Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa seien mehr als 800 Flüchtlinge in Booten aus Nordafrika gelandet, teilte die italienische Küstenwache mit. Zuvor waren rund eine Woche lang keine Flüchtlingsboote auf Lampedusa angekommen.

In der Nacht war ein Boot mit 347 Flüchtlingen, unter ihnen 27 Frauen und ein Kind, vor der Küste in Seenot geraten. Schnellboote der Küstenwache und der Polizei seien dem Boot zur Hilfe geeilt, teilte die Küstenwache mit. Zuvor waren bereits zwei Flüchtlingsboote mit 247 und 175 Menschen an Bord nach Lampedusa geleitet worden. Die Küstenwache kam nach eigenen Angaben auch einem aus Tunesien kommenden Boot mit 55 Flüchtlingen zur Hilfe, die auf der kleinen Insel Pantelleria nahe Lampedusa gestrandet waren.

Alle Flüchtlinge wurden in das Auffanglager auf Lampedusa gebracht. Dort befinden sich derzeit 1200 Flüchtlinge. Sie sollen von Lampedusa aus auf andere Lager in Italien verteilt werden. In den vergangenen Monaten waren zehntausende Flüchtlinge aus Nordafrika auf Lampedusa eingetroffen. Nachdem es sich dabei zunächst vor allem um Tunesier handelte, erreichen nun viele afrikanische Gastarbeiter die Insel, die aus Libyen fliehen.

Unterdessen dauert der Bürgerkrieg in Libyen an. Die Nato hat die fünfte Nacht in Folge Ziele in der libyschen Hauptstadt Tripolis angegriffen. Dies berichteten das staatliche libysche Fernsehen und der arabische Nachrichtensender al-Arabija in der Nacht zu Samstag. Dem libyschen Sender zufolge hat es auch in der Nähe von Misda im Süden des Landes Angriffe gegeben.

Auf dem G-8-Gipfel in Frankreich hat Russland seinen Tonfall gegenüber dem libyschen Machthaber Muammar al-Gadhafi geändert. "Er muss weg", sagte Präsident Dmitrij Medwedew am Rande des Gipfels und verwies auf die gemeinsame Erklärung der acht Staaten. Die Nato greift auf Grundlage einer UN-Resolution seit März Gadhafis Streitkräfte an. Damit unterstützt sie Aufständische, die ein Ende seiner 41-jährigen Herrschaft fordern. Militärisch herrscht im Bürgerkrieg eine Patt-Situation.