Für Bill Steveit ist es ein ganz persönlicher Triumph. Der Vietnamveteran mit dem Vollbart und der Baseballkappe steht mitten am Ground Zero, jenem Ort, der seit dem schicksalhaften Tag vor knapp zehn Jahren für die Verletzbarkeit der Supermacht Amerika steht. Jeden Gedenkgottesdienst hat Bill Steveit seit damals besucht, um die Erinnerung an den Tag frisch zu halten. Um den Hals hat Steveit sich an diesem Montag ein Schild gehängt, darauf ein Zeitungsartikel mit den Namen aller Opfer der Anschläge. "Endlich haben wir ihn gekriegt, den Massennmörder, der 3000 Menschenleben hier am Ground Zero auf dem Gewissen hat", sagt er.

Es habe viel zu lange gedauert, bis Osama endlich gefangen war, sagt er. Bush, so der große stämmige Mann, sei stattdessen lieber in ein Land einmarschiert, "das uns niemals angegriffen hat." Dabei müssten die gejagt werden, die die Amerikaner angreifen wollten. Obama habe die Jagd nach Osama bin Laden dagegen zu seiner Priorität gemacht. "Dank ihm haben wir ihn jetzt." Der Gottesdienst in diesem Jahr werde etwas ganz besonderes, meint Steveit. "Heute haben wir ein Zeichen an alle Terroristen da draußen gesendet: Auch wenn Ihr flüchtet und Euch versteckt, wir finden Euch und ziehen Euch zur Rechenschaft."

Überall stehen an diesem Morgen Übertragungswagen und Fernsehteams, Touristen fangen den Freudentaumel der Menschen mit ihren Handys ein. Die Banker in ihren grauen Anzügen versuchen, sich einen Weg durch die Massen in ihre Büros zu bahnen. Doch es ist kaum ein Durchkommen, wer westlich vom Hudson River den Broadway erreichen will, muss sich im großen Bogen um die Gebäude schlängeln, um an sein Ziel zu kommen. Polizisten versuchen, Ordnung ins euphorische Chaos zu bringen.

Mitten unter ihnen steht auch James. Immer wieder spricht er dieselben stoischen Worte in verschiedene Mikrofone, die ihm Fernsehteams hinhalten. "Es ist ein großer Tag für Amerika und für die ganze Welt", sagt er und schwenkt zur Bekräftigung seiner Sätze eine kleine USA-Flagge. Einige seiner Freunde seien in den Trümmern ums Leben gekommen, andere kämpften noch immer mit den Erinnerungen, die heute wieder sehr lebendig sind. "Ich bin heute hier, um zu feiern, einfach nur zu feiern", ruft er. Mit den New Yorkern und dem ganzen Land. "Ich bin stolz auf das US-Militär und die Navy", sagt er. Obama habe nur das Glück, zur passenden Zeit Präsident zu sein.

Es ist ein später Triumph für die Menschen hier in New York. Er kommt fast zehn Jahre, nachdem American Airlines Flug 11 von Terroristen gekapert und am Morgen des 11. Septembers in den Nordturm des World Trade Centers einschlug. Wenige Minuten später krachte United Airlines Flug 175 in den Südturm. Eine ganze Stadt stand unter Schock, die Supermacht Amerika war plötzlich sehr verletzbar geworden.

In wenigen Monaten jährt sich das nationale Trauma, die Vorbereitungen laufen, viele Stockwerke des geplanten Superbaus One World Trade Center, der früher Freedom Tower hieß und der personifizierte Trotz der New Yorker werden sollte, sind inzwischen fertiggestellt. "Ich kenne persönlich niemanden, der dort gestorben ist", sagt Bill Steveit. "Aber ich bin Bürger dieser Stadt, und es hätte auch mich treffen können an diesem Tag."

Die Zeitungen sind am Morgen voll mit Berichten über den Tod des Terroristenführers. Alle haben sie großflächig das Konterfei des "Staatsfeind Nummer Eins" abgedruckt. "Got him!", "wir haben ihn!", titelt die größte Boulevardzeitung der Stadt, New York Post . Und weiter unten heißt es: "Vengeance at last! US nails the bastard", "Endlich Vergeltung! Die USA bringen den Bastard zur Strecke". Das New Yorker Blatt Daily News geht noch einen Schritt weiter. "Rot in Hell!"; "Schmore in der Hölle!", ruft die Zeitung dem Al-Qaida-Chef entgegen.