Flüchtlinge EU will Grenzkontrollen im Schengen-Raum erleichtern

Angesichts der Ankunft von Flüchtlingen aus Nordafrika plant die EU eine Reform des Schengen-Abkommens. Zusätzliche Grenzkontrollen sollen zeitweilig möglich sein.

Ein Wachturm an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei

Ein Wachturm an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei

Die EU-Kommission ist bereit, vorübergehende Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums zu erleichtern. Die "historischen Ereignisse" in Nordafrika hätten gezeigt, "dass die EU eine starke gemeinsame Asyl- und Migrationspolitik benötigt", sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. "Um die Stabilität des Schengen-Raums zu schützen, könnte es nötig sein, für sehr außergewöhnliche Situationen die vorübergehende Wiedereinführung von begrenzten internen Grenzkontrollen zu planen", sagte sie. Als Beispiel nannte Malmström den Fall, dass die Schengen-Außengrenze "unter starken unerwarteten Druck gerät".

Hintergrund für Malmströms Äußerungen ist die Ankunft Tausender Flüchtlinge aus Nordafrika, viele davon aus Tunesien, die nach den politischen Unruhen in der Region ihre Heimatländer verlassen haben und über das Mittelmeer nach Italien und Malta gekommen sind. Auf der italienischen Insel Lampedusa waren rund 25.000 nordafrikanische Flüchtlinge gelandet und hatten eine heftige Diskussion unter den 27 EU-Ländern über die Migrationspolitik der Europäischen Union ausgelöst.

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Die EU müsse ihrer Bestimmung treu bleiben, "ein sicherer Zufluchtsort für die Schutzbedürftigen" zu sein, forderte Malmström. Solidarität und eine bessere Zusammenarbeit mit den nordafrikanischen Ländern sei nötig. Die Innenkommissarin schlägt vor, einerseits die gezielte Einwanderung von in Europa benötigten Arbeitskräften zu erleichtern, andererseits mit den Ländern in der südlichen Nachbarschaft der EU die Rückführung ihrer illegal eingereisten Landsleute zu verabreden.

Malmström ruft die EU-Mitgliedsländer auf, die besonders von der illegalen Einwanderung betroffenen Staaten wie Italien, Malta oder Griechenland nicht im Stich zu lassen. Dazu gehörten bessere Kontrollen der Außengrenzen, mehr Geld für die Reaktion in Krisenfällen, eine Verteilung der Lasten etwa beim Einsatz von EU-Agenturen wie der Grenzschutztruppe Frontex und eine gemeinsame Asylpolitik.

Die Innenkommissarin setzt sich seit Langem für eine solidarische Lastenverteilung unter allen 27 EU-Mitgliedsländern in der Flüchtlingspolitik ein. Eine Aufteilung von Ankömmlingen nach Quoten unter allen Mitgliedsländern lehnen mehrere Länder ab, darunter Deutschland. Bislang ist für einen Flüchtling das Land zuständig, über das er die EU erreicht.

Malmström schlägt nun einen Notmechanismus für den Fall vor, dass ein Land nicht in der Lage ist, die Schengen-Außengrenzen zu schützen. Dazu könne "unter bestimmten Bedingungen" die Wiedereinführung von Grenzkontrollen zwischen den Schengen-Ländern gehören. Bislang kann ein Schengen-Land die Passkontrollen vorübergehend bei "einer schwerwiegenden Bedrohung der öffentlichen Ordnung oder inneren Sicherheit" wieder einführen. Damit können etwa Randalierer vom Besuch eines Fußballspiels abgehalten werden.

 
Leser-Kommentare
    • Thetis
    • 04.05.2011 um 16:51 Uhr

    [...]

    Und über die Definition von "Flüchtling" sollte auch noch mal gesprochen werden.

    Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/sh

    Eine Leser-Empfehlung
    • Danny
    • 04.05.2011 um 20:34 Uhr

    Diejenigen, die den angeblichen "Überwachungswahn" anprangern, müssten jetzt aufschreien. Als Bürger der Europäischen Union genießen wir das Recht, uns überall in der EU aufzuhalten, ohne dass jemand routinemäßig zu fragen hat, was wir denn in dem einen oder anderen Staat zu suchen hätten. Ein auch ökonomisch völlig sinnloses, extensives Netzwerk von Kontrollposten im Binnenland wurde auf unserem Kontinent völlig zu Recht aufgegeben. Und nun sollen wegen ein paar Nordafrikanern (laut BMI 36 bisher in Deutschland, wovon 19 sämtliche Aufenthaltsvoraussetzungen für Deutschland - insbesondere ausreichende finanzielle Mittel - erfüllten) diese Dinge scheibchenweise aufgegeben werden? Und was dann kommt, ist doch klar. Da prüft man mal routinemäßig, wenn Frank Schmitz von Deutschland nach Österreich fährt und in eine solche Kontrolle gerät, auch mal die Fahndungscomputer etc. Und dies alles, weil man die "Massenzustromrichtlinie" nicht anwenden will, die seit 2001 eigentlich vorsieht, dass besondere Lasten von Zuströmenden in der EU verteilt werden, wenn es mal so weit ist. Nicht zu vergessen: Diese Kontrollen kosten den Steuerzahler mehr als 500 Nordafrikaner, die man mal in unserem Land aufnimmt - und die zu einem guten Teil auch mehr gelernt haben als "Straße kehren".

    • EricB.
    • 04.05.2011 um 22:39 Uhr

    Faktisch läuft der Vorschlag auf einen Ausbau der „Festung Europa“ und ein riskantes „Spiel mit Grenzen“ hinaus, das langfristig zu einer Erosion des Schengen-Abkommens führen könnte. Politisch setzt die EU das Signal, dass nationaler Egoismus und „innere Sicherheit“ wichtiger sind als Solidarität nach innen und nach außen (sprich: für das postrevolutionäre Tunesien).
    mehr auf lostineurope.posterous.com

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