Umbruch in Syrien Syriens Armee dementiert Berichte über Meuterei

In Syrien sollen sich Soldaten von der Führung abgewandt haben. Oppositionelle schildern, sie verweigerten den Schießbefehl. Ein Armeesprecher weist das zurück.

Die syrischen Streitkräfte haben Berichte über eine angebliche Meuterei in der Armee dementiert. Diese Falschmeldungen sollten das Ansehen der Sicherheitskräfte beschädigen, sagte ein Armeesprecher der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

In den Berichten über eine Meuterei hatten Regimegegner geschildert, etliche Offiziere würden sich weigern, in der belagerten Stadt Daraa auf Demonstranten zu schießen. Einige von ihnen seien daraufhin von Angehörigen der regimetreuen Republikanischen Garde erschossen worden.

Anzeige

In einem am Donnerstag veröffentlichten Video, das Aktivisten aus Daraa schmuggeln konnten, sind junge Demonstranten zu sehen, die rufen: "Wir haben keine Angst, die Armee steht auf unserer Seite."

Ein weiteres Video zeigt einen syrischen Christen, der auf einem Platz vor einer Menge von Menschen spricht und sagt, die Christen unterstützten den Aufstand gegen das Regime von Baschar al-Assad. Die Menge rief daraufhin: "Nationale Einheit, Einheit, Islam und Christentum, wir alle wollen Freiheit."

Viele syrische Christen hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Assad-Regime solidarisiert, obwohl sie die undemokratischen Praktiken der regierenden Baath-Partei und der Sicherheitskräfte ablehnten. Sie sahen in dem Regime, das von Angehörigen der alawitischen Minderheit dominiert wird, einen Schutzwall gegen eine Diskriminierung der religiösen Minderheiten in einem sunnitisch-islamischen Staat.

Die syrische Exil-Opposition meldete außerdem, bislang seien 203 Mitglieder aus der Baath-Partei ausgetreten. Sie protestierten damit gegen die Gewalt der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten. Die Regimegegner, die demokratische Reformen und Respekt für die Menschenrechte fordern, haben für diesen Freitag erneut zu Massendemonstrationen aufgerufen.

In Duma bei Damaskus wurden in den vergangenen Tagen nach Angaben syrischer Aktivisten zehn Ärzte festgenommen, weil sie verletzte Demonstranten im Krankenhaus behandelt hatten. Das Stromnetz und das Mobilfunknetz wurden unterbrochen.

Die Europäische Union strebt indes nach dem Scheitern eines Vorstoßes im UN-Sicherheitsrat weitere Sanktionen gegen Syrien an. Bei einem Treffen der ständigen Botschafter der 27 EU-Staaten soll am Freitag über Reisebeschränkungen für Verantwortliche des Regimes in Damaskus oder das Einfrieren von Vermögenswerten beraten werden. Bei dem Treffen liegen "alle Optionen auf dem Tisch", sagte der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel.
 

 
Leser-Kommentare
  1. ... der syrischen 5. Division laut örtlichen Augenzeugen bereits seit Ostermontag gegen Assad-treue Einheiten der 4. Division (die unter dem Kommando des Bruders des Präsidenten, Maher al-Assad, steht) und Pro-Assad-Milizen (darunter offenbar auch Einheiten von Hisbollah und iranischen Pasdaran).
    Auch hohe syrische Offiziere sollen sich vom Assad-Regime losgelöst haben und nun auf Seiten der aufständischen Bürger Daraas kämpfen, an der Seite ihrer aufständischen Truppenteile.
    Es kursieren rund um Daraa Gerüchte, wonach bei den anhaltenden schweren Kämpfen in der Stadt auch Maher al-Assad und andere hohe regimetreue Offiziere in die Hand aufständischer Soldaten geraten sein sollen.

    Dieses Lagebild bestätigt weitgehend auch der -für gewöhnlich gut informierte- oppositionelle Blog "Syrien Revolution Digest" von Ammar Abdulhamid.

    http://syrianrevolutiondi...

    http://www.spiegel.de/pol...

    Abgesehen von dieser zugespitzten Lage empfielt die IAEA nun internationale Sanktionen gegen das syrische Assad-Regime, dem die IAEA nun nachweisen kann, dass es tatsächlich heimlich an einem Atomreaktor gebaut hat, der von Israel im Sept. 2007 zerstört wurde:

    http://www.nzz.ch/nachric...

    Selbst der enge Verbündete Erdogan sieht sich mittlerweile dazu gezwungen, vorsichtig auf Distanz zu Assad zu gehen.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Wer mit einer kalaschnikow zur Demonstration geht ist doch keine "Zivilist" und auch eigentlich kein "friedlicher Demonstrant", oder doch?
    Wenn nun also Polizisten von diesen "Demonstranten" ins Jenseits befördert wurden und werden, könnte man diese "Demonstranten" nicht eigentlich dann Terroristen nennen?

    Zumindest in Deutschland nennt man diese Leute die eine kalaschnikow haben, damit auf Polizisten schießen und das "System" weghaben wollen, Terroristen.

    Das war bei der RAF genauso wie bei den radikalen Islamisten.

    Wenn man das System nicht mehr will, kann man es auch friedlich wegbekommen. Das geht immer, allerdings nur wenn die Mehrheit dies will. Das ist in Libyen genauso wenig der Fall, wie in Syrien.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Zumindest in Deutschland nennt man diese Leute die eine kalaschnikow haben, damit auf Polizisten schießen und das "System" weghaben wollen, Terroristen."

    Es macht einen enormen Unterschied, ob man in einer offenen demokratischen Gesellschaft (mit praktizierter Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit) mit der Waffe in der Hand gegen Staat, System und Gesellschaft kämpft, oder ob man sich in einer willkürlich folternden und mordenden clandestinen Despotie bewaffnet gegen das totalitäre Systen stellt, dessen demokratisch nicht legitimierte diktatorische Führung die eigene Gesellschaft brutalst entrechtet, unterdrückt, ausbeutet und entwürdigt.

    Wollen Sie diesen offenkundigen Riesenunterschied in der Sache tatsächlich bestreiten?

    "Zumindest in Deutschland nennt man diese Leute die eine kalaschnikow haben, damit auf Polizisten schießen und das "System" weghaben wollen, Terroristen."

    Es macht einen enormen Unterschied, ob man in einer offenen demokratischen Gesellschaft (mit praktizierter Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit) mit der Waffe in der Hand gegen Staat, System und Gesellschaft kämpft, oder ob man sich in einer willkürlich folternden und mordenden clandestinen Despotie bewaffnet gegen das totalitäre Systen stellt, dessen demokratisch nicht legitimierte diktatorische Führung die eigene Gesellschaft brutalst entrechtet, unterdrückt, ausbeutet und entwürdigt.

    Wollen Sie diesen offenkundigen Riesenunterschied in der Sache tatsächlich bestreiten?

  3. "Zumindest in Deutschland nennt man diese Leute die eine kalaschnikow haben, damit auf Polizisten schießen und das "System" weghaben wollen, Terroristen."

    Es macht einen enormen Unterschied, ob man in einer offenen demokratischen Gesellschaft (mit praktizierter Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit) mit der Waffe in der Hand gegen Staat, System und Gesellschaft kämpft, oder ob man sich in einer willkürlich folternden und mordenden clandestinen Despotie bewaffnet gegen das totalitäre Systen stellt, dessen demokratisch nicht legitimierte diktatorische Führung die eigene Gesellschaft brutalst entrechtet, unterdrückt, ausbeutet und entwürdigt.

    Wollen Sie diesen offenkundigen Riesenunterschied in der Sache tatsächlich bestreiten?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service