Nahost Palästinenser besiegeln ihre Versöhnung

Die Fehde ist beigelegt: Die langjährigen Rivalen von Fatah und Hamas unterzeichneten ein Versöhnungsabkommen. Ein Streit ums Protokoll überschattete die Zeremonie.

Jahrelang bekämpften sich die Palästinenser-Gruppen Fatah und Hamas. Nun haben sie ihre Fehde feierlich beigelegt und in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ein Versöhnungsabkommen unterzeichnet. "Wir verkünden den Palästinensern, dass wir die schwarze Seite der Spaltung für immer zuschlagen", sagte Palästinenser-Präsident und Fatah-Chef Mahmud Abbas. Hamas-Chef Chalid Meschaal sagte, seine Gruppe sei "bereit, jeden Preis zu zahlen" für die Versöhnung der Palästinenser. Ziel sei ein unabhängiger, souveräner Palästinenserstaat auf dem Gebiet des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens mit Jerusalem als Hauptstadt.

Das Abkommen beendet eine mehrjährige Periode bitterer Feindschaft zwischen beiden Organisationen. Die radikal-islamische Hamas kontrolliert den Gaza-Streifen, die gemäßigtere Fatah von Abbas das Westjordanland. Zeitweise war der Konflikt sogar in blutige bewaffnete Auseinandersetzungen ausgeartet. Der unter ägyptischer Vermittlung zustande gekommene Friedensschluss sieht nun den Aufbau einer unabhängigen Übergangsregierung, Wahlen innerhalb eines Jahres und die Freilassung von Gefangenen der jeweils anderen Seite vor. Auch mehrere kleinere palästinensische Fraktionen, sowie unabhängige Politiker schlossen sich dem Versöhnungspakt an. Die Vereinbarung soll zudem den Weg zu einem unabhängigen Palästinenserstaat ebnen. Die Leitung der Verhandlungen mit Israel liegt weiter bei Abbas.

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Allerdings verzögerte eine Unstimmigkeit die Zeremonie in Kairo. Abbas wollte Delegationskreisen zufolge während der Feier nicht mit Meschaal gemeinsam auf dem Podium sitzen, sondern die Position an hervorgehobener Stelle im Konferenzsaal allein einnehmen, um seinen Status als Präsident zu unterstreichen. Meschaal nahm schließlich im Auditorium Platz und trat dann für seine Ansprache ans Podium. Es waren auch nicht die beiden Organisationschefs, sondern niederrangige Vertreter beider Seiten, die das Abkommen unterzeichneten.

Israels Regierung hatte bis zuletzt versucht, das Abkommen zu verhindern. Sie befürchtet, dass Hamas ihren Einfluss auf das Westjordanland ausdehnen kann. Die radikalen Islamisten lehnen das Existenzrecht Israels ab und wollen sich bislang auch nicht dazu verpflichten, die bisher geschlossenen Friedensabkommen mit dem jüdischen Staat anzuerkennen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte Abbas daher am Dienstag noch einmal auf, die Zusammenarbeit mit Hamas umgehend aufzukündigen und "den Weg des Friedens mit Israel" zu wählen. Zivilschutzminister Matan Vilnai sagte, Hamas und Fatah seien sich "über nichts einig". Das habe gerade erst wieder die Reaktion auf den Tod von Terrorchef Osama bin Laden gezeigt. So hatte der Fatah-Regierungschef Salam Fajad den Tod des al-Qaida-Anführers begrüßt, während Hamas den US-Angriff verurteilt und zudem Zweifel am Tod bin Ladens geäußert hatte.

Leser-Kommentare
  1. Es passiert etwas, und das muss so sein. Nur ist die Frage, ob es Gutes oder Schlechtes mit sich bringt.

    Alle Kritiker Israels und alle Befürworter dieser Vereinigung sollten nicht vergessen: Hamas ist eine radikale terroristische Organisation, die Ansätze zu einer friedlichen Lösung des Konflikts zurückweist und den globalen Jihad unterstützt. Daran hat sich durch den Zusammenschluss NICHTS geändert.

    Zur Tötung Bin Ladens durch die USA sagte Hamas-Ministerpräsident Ismail Haniyeh: "Wir betrachten dies ... als eine Fortsetzung der auf Unterdrückung und dem Vergießen von muslimischem und arabischem Blut basierenden US-Politik. Trotz Meinungsunterschieden innerhalb der arabischen und islamischen Welt verurteilen wir die Ermordung eines heiligen arabischen und muslimischen Kriegers ganz entschieden. Möge Allah ihm gnädig sein, und möge er seinen rechtmäßigen Platz mit den Märtyrern und Gerechten einnehmen."

    Es mag sein, dass Allah groß und gnädig ist, aber ich glaube nicht an ihn. Ich glaube nicht, dass ein Land nach religiösem Gesetz regiert werden sollte, das Freiheit und Gleichheit mit Füßen tritt. Ich glaube nicht, dass man einen "wahren Glauben" mit Feuer und Schwert verbreiten sollte. Ich glaube nicht, dass man Frauen anders behandeln sollte als Männer und Christen anders als Muslims.

    Stattdessen glaube ich an Freiheit und Frieden. Und da die Hamas und ihre Freunde anderer Meinung sind, halte ich sie für brandgefährlich.

  2. Gut, dass Fatah und Hamas den Wind der durch die Muslimischen Despoten-Staaten weht fühlen. Vielleicht erkennen sie, dass sie, wenn sie so weiter machen, am Ende auch von den Palästinensern aus ihren lukrativen Pöstchen gejagt werden.
    Jedoch ist die Annäherung schwierig. Auf der einen Seite die Fatah, die durchaus bereit ist einen politischen Kompromiss zu finden, auf der anderen Seite die Hamas, die nicht nur Israel aus der arabischen Halbinsel vertreiben will, sondern auch furchtlos und diktatorisch in den Palästinensergebieten Gewalt einsetzt um ihre Machtposition zu stärken.
    Die Welt wird gespannt auf diesen Krisenherd schauen, wenn es abseits der schönen Fotos um die nächsten Schritte geht, wie man mit Isreal umgehen möchte. Auf Dauer können Hamas und Fatah ihre Meinungsunterschiede diesbezüglich nicht ignorieren.

  3. Der Israelische Friedensaktivist Uri Avnery hat eine Interessante Erklärung für den schnellen, wenn nicht gar plötzlichen Zusammenschluss parat: Fatah hat seinen Schutzherrn Hosni Mubarak verloren und Hamas seinen, nämlich Bashar Al-Assad. Da ist es schon besser sich zusammenzuschliessen als alleine dazustehen.
    Erstmal müssen die beiden Organisationen beweisen daß sie wirklich miteinander können. Wenn dann die Fatah dann Hamas Häftlinge freilässt muß sich zeigen ob dies nicht zu neuen Terroranschlägen gegen Israel führt.
    Es scheint richtig wenn alle Palästinenser wieder von einer gemeinsamen Führung vertreten werden, ich hoffe Uri Avnery hat recht und die Hamas wird wegen fehlender Rückendeckung einsehen daß sie besser dasteht wenn sich mit der Realität des existierenden Staates Israel abfindet und wie die Fatah auf Verhandlungen setzt.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Indikator für irgendeine Aussage. Zumal, wenn sie von einem einzelnen Hamasvertreter getätigt wird.

    Zumindest glaube ich, dass in Deutschland sich nicht alle Menschen, nicht mal alle Regierungspolitiker "freuen", dass Bin Laden tot ist. Auch wenn es unsere Bundeskanzlerin Merkel exakt mit diesem Wort als Statement für die internationale Bühne als Reaktion Deutschlands bezeichnete. („Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“)

    Wie differenziert (und gar entgegengesetzt) dieser Aussage die Meinungen selbst in der Regierung und der Partei der Kanzlerin sind, war ja zu lesen.

    Und wenn die Aussagen der zwölfjährigen Tochter stimmen sollten, dass Bin Laden erst lebend gefasst und dann vor den Augen der Familie hingerichtet wurde, dann sollten wir alle mal ganz tief in uns gehen und ergründen, wann wir jubeln und wann wir verurteilen...
    http://www.tagesspiegel.d...

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke. Die Redaktion/er

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    "Die Reaktion auf Bin Ladens Tod taugt wohl kaum als
    Indikator für irgendeine Aussage. Zumal, wenn sie von einem einzelnen Hamasvertreter getätigt wird."

    Hier die offizielle englisch-sprachige Hamas-Seite mit der ersten offiziellen Stellungnahme der Hamas zum Tod des Al Qaida-Führers Osama Bin Laden:

    http://www.qassam.ps/news...

    Darin wird Bin Laden von der Hamas-Führung öffentlich und hochoffiziell als "Sheikh", als "arabischer heiliger Krieger" und als "muslimischer Mujahed" (Märtyrer) geehrt.

    "Die Reaktion auf Bin Ladens Tod taugt wohl kaum als
    Indikator für irgendeine Aussage. Zumal, wenn sie von einem einzelnen Hamasvertreter getätigt wird."

    Hier die offizielle englisch-sprachige Hamas-Seite mit der ersten offiziellen Stellungnahme der Hamas zum Tod des Al Qaida-Führers Osama Bin Laden:

    http://www.qassam.ps/news...

    Darin wird Bin Laden von der Hamas-Führung öffentlich und hochoffiziell als "Sheikh", als "arabischer heiliger Krieger" und als "muslimischer Mujahed" (Märtyrer) geehrt.

  5. Nur ist es Israel immer noch nicht. [...]

    Gekürzt. Bitte beteiligen Sie sich konstruktiv. Danke. Die Redaktion/er

    Eine Leser-Empfehlung
  6. [...]

    Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/er

  7. ... zwischen der Hamas (die gerade erst die Tötung Osama Bin Ladens scharf verurteilt hat, und die diesen islamistischen Massenmörder nun als "herausragen Führer aller Araber und Muslime" und als "muslimischen Märtyrer" auch ihres "Dschihad" feiert) und der taktisch etwas gemäßigteren Fatah/PLO, deren ideologische Basis der mit dem Islamismus erbittert konkurrierende Panarabismus ist.

    Beide feindliche palästinensische Konkurrenten fanden nur auf massiven äußeren Druck zusammen, und sie gehen das nun verkündete friedensfeindliche Bündnis miteinander nur ein, weil sie beide jeweils politisch und strategisch schwer angeschlagen und stark geschwächt sind.

    Das Israel mit einer von den vernichtungsantisemitischen und friedensverneinenden Hamas-Dschihadisten dominierten Palästinenserführung nichts zu verhandeln hat, dürfte allgemein nachvollziehbar und klar sein.

    Mit fanatischen Dschihad-Terroristen, die einen gewaltsam auslöschen wollen und die jeglichen Frieden mit "Ungläubigen" kategorisch ablehnen, gibt es einfach nichts zu verhandeln.

    Abbas lässt sich durch sein jetziges Zugehen auf die Hamas mit ziemlicher Sicherheit auf jene skrupellosen Hamas-Putschisten ein, die ihn und seine Fatah/PLO demnächst auch im Westjordanland gewaltsam abservieren werden.

    Zumindest wird Hamas dies versuchen.

    Spätestens dann mündet die Heute "besiegelte" "palästinensische Einheit" wieder in ihren Normalzustand:

    Den innerpalästinensischen Bruderkrieg.

    Eine Leser-Empfehlung
  8. "Die Reaktion auf Bin Ladens Tod taugt wohl kaum als
    Indikator für irgendeine Aussage. Zumal, wenn sie von einem einzelnen Hamasvertreter getätigt wird."

    Hier die offizielle englisch-sprachige Hamas-Seite mit der ersten offiziellen Stellungnahme der Hamas zum Tod des Al Qaida-Führers Osama Bin Laden:

    http://www.qassam.ps/news...

    Darin wird Bin Laden von der Hamas-Führung öffentlich und hochoffiziell als "Sheikh", als "arabischer heiliger Krieger" und als "muslimischer Mujahed" (Märtyrer) geehrt.

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    all dieses stereotype Gelaber von Moral vor dem Hintergrund u.a. mit dem Folterer Mubarak bis vor wenigen Monaten gute politische und wirtschaftliche Beziehungen gehabt zu haben...

    Osama bin Laden wird mit zwei Schüssen in den Kopf hingerichtet. Hamas kritisiert das. Iran sagt Bin Laden war eh nur eine westliche Puppe, Angela Merkel freut sich über die Hinrichtung, und Nethanjahu sagt:"die Einigung von Fatah und Hamas sei ein Sieg des Terrorismus"
    http://www.haaretz.com/ne...

    and "Israel werde nicht mit der palästnensischen Version von Al Kaida verhandeln"..
    http://www.haaretz.com/ne...

    Was nun?
    Ist Ägypten nach Folter-Mubarak nun neuer Feind der demokratischen Welt?
    Sind Völkerrechtler und Kirchenvertreter Hamas Sympathisanten?
    Sind die Navy Seals eine geheime Kommandotruppe des Irans in den USA?
    Ist Angela Merkel muslimisch, weil sich auch viele Muslime über Bin Ladens Tod freuen?
    Sind die USA Terroristen, da sie Killerkommandos aussenden?
    Sind Abbas, Fatah etc. Deutsche oder US- Amerikaner, weil sie Osama bin Ladens Ende begrüssen?

    [...]

    Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/er

    all dieses stereotype Gelaber von Moral vor dem Hintergrund u.a. mit dem Folterer Mubarak bis vor wenigen Monaten gute politische und wirtschaftliche Beziehungen gehabt zu haben...

    Osama bin Laden wird mit zwei Schüssen in den Kopf hingerichtet. Hamas kritisiert das. Iran sagt Bin Laden war eh nur eine westliche Puppe, Angela Merkel freut sich über die Hinrichtung, und Nethanjahu sagt:"die Einigung von Fatah und Hamas sei ein Sieg des Terrorismus"
    http://www.haaretz.com/ne...

    and "Israel werde nicht mit der palästnensischen Version von Al Kaida verhandeln"..
    http://www.haaretz.com/ne...

    Was nun?
    Ist Ägypten nach Folter-Mubarak nun neuer Feind der demokratischen Welt?
    Sind Völkