Bundeswehrcamp Afghanistan Deutsche feuerten gezielt auf Demonstranten

Nicht nur Warnschüsse fielen, sondern gezieltes Feuer traf die Protestierer vor dem Bundeswehrcamp im nordafghanischen Talokan. Mindestens ein Mensch wurde so verletzt.

Bundeswehrsoldat in der Nähe des nordafghanischen Talokan

Bundeswehrsoldat in der Nähe des nordafghanischen Talokan

Bei dem gewalttätigen Protest am Mittwoch vor dem Standort eines Provinz-Beratungsteams mit derzeit 44 Soldaten im nordafghanischen Talokan haben auch Bundeswehrsoldaten gezielt auf Demonstranten geschossen. Wie das Einsatzführungskommando mitteilte, seien zur Selbstverteidigung zunächst Warnschüsse abgegeben worden, später auch "gezielte Schüsse auf weiterhin gewalttätige Demonstranten".

Dabei sei zunächst auf die Beine gezielt worden, in drei bis vier Fällen aber auch auf den Körper oder die Arme. "In einem einzigen Fall ist nach derzeitiger Erkenntnis ein Treffer im Hals-Kopfbereich nicht auszuschließen", hieß es unter Berufung auf vorläufige Untersuchungsergebnisse weiter.

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Bei den Protesten hatten am Mittwoch mehr als 2000 teilweise gewalttätige Demonstranten die Bundeswehr-Einrichtung attackiert. Sie bewarfen das Camp nach Bundeswehr-Darstellung mit Molotowcocktails und Handgranaten. Ausgelöst hatte ihren Zorn ein Militäreinsatz der Nato, bei dem mehrere Afghanen starben. Als der Protest vor dem Camp eskalierte, griff die afghanische Polizei mit Waffengewalt ein. Zwölf Afghanen starben, 50 Menschen, darunter drei deutsche Soldaten, wurden verletzt.

Das Einsatzführungskommando hob hervor, die deutschen Soldaten hätten nach den Ergebnissen erster Befragungen alle vorgeschriebenen Regeln eingehalten. Weitere Proteste am Donnerstag richteten sich laut Bundeswehr dagegen ausschließlich gegen afghanische Regierungseinrichtungen. Deutsche Soldaten waren von diesen neuen Protesten nicht betroffen. Am Freitag wurde die Lage als zunächst ruhig beschrieben.

Weitere Untersuchungen der Vorfälle sowohl durch die internationale Isaf-Truppe als auch durch afghanische Behörden liefen am Freitag noch.

 
Leser-Kommentare
  1. In einem Kriegsgebiet werfen einheimische Demonstranten mit handgranaten nach Soldaten, diese wehren sich mittels Schüssen, selbstverständlich ein Fall für die deutsche Staatsanwaltschaft...

    19 Leser-Empfehlungen
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    • ksai
    • 20.05.2011 um 16:02 Uhr

    ?

    • kaleb
    • 20.05.2011 um 17:35 Uhr

    nach wessen Darstellung:
    "Sie bewarfen das Camp nach Bundeswehr-Darstellung mit Molotowcocktails und Handgranaten."
    Nach den Darstellungen der Besatzer sind immer die Afghanen (Iraker, Palästinenser) die Bösen und Heimtückischen, und die Besatzer die edlen Helden, die sich nur verteidigen.
    [...]
    Die zivilen Opfer können uns ihre Darstellung ja nun nicht mehr geben.Mir würde auch im Traum nicht einfallen, dass zumindest die USA mal so ein Strafkommando losschicken, und das ganze dann als friendly fire oder ambush darstellen, ehrlich.

    Bitte bleiben Sie sachlich und vermeiden Sie überzogene Polemik. Danke. Die Redaktion/lv

    Natürlich ist das ein Fall für staatsanwaltliche Ermittlungen. Nach Darstellung der Bundeswehr handelte es sich um einen Fall von Notwehr. Ob das tatsächlich so ist, kann nur eine staatsanwaltliche Ermittlung mit eventuell anschließendem Gerichtsverfahren zu Tage fördern.

    Es ist ja keineswegs ausgemacht, dass sich am Ende herausstellt, dass es wirklich ein Fall von Notwehr war. Genausoweinig, wie ausgeschlossen werden kann, dass es tatsächlich Notwehr war. Das wird sich erweisen.

    Auch gegen einen Polizisten, der im Dienst jemanden erschießt, wird grundsätzlich ermittelt, auch wenn der Fall sonnenklar erscheinen mag. Sowas nennt sich Rechtsstaat.

    • Gnervt
    • 21.05.2011 um 11:42 Uhr

    wo menschen agieren passieren fehler und werden nicht immer die richtigen entscheidungen getroffen... sowas passiert auch soldaten im krieg, auch wenn die umstände durchaus andere sind als wir sie uns vorstellen können. so ist es umso wichtiger, dass auch hier in deutscher ordentlichkeitsmanier jeder vorfall untersucht wird und schaden von fehltritten weniger auf die ganze truppe fällt. ich will damit keinesfalls auch nur im geringsten fehlverhalten der beteiligten soldaten andeuten, allerdings ist und bleibt es unerlässlich dies zu untersuchen um die "qualität" des auftritts der soldaten sicherzustellen.

    • ksai
    • 20.05.2011 um 16:02 Uhr

    ?

    • kaleb
    • 20.05.2011 um 17:35 Uhr

    nach wessen Darstellung:
    "Sie bewarfen das Camp nach Bundeswehr-Darstellung mit Molotowcocktails und Handgranaten."
    Nach den Darstellungen der Besatzer sind immer die Afghanen (Iraker, Palästinenser) die Bösen und Heimtückischen, und die Besatzer die edlen Helden, die sich nur verteidigen.
    [...]
    Die zivilen Opfer können uns ihre Darstellung ja nun nicht mehr geben.Mir würde auch im Traum nicht einfallen, dass zumindest die USA mal so ein Strafkommando losschicken, und das ganze dann als friendly fire oder ambush darstellen, ehrlich.

    Bitte bleiben Sie sachlich und vermeiden Sie überzogene Polemik. Danke. Die Redaktion/lv

    Natürlich ist das ein Fall für staatsanwaltliche Ermittlungen. Nach Darstellung der Bundeswehr handelte es sich um einen Fall von Notwehr. Ob das tatsächlich so ist, kann nur eine staatsanwaltliche Ermittlung mit eventuell anschließendem Gerichtsverfahren zu Tage fördern.

    Es ist ja keineswegs ausgemacht, dass sich am Ende herausstellt, dass es wirklich ein Fall von Notwehr war. Genausoweinig, wie ausgeschlossen werden kann, dass es tatsächlich Notwehr war. Das wird sich erweisen.

    Auch gegen einen Polizisten, der im Dienst jemanden erschießt, wird grundsätzlich ermittelt, auch wenn der Fall sonnenklar erscheinen mag. Sowas nennt sich Rechtsstaat.

    • Gnervt
    • 21.05.2011 um 11:42 Uhr

    wo menschen agieren passieren fehler und werden nicht immer die richtigen entscheidungen getroffen... sowas passiert auch soldaten im krieg, auch wenn die umstände durchaus andere sind als wir sie uns vorstellen können. so ist es umso wichtiger, dass auch hier in deutscher ordentlichkeitsmanier jeder vorfall untersucht wird und schaden von fehltritten weniger auf die ganze truppe fällt. ich will damit keinesfalls auch nur im geringsten fehlverhalten der beteiligten soldaten andeuten, allerdings ist und bleibt es unerlässlich dies zu untersuchen um die "qualität" des auftritts der soldaten sicherzustellen.

  2. muss Notwehr auch im Ausland bleiben!
    Wenn eine 28-jährige Polizisten eine Arbeitslose mit Messer im Job-Center in Notwehr erschießen kann, muss die Bundeswehr in Notwehr einen bewaffneten afghanischen Mob vor dem eigenen Camp niederschießen können, oder?
    Deutschland sofort raus aus Afghanistan!

    10 Leser-Empfehlungen
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    Entfernt. Bitte argumentieren Sie in einem sachlichen Ton. Danke. Die Redaktion/wg

    • ksai
    • 20.05.2011 um 16:05 Uhr

    doch wohl dürfen.
    Wäre ja möglich, dass die Selbstverteidigung unverhältnismäßig war: z.B. ein Molotowcocktail geflogen und dafür x Demonstranten niedergemetzelt.
    Wird ja im Fall der Polizistin auch gemacht.

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie in einem sachlichen Ton. Danke. Die Redaktion/wg

    • ksai
    • 20.05.2011 um 16:05 Uhr

    doch wohl dürfen.
    Wäre ja möglich, dass die Selbstverteidigung unverhältnismäßig war: z.B. ein Molotowcocktail geflogen und dafür x Demonstranten niedergemetzelt.
    Wird ja im Fall der Polizistin auch gemacht.

  3. Entfernt. Bitte argumentieren Sie in einem sachlichen Ton. Danke. Die Redaktion/wg

    Antwort auf "Notwehr"
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    OK, dann erklären Sie doch bitte mal, warum Deutschland in Afghanistan weiter Krieg führen sollte. Die OBL-Geschichte zieht jetzt nicht mehr.

    OK, dann erklären Sie doch bitte mal, warum Deutschland in Afghanistan weiter Krieg führen sollte. Die OBL-Geschichte zieht jetzt nicht mehr.

  4. "... zur Selbstverteidigung zunächst Warnschüsse abgegeben worden, später auch 'gezielte Schüsse auf weiterhin gewalttätige Demonstranten'".
    Es handelte sich nach dieser Beschreibung um eine eindeutige Notwehrsituation, aus der heraus die Soldaten unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit der angewandten Mittel drohenden erheblichen Personenschaden von sich und ihren Kameraden abgewendet haben.
    Die Schlagzeile "Deutsche feuerten gezielt auf Demonstranten" ist als Aufmacher für diesen Sachverhalt allerdings eher nicht "Zeit"-gemäß, sondern auf dem Level des Blattes, das Manfred Krug als Tatort-Kommissar Paul Stoever immer als "Blöd-Zeitung" zu titulieren pflegte, anzusiedeln.

    17 Leser-Empfehlungen
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    • joG
    • 20.05.2011 um 16:33 Uhr

    ....die Schlagzeile die Diskussion in einer gewissen Richtung an. Kaum je sprechen sich so viele Stimmen für den Einsatz von Gewaltmitteln aus, als in den vorliegenden Kommentaren. Das stärkt der Bundeswehr Reform den Rücken. Ob man allerdings das Instrumentarium des Gleichschritts verwenden sollte....

    • cuxa59
    • 20.05.2011 um 22:19 Uhr

    Die Überschrift entspricht doch absolut der politischen Ausrichtung der Zeit. Bevor sich deutsche Soldaten vor einem afghanischen Mob verteidigen dürfen, haben sie gefälligst bei Christian Ströbele, Claudia Roth oder dem deutschen Feuilleton um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls gehören sie nach deren Lesart selbstverständlich vor ein Kriegsgericht (natürlich nur, falls sie nicht zuvor den "revolutionären Freiheitskämpfern" zum Opfer gefallen sind.

    • joG
    • 20.05.2011 um 16:33 Uhr

    ....die Schlagzeile die Diskussion in einer gewissen Richtung an. Kaum je sprechen sich so viele Stimmen für den Einsatz von Gewaltmitteln aus, als in den vorliegenden Kommentaren. Das stärkt der Bundeswehr Reform den Rücken. Ob man allerdings das Instrumentarium des Gleichschritts verwenden sollte....

    • cuxa59
    • 20.05.2011 um 22:19 Uhr

    Die Überschrift entspricht doch absolut der politischen Ausrichtung der Zeit. Bevor sich deutsche Soldaten vor einem afghanischen Mob verteidigen dürfen, haben sie gefälligst bei Christian Ströbele, Claudia Roth oder dem deutschen Feuilleton um Erlaubnis zu fragen. Andernfalls gehören sie nach deren Lesart selbstverständlich vor ein Kriegsgericht (natürlich nur, falls sie nicht zuvor den "revolutionären Freiheitskämpfern" zum Opfer gefallen sind.

  5. OK, dann erklären Sie doch bitte mal, warum Deutschland in Afghanistan weiter Krieg führen sollte. Die OBL-Geschichte zieht jetzt nicht mehr.

    • ksai
    • 20.05.2011 um 16:02 Uhr
    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Oho....."
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    • Cando
    • 20.05.2011 um 16:48 Uhr

    Ihren Kommentar meinen Sie doch nicht tatsächlich ernst, oder?

    • Cando
    • 20.05.2011 um 16:48 Uhr

    Ihren Kommentar meinen Sie doch nicht tatsächlich ernst, oder?

    • ksai
    • 20.05.2011 um 16:05 Uhr

    doch wohl dürfen.
    Wäre ja möglich, dass die Selbstverteidigung unverhältnismäßig war: z.B. ein Molotowcocktail geflogen und dafür x Demonstranten niedergemetzelt.
    Wird ja im Fall der Polizistin auch gemacht.

    Antwort auf "Notwehr"
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    'Wäre ja möglich, dass die Selbstverteidigung unverhältnismäßig war: z.B. ein Molotowcocktail geflogen und dafür x Demonstranten niedergemetzelt.'

    Sie war in jedem Falle unverhältnismäßig, denn 3 deutsch Soldaten wurden durch Moltowcocktails und Handgranaten verletzt.

    'Wäre ja möglich, dass die Selbstverteidigung unverhältnismäßig war: z.B. ein Molotowcocktail geflogen und dafür x Demonstranten niedergemetzelt.'

    Sie war in jedem Falle unverhältnismäßig, denn 3 deutsch Soldaten wurden durch Moltowcocktails und Handgranaten verletzt.

  6. Das ist wieder eine sehr unangenehme Meldung. Aber sie führt wieder zu der Frage, die wir Deutschen schon so lange aufgeschoben haben: wie wollen wir damit umgehen, daß unser Land in bewaffnete Konflikte verwickelt ist? Selbst wenn wir Afghanistan morgen verlassen würden, werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft Fälle eintreten, in denen Deutschlang Soldaten entsendet.
    Die Frage lautet nicht, was tun wir in Afghanistan, sondern wie stehen wir zu unseren Soldaten und zu Auslandseinsätzen im allgemeinen.

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