Für seine Kritiker ist Humala ein gefährlicher Linkspopulist, der die ohnehin schon überwiegend links regierte politische Landschaft Lateinamerikas um Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez und Boliviens Regierungschef Evo Morales um eine weitere sozialistische Note bereichern könnte. Für seine Anhänger aber ist Humala ein Reformer, der tiefgreifende Veränderungen durchzusetzen bereit ist. Gelassen hält der Favorit seinen Kandidaten entgegen: "Peru ist müde von Politikern, die einen scheinheiligen Kurs fahren."

Sein Aufstieg überrascht Außenstehende auf den ersten Blick, erlebt Peru doch seit Jahren ein kleines Wirtschaftswunder. Aber der Erfolg kommt eben nicht bei allen Peruanern an und so setzt Humala wie Toledo ganz auf die Karte Armutsbekämpfung. Als unverbrauchtes Gesicht in der peruanischen Politik gilt er aber im Gegensatz zu Toledo als glaubhaft. Humala will die großen Unternehmen zur Kasse bitten und Verträge mit der Wirtschaft neu aushandeln. Die Drohgebärden von Humalas Kontrahenten, die Peru bei einem Wahlsieg auf einem venezolanischen Kurs wähnen, schreckt die Wähler nicht ab. Im Gegenteil: Mit fast 22 Prozent liegt Humala in den meisten Umfragen hauchdünn vor seiner Konkurrenz.

Keine guten Zahlen findet der peruanische Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa. Er hat die Hoffnung auf ein gutes Ende der Wahlen bereits aufgegeben. Stimmen die Meinungsumfragen, dann kommt es nach dem Wahlsonntag zu einer Stichwahl zwischen Keiko Fujimori und Ollanta Humala. Für den populären Schriftsteller wäre die Konstellation eine Wahl zwischen "Aids und Krebs": "Der erfolgreiche Weg, den Peru in den letzten Jahren gegangen ist, könnte dann zu Ende sein."