadin Ben Ali im Januar sind etwa 26.000 nordafrikanische Flüchtlinge nach Italien gekommen, die meisten von ihnen Tunesier. Italiens Regierung beklagt seit Wochen fehlende Unterstützung der EU-Staaten.

Italiens Innenminister Roberto Maroni kritisierte die Haltung der EU-Länder. "Wir haben um Solidarität gebeten, und uns wurde gesagt, helft euch selbst. Ich frage mich, ob es noch Sinn hat, in der Europäischen Union zu sein", sagte er nach den Beratungen. Der Italiener fügte hinzu: "Es ist besser, allein zu sein als in schlechter Gesellschaft."

Größter Zankapfel des Gipfels war Italiens Ankündigung, Tunesier mit befristeten Visa auszustatten, mit denen diese im Schengen-Raum reisen könnten. Dieser Schritt verstoße gegen "den Geist von Schengen", sagte Innenminister Friedrich. Die Visa-Vergabe an die Flüchtlinge geschehe "offensichtlich mit dem Ziel, dass sie Italien verlassen können". Noch sehe er das Schengen-System aber nicht in Gefahr. Friedrich zufolge haben die deutschen Grenzbeamten noch keine vermehrte Einreise von Tunesiern bemerkt.

Betroffen könnte von dem Schritt Italiens eher Frankreich sein. Dessen Innenminister Claude Guéant gab an, dass in seinem Land im vergangenen Monat bereits etwa 2800 Tunesier festgenommen wurden, die aus Italien kamen. Frankreich hat nach der Ankündigung Italiens seine Grenzkontrollen verschärft.

Deutschland will Friedrich zufolge reagieren, wenn sich die Lage ändern sollte. Die Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Monika Lüke, kritisierte diese Ankündigung: "Einfach die Grenzen dicht machen zu wollen, ist ein riesiger Rückschritt und auch keine Lösung."

 
Leser-Kommentare
  1. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie konkret das Artikelthema. Danke. Die Redaktion/er

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    ...außer, man will unauffällig nach Deutschland einreisen.

    Man sollte lieber mal Hüte verbieten, Herrenhüte (die runden) sind wirklich ein Makel und haben auch mit unserer Kultur nichts zu tun. Oder haben Goethe, Schiller oder Bismarck Hüte getragen?

    (Ironie aus)

    • Buh
    • 12.04.2011 um 8:57 Uhr

    der ist für ein allgemeines Vermummungsverbot. Es ist ein weitere Schritt um Totalüberwachung zu ermöglichen. Spätestens wenn der nächste Diktator regiert, wird man sich in den Arsch beißen, dass man solche Instrumente durchgesetzt hat.

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/wg

    ...außer, man will unauffällig nach Deutschland einreisen.

    Man sollte lieber mal Hüte verbieten, Herrenhüte (die runden) sind wirklich ein Makel und haben auch mit unserer Kultur nichts zu tun. Oder haben Goethe, Schiller oder Bismarck Hüte getragen?

    (Ironie aus)

    • Buh
    • 12.04.2011 um 8:57 Uhr

    der ist für ein allgemeines Vermummungsverbot. Es ist ein weitere Schritt um Totalüberwachung zu ermöglichen. Spätestens wenn der nächste Diktator regiert, wird man sich in den Arsch beißen, dass man solche Instrumente durchgesetzt hat.

    Bitte achten Sie auf einen sachlichen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/wg

  2. Der aktuelle Vorgang um besagtes Flüchtlingsproblem zeigt einmal mehr, wie es um den inneren Zusammenhalt der EU wirklich bestellt ist.

    Es ist hohe Zeit zum aufrichtigen Bekenntnis zu den eigenen nationalstaatlichen Interessen und der Einleitung der Auflösung dessen, was Politiker künstlich miteinander verbinden wollten.

    Die Völker Europas sind keine homogene Verwaltungsmasse karrierebedachter EU-Protagonisten!

  3. Da haben Berlusconis "Mannen" endlich etwas zu tun und schon wollen sie es abschieben. Ist halt so in der EU: Wer Probleme hat, schiebe diese in den Norden.
    Zwei Dinge:
    - Herr Maroni, Italien gehört sicherlich zu den Perlen dieser Welt. Aber Sie werden es nicht glauben. In diesen Jahren können wir uns eine Union ohne die Mittelmeerländer sehr gut vorstellen, nur zu, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf.
    Nachteilig wird es sich für uns nicht auswirken denn: entweder wird die Berlusconiregierung endlich abgewählt, oder wir können die "frisch gedruckten" Mrd. für Forschungszwecke ausgeben, da macht eine Verschuldung eher Sinn.

