Amsterdam, als jeder noch durfte: Touristen rauchen Haschisch vor einem Coffeeshop. © AFP/Getty Images

"Das Van Gogh Museum und die Coffeeshops natürlich" – auf diese Formel reduzierte einst ein amerikanischer Rucksacktourist die Sehenswürdigkeiten der niederländischen Hauptstadt. Ein Spliff an der Gracht, das gehört zum Standardprogramm der meisten Amsterdam-Touristen.

Den geographisch Begünstigten aus Nordrhein-Westfalen, Belgien oder Nordfrankreich reichte oft genug allein der Coffeeshop, wenn sie sich aufmachten um in den grenznahen Städten, in Maastricht, Terneuzen oder Roosendaal, Haschisch und Marihuana zu kaufen. Erst kamen Linke, Alternative und Zivildienstleistende. Dann wurde Kiffen mehrheitsfähig – und der Cannabistourismus nahm ungeahnte Dimensionen an.

All das soll nächstes Jahr der Vergangenheit angehören. Am Freitag skizzierte Ivo Opstelten, Justizminister der konservativen Regierung in Den Haag, die Grundzüge eines neuen Modells: Coffeeshops sollen geschlossene Gesellschaften werden, zugänglich für maximal jeweils 1.000 oder 1.500 Mitglieder. Anders als die meisten Schlagzeilen glauben machen, können auch Ausländer den sogenannten "Graspass", der zum Zutritt berechtigt, erwerben – sofern sie volljährig und in den Niederlanden gemeldet sind.

"Das Kabinett erwartet", so eine Pressemitteilung, "dass die Schließung der Coffeeshops es für ausländische Drogentouristen nicht mehr attraktiv macht, für Cannabis in die Niederlande zu kommen."

Diese Maßnahmen werden das Bild der Niederlande im Ausland nachhaltig verändern, bedeuten sie doch nicht weniger als das Ende des Coffeeshops, wie man ihn kannte. Eine kulturelle Institution wird zum Auslaufmodell, und der Ansatz, für den sie steht, die Duldung des Verkaufs und Konsums weicher Drogen geboren aus dem liberalen Geist der 1970er Jahre, wird in Teilen gleich mit entsorgt.

Überraschend kommt diese Entwicklung allerdings nicht: Seit Jahren ist die "Gedoogpolitiek", die Duldungspolitik, unter Beschuss. Viele konservative Politiker sind gegen den Konsum von Haschisch und Marihuana und würden Coffeeshops am liebsten gleich abschaffen.

In Grenzgemeinden gibt es zudem Unmut über Belästigungen, Verkehrsprobleme und Falschparker, die der stetige Zustrom aus den Nachbarländern mit sich bringt. 25.000 Drogentouristen, heißt es, besuchten wöchentlich die Städte Roosendaal und Bergen op Zoom, in der Provinz Noord-Brabant nahe der belgischen Grenze gelegen. Coffeeshopbetreiber halten diese Zahlen für übertrieben. Doch die Kommunen in der Provinz Noord-Brabant erklärten im September 2009 die Duldungspolitik für beendet und schlossen alle Coffeeshops auf ihrem Gebiet.