Sollte Osama bin Laden beim Sturm auf sein Anwesen in Pakistan getötet werden? Die Festnahme des Terroristenchefs sei nicht das Ziel gewesen, berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf offizielle Quellen. Es habe sich um eine "Kill Mission" gehandelt.

Dem widersprechen jedoch andere Stimmen aus der US-Regierung: Das US-Sondereinsatzkommando hätte den al-Qaida-Chef lebend gefangen genommen, wenn er sich ergeben hätte. "Er wehrte sich während des Gefechts. Daher töteten ihn die Einsatzkräfte am Boden. Sie waren darauf vorbereitet, ihn lebend gefangen zu nehmen, wenn er sich ergeben hätte", sagte ein nicht namentlich genannter US-Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan sagte, man sei auch darauf vorbereitet gewesen, bin Laden gefangen zu nehmen.

Bisher sind noch keine Fotos von bin Ladens Leiche veröffentlicht worden. Das Weiße Haus hat nach Informationen von CNN noch nicht entschieden, ob es die Bilder freigibt. Auf ihnen sei zu sehen, dass bin Laden eine Schusswunde am Kopf erlitten habe, so der Sender. Er sei auf den Aufnahmen eindeutig zu erkennen, zitiert CNN US-Regierungsbeamte.

Nach dem Tod bin Ladens rief US-Außenministerin Hillary Clinton die Taliban in Afghanistan zur Abkehr von al-Qaida auf. "Unsere Botschaft an die Taliban bleibt die gleiche, aber heute hat sie ein noch größeres Gewicht: Ihr könnt uns nicht ermüden, ihr könnt uns nicht besiegen, aber ihr habt die Wahl, al-Qaida zu verlassen und an einem friedlichen politischen Prozess teilzunehmen", sagte Clinton. Der aus Saudi-Arabien stammende al-Qaida-Führer bin Laden war jahrelang von den Taliban beschützt worden.

Die USA würden in Afghanistan weiter gegen al-Qaida und die mit ihnen verbündeten Taliban kämpfen, sagte Clinton. Auch die Unterstützung für das afghanische Volk werde fortgesetzt. Ziel sei eine afghanische Regierung, die stark genug sei, selber die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Unterdessen warnte auch CIA-Direktor Leon Panetta vor Racheanschlägen: "Die Terroristen werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit versuchen, ihn zu rächen."