Zum Jahrestag der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich hat US-Präsident Barack Obama die Massenmorde in den Jahren 1915 bis 1917 verurteilt, den Begriff des Völkermords jedoch erneut vermieden. Sein Blick auf die "entsetzlichen Ereignisse" habe sich nicht verändert, erklärte Obama in einer Mitteilung des Weißen Hauses. "Eine vollständige, offene und wahre Anerkennung der Fakten ist in unser aller Interesse", fügte er mit Blick auf die türkische Haltung zu den Massakern hinzu.

In den Jahren 1915 bis 1917 wurden im ausgehenden Osmanischen Reich nach armenischen Angaben mehr als 1,5 Millionen Armenier getötet. Auch die Türkei räumt ein, dass mehrere hunderttausend Armenier getötet wurden, lehnt die Einstufung der Verbrechen als Völkermord aber ab. Ankara argumentiert, dass die Armenier damals den Kriegsgegner Russland unterstützt und ihrerseits zehntausende Türken getötet hätten.

Obama erklärte, Geschichtsverleugnung schwäche sowohl die gegenwärtigen als auch die künftigen Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei und beschmutze das Gedenken an die Opfer. Im Jahr 2008 hatte Obama während des Präsidentschaftswahlkampf angekündigt, er wolle im Fall seiner Wahl für die Massaker an den Armeniern ausdrücklich den Begriff des Völkermords verwenden, dies aber später doch vermieden.

Der türkische Botschafter in den USA, Namik Tan, wies Obamas Kritik umgehend zurück. Dessen Erklärung zeuge von einer "ungenauen, fehlerhaften und politisch einseitigen Geschichtsbetrachtung", erklärte er. Obamas Aussagen seien daher "inakzeptabel" und "unvertretbar".