Nigeria Eine Wahl mit drei Siegern

Trotz Gewaltausbrüchen hat Nigeria mit Goodluck Jonathan erfolgreich einen Präsidenten gewählt. Dieser muss nun die Nord-Süd-Feindschaft des Landes dämpfen. Ein Gastbeitrag

Kano im Norden Nigerias: Protest gegen den Wahlsieg Goodluck Jonathans

Kano im Norden Nigerias: Protest gegen den Wahlsieg Goodluck Jonathans

Nigerias neuer Präsident ist der Alte: Am Abend des 18. April verkündete die unabhängige Wahlkommission, dass Goodluck Ebele Jonathan im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit der Stimmen erhalten hat. Jonathan, ein Christ aus dem südlichen Niger-Delta, war Mitte 2010 nach dem Tod seines Amtsvorgängers Umaru Musa Yar’Adua vom Amt des Vize in die Präsidentschaft aufgestiegen – unter verfassungsmäßig umstrittenen Umständen und gegen Vorbehalte der Nordelite, die gerne einen der ihren an der Staatsspitze gesehen hätte.

Die Wahlen waren somit durch den ethnisch-religiösen Gegensatz zwischen Norden und Süden aufgeladen, der bereits seit den Kolonialzeiten für Nigerias Charakter bestimmend ist. Insofern ist es doppelt beeindruckend, dass sie zum ersten Mal seit dem Ende der Militärherrschaft im Jahr 1999 frei und fair abgelaufen sind.

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Thomas Mättig

ist Landesvertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Nigeria

Natürlich gab es Probleme: In der Heimatregion des Präsidenten erscheinen Wahlbeteiligung und Ergebnisse aufgebläht. Im Norden wählten Minderjährige, in der Stadt Maiduguri explodierten Bomben. Und noch vor der Verkündung des Wahlergebnisses brachen in Nord-Nigeria Straßenkämpfe aus – Anhänger des oppositionellen Muhammadu Buhari wollten ihre Niederlage nicht anerkennen. Doch Beobachter sind sich einig: Im Vergleich zur Wahlfarce, die das Land im Jahr 2007 erlebt hatte, ist die Verbesserung offensichtlich.

Die Wahl hat also drei Sieger: Erstens den Präsidenten, der mit einer nie dagewesenen Legitimation in seine neue Amtszeit geht. Zweitens die unabhängige Wahlkommission, die die Konsolidierung der nigerianischen Demokratie ein großes Stück vorangebracht hat. Und drittens die nigerianische Bevölkerung, die sich weder vom schwerfälligen Wahlprozess, noch von Bombendrohungen oder einem weitgehend inhaltsleeren Wahlkampf vom Urnengang hat abhalten lassen.

Deren Votum ist übrigens eindeutig: Während der Präsident mit großer Mehrheit gewählt wurde, wurde seine Partei, die People’s Democratic Party (PDP), abgestraft. Zahlreiche prominente Politiker verloren ihre Abgeordnetenmandate. Kein Wunder: Das nigerianische Parlament gilt als eines der teuersten und unproduktivsten der Welt.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Wahl?

Die Demokratie ist gestärkt: Wer in Zukunft in Nigeria ein Amt erringt, wird Wert darauf legen müssen, der Bevölkerung etwas zu bieten, sonst droht die Abwahl. Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Demokratieaktivisten haben entsprechend Selbstbewusstsein gewonnen und werden versuchen, ihre Inhalte in die Politik einzubringen. Allerdings müssen sie auch selbst verstärkt in die politischen Institutionen drängen, um nachhaltig etwas zu verändern – in Nigeria gibt es etwa noch immer keine Partei, die glaubwürdig für Demokratie und Entwicklung steht.

Leser-Kommentare
  1. Kurz über lang wird es auf eine Teilung Nigerias hinauslaufen.
    Der arme muslimische Norden einerseits und der reiche Süden andererseits. Denn entgegen aller hier heute beschworenen Hoffnungen auf einen Ausgleich, wird der Gegensatz Nord-Süd nicht niviliert werden können. Der Hass ist zu groß.

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    Der Biafra-Bürgerkrieg ist nun schon lange her und wir wollen doch keine Wiederauflage.Hatte übrigens der Norden gewonnen.

    Der Biafra-Bürgerkrieg ist nun schon lange her und wir wollen doch keine Wiederauflage.Hatte übrigens der Norden gewonnen.

  2. Im Spiegel heißt es heute:

    Präsidentenkür in Nigeria - Muslime eröffnen Jagd auf Christen
    .
    Es sollte die "beste Wahl aller Zeiten" in Nigeria werden. Doch noch bevor Amtsinhaber Goodluck Jonathan als Sieger der Präsidenten-Abstimmung bekannt gegeben wird, gingen Anhänger seines muslimischen Gegenkandidaten mit Gewalt gegen Christen vor....
    ....In der Stadt Kano gingen überwiegend junge Anhänger Buharis auf die Straße und prügelten sich mit Sicherheitskräften. Die mit Dolchen, Stöcken und Brettern bewaffnete Menge griff zwei Menschen an, die sie aufgrund ihrer Kleidung als Christen einordnete, berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP....

  3. Der Biafra-Bürgerkrieg ist nun schon lange her und wir wollen doch keine Wiederauflage.Hatte übrigens der Norden gewonnen.

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    Antwort auf "Staatenbildung"
  4. Solange das Militär im Norden die Einführung und Umsetzung der mörderischen Scharia mit regelmäßigen Pogromen gegen die nichtislamische Bevölkerung bis zum Genozid anstiftet und deckt, kann kein demokratischer Präsident viel bewirken. Das mussten schon andere erfahren. Selbst Mordaufrufe im nigerianischen Fernsehen durch islamische Prediger können nicht einmal unterbunden werden. Solange die Welt wegschaut und die Problematik leugnet, kann kein Druck von außen aufgebaut werden. Schade dass hier keine Aufklärung stattfindet zur Verteidigung der Menschenrechte.

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    Gäbe es in Nigeria besonders viel Erdöl wie in den nordafrikanischen Staaten, hätten die USA und die EU schon längst eine "Friedensmission" gestartet. Aber da das wohl nicht der Fall ist, kümmern halt auch Menschenrechte niemanden.

    Gäbe es in Nigeria besonders viel Erdöl wie in den nordafrikanischen Staaten, hätten die USA und die EU schon längst eine "Friedensmission" gestartet. Aber da das wohl nicht der Fall ist, kümmern halt auch Menschenrechte niemanden.

  5. Gäbe es in Nigeria besonders viel Erdöl wie in den nordafrikanischen Staaten, hätten die USA und die EU schon längst eine "Friedensmission" gestartet. Aber da das wohl nicht der Fall ist, kümmern halt auch Menschenrechte niemanden.

  6. Selten eine solch krasse Fehleinschätzung gelesen.

    Wahlen sind in Afrika, insbesondere wenn ein Machtwechsel ansteht, oder ein erwarteter Machtwechsel ausbleibt, der Auslöser für Bürgerkriege oder Pogrome schlechthin.

    Tut mir leid.

    MfG

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