Manama – geschlossene Stadt. Die Hauptstadt Bahrains war vor wenigen Wochen noch voll von Korrespondenten. Jetzt sind die Berichterstatter fort, an andere Orte gezogen wie Libyen oder Jemen oder Ägypten. Dabei geschieht viel in Bahrain. Erschreckend viel. Vergangene Woche wurden vier Demokratie-Aktivisten zum Tode verurteilt. Zeitungen und Netzseiten werden geschlossen. Mitte dieser Woche wurden vier Dutzend Ärzte und Krankenschwestern verhaftet, zwei Parlamentarier aus ihren Häusern heraus verschleppt.

Bahrain ist keine Fußnote der arabischen Revolutionen. Das kleine Land von rund einer Million Einwohnern hatte bis vor Kurzem eines der offensten politischen Systeme der Region. Vorbild für Saudi-Arabien, Nacheiferer der parlamentarischen Demokratien im Westen, voran der Briten, die hier bis 1971 Kolonialherren waren. Was hier passiert, hat Signalfunktion. Ausgerechnet in diesem Laboratorium des Parlamentarismus ist der demokratische Aufstand gescheitert und endet in Verhaftungen, Niederschießen und Todesurteilen. Warum?

Dschawad Fairus erklärte mir bei meinem Besuch im Februar dieses Jahres, was die Opposition wollte. Er war lange stellvertretender Vorsitzender der Wifaq-Partei, der größten Oppositionspartei im Parlament. Die Wifaq ist eine islamisch-schiitische Partei, die seit 2006 das parlamentarische Leben Bahrains mitprägt. Sie machte mit Diskussionen und Gesetzesinitiativen statt mit radikalen Sprüchen von sich reden.

Wifaq hielt dem sunnitischen Königshaus im Aufstand im Februar die ausgestreckte Hand entgegen. Sie forderte eine wirklich demokratische Verfassung, eine Regierung, die dem Parlament verantwortlich ist, freie Medien und freie Wahlen. Das sunnitische Königshaus wollten Wifaq-Politiker wie Fairus erhalten sehen, aber der seit 1971 herrschende, verknöcherte Premierminister sollte gehen. Alles Forderungen, die einem westlichen Besucher sofort einleuchteten.

Bahrain hätte den sanften Weg der Evolution gehen können. Das Königshaus hätte mit der starken, in Wahlen längst legitimierten Opposition zusammenarbeiten können, um den Staat zu reformieren, nicht über Nacht umzukrempeln. Dem Parlament mehr Rechte zu geben. Die Regierung auszuwechseln. Neuwahlen ohne Wahlkreismanipulationen anzusetzen. Im Februar hatten die radikalen Oppositionellen noch wenig Einfluss. Stark waren Leute wie Dschawad Fairus, die auf die Weitsicht des Königshauses und einen Deal hofften. Noch Ende Februar schien es so, als würde der reformbereite Kronprinz Salman al-Khalifa darauf eingehen. Es kam anders.

Zu stark waren die radikal-reaktionären Kräfte im Königshaus, allen voran der seit vierzig Jahren regierende korrupte Premierminister Khalifa al-Khalifa, die auf die Niederschlagung des Aufstands drängten. Zu stark ihre Fixierung auf die radikale Opposition, die die Abschaffung des Königshauses forderte. Zu stark auch die Einflüsterung des erzkonservativen Prinzen Najif aus Saudi-Arabien, der nichts mehr fürchtete als ein demokratisches Exempel vor der saudischen Ostküste. Khalifa und Najif trieb die Angst vor Schiiten um, die in Bahrain und an der saudischen Ostküste die Bevölkerungsmehrheit stellen. Dazu die Angst vor dem iranischen Einfluss – obwohl sich die arabischen Schiiten in Bahrain stets deutlich von Iran distanzierten.