Sudan, Georgien, Kosovo – die deutsche Bundespolizei schickt weltweit ihre Beamten in den Einsatz . Stolz präsentiert die Behörde im Internet die zahlreichen Missionen, an denen deutsche Polizisten teilnehmen. Ein Einsatz bleibt jedoch unerwähnt: die Ausbildung von Sicherheitskräften in Saudi-Arabien. 79 Bundespolizisten kamen seit 2009 in Saudi-Arabien zum Einsatz, um Grenzpolizisten zu trainieren – so heißt es zumindest offiziell auf Anfrage des Tagesspiegels .

Doch die Deutschen schulen die Saudis nicht nur für die Kontrolle von Fahrzeugen, die Fahndung nach Verdächtigen oder die Suche nach geschmuggelten Drogen und Waffen.

Filmaufnahmen, die dem MDR vorliegen, zeigen, dass saudische Polizisten auch für sogenannte Großlagen wie Demonstrationen ausgebildet werden. Und sogar das Erstürmen von Häusern soll mit deutschen Ausbildern trainiert worden sein – mit Sturmgewehren im Anschlag.

Wie brutal die saudischen Sicherheitskräfte gegen Protestierende vorgehen, zeigten sie jüngst, als sie die Demokratiebewegung im Nachbarland Bahrain niederschlugen. Ob daran auch von Deutschen ausgebildete Sicherheitskräfte beteiligt waren, ist unklar. 
Ungeklärt bleibt auch, mit welchen Behörden die Bundespolizei in Saudi-Arabien zusammenarbeitet – bislang hieß es, dass ausschließlich mit Grenzschutzbeamten kooperiert werde. Doch nach einem Bericht des ARD-Magazins Fakt , der an diesem Montag ausgestrahlt wird, ist auch der saudische Geheimdienst bei der Grenzsicherung eingebunden.

Die Opposition im Bundestag interessiert sich nun brennend dafür, was die Bundespolizei genau in der arabischen Wüste macht. Die Fraktion der Linkspartei stellte vor wenigen Tagen eine Anfrage, wer den saudischen Grenzschutz kontrolliere und wie dieser ausgerüstet sei. Eine Antwort der Bundesregierung liegt noch nicht vor. Fest steht, dass die Grenzer mit automatischen Gewehren bewaffnet sind und paramilitärisch eingesetzt werden – das zeigen die Bilder von Fakt .

Geheimdienst und Sicherheitskräfte gehen in Saudi-Arabien hart gegen alle Kritiker der Regierung vor. In dem streng islamischen Staat, in dem König Abdullah als absoluter Monarch herrscht, wird in Gefängnissen gefoltert, öffentliche Auspeitschungen und Hinrichtungen sind gängige Strafen. Im Jahresbericht 2011 von Amnesty International wird zudem angeprangert, dass Saudi-Arabien die Todesstrafe vollstreckt.

Pikant an der Bundespolizeimission ist zudem, dass sie eng an einen Großauftrag für die Rüstungsindustrie gebunden scheint. Die Regierung in Riad schrieb vor drei Jahren einen Auftrag für eine Grenzanlage mit Gräben, Zäunen, Mauern, Bewegungsmeldern, Kameras, Bodenradar und Satellitenüberwachung aus. Eine Strecke von 9000 Kilometern sollte gesichert werden – vor allem die Grenzen zum Jemen im Süden, wo Al Qaida Ausbildungslager unterhält, und zum Irak im Norden, wo mehrere Terrorgruppen aktiv sind.