    - Vielleicht kommt dann in Italien eine Regierung, die weniger Augenmerk auf ihr Sexualleben verwendet und tatsächlich Aufgaben anpackt, aber wahrscheinlich eher nicht.

    - da sich anscheinlich vorwiegend junge männliche Tunesier auf Abenteuerfahrt begeben,
    sollte es für Italien kein Problem darstellen, diese zurückzusenden,

    "Es ist besser, allein zu sein als in schlechter Gesellschaft.",
    deshalb wohl die Tunesier auf Nordreise schicken?

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    "...- Herr Maroni, Italien gehört sicherlich zu den Perlen dieser Welt. Aber Sie werden es nicht glauben. In diesen Jahren können wir uns eine Union ohne die Mittelmeerländer sehr gut vorstellen, nur zu, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf...."

    Nur zu. Die Wiege Europas als zivilisatorischer Begriff ist ohnehin der Mittelmeerraum, explizit dessen Süden und Osten inbegriffen. Mal sehen, wie weit die "Barbaren" nördlich der Alpen auf sich allein gestellt - im Osten eingekesselt von den Russen, im Süden von einer echten Mittelmeerunion und somit weitestgehend abgeschnitten von sämtlichen relevanten Handels- und Versorgungswegen - auf Dauer tatsächlich kommen.

    "...- Herr Maroni, Italien gehört sicherlich zu den Perlen dieser Welt. Aber Sie werden es nicht glauben. In diesen Jahren können wir uns eine Union ohne die Mittelmeerländer sehr gut vorstellen, nur zu, lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf...."

    Nur zu. Die Wiege Europas als zivilisatorischer Begriff ist ohnehin der Mittelmeerraum, explizit dessen Süden und Osten inbegriffen. Mal sehen, wie weit die "Barbaren" nördlich der Alpen auf sich allein gestellt - im Osten eingekesselt von den Russen, im Süden von einer echten Mittelmeerunion und somit weitestgehend abgeschnitten von sämtlichen relevanten Handels- und Versorgungswegen - auf Dauer tatsächlich kommen.

  4. Das wäre doch das völlig falsche Signal an die vielen Menschen aus Afrika die auf dem Sprung nach Europa sind.
    Mir schweben eher Zusagen vor wie angemessene medizinische Verorgung, Ernährung, Unterbringung und kostenloser Transfer in die Heimatländer.

    • Ron777
    • 11.04.2011 um 20:11 Uhr

    Wieder ein Paradebeispiel dafür, was diverse Südländer unter der EU verstehen: eine Finanzierungsgemeinschaft ihrer eigenen Interessen und Probleme. Wenn Italien austreten sollte, würde uns das nebenbei viel Geld aus dem Rettungsschirm ersparen, denn das Land dürfte in ca. 2 Jahren ebenfalls am Tropf hängen. Und ganz nebenbei au der heutigen Presse: "Italiens Bauern verkaufen seit Jahren die Milch von 300.000 Kühen, die steinalt oder tot sind – und kassieren dafür EU-Förderungen. Das berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf die italienische Zeitung „Il Fatto Quotidiano“." (...) "In Italien sind die Fahnder dafür besonders oft unterwegs. Etwa in Kalabrien, wo Bauern für 50 Mio. an Fördergeldern Tonnen an nicht existierenden Orangen zu Saft gepresst haben wollen."
    Aber das geht sicher in Ordnung - so unter Freunden...

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    Mir fehlt eine plausible Erklärung für die verbalen Ausfälle italienischer Minister.

    Mir fehlt eine plausible Erklärung für die verbalen Ausfälle italienischer Minister.

  5. ...außer, man will unauffällig nach Deutschland einreisen.

  6. ...kriegen wir die Vespa, Orangen und Espresso dann viel billiger - und müssen keine Subventionen mehr zahlen. In ihre Zitronen können sie dann selber beißen. Sozusagen eine Win-win-win-Situation. Für uns.

    10 Leser-Empfehlungen
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    Auch die werden dann wieder preiswerter. Aber was steckt hinter diesen Erpressungsversuchen ? Es ist doch bekannt, daß die Grünen noch nicht den Bundeskanzler stellen.

    Auch die werden dann wieder preiswerter. Aber was steckt hinter diesen Erpressungsversuchen ? Es ist doch bekannt, daß die Grünen noch nicht den Bundeskanzler stellen.

  7. Mir fehlt eine plausible Erklärung für die verbalen Ausfälle italienischer Minister.

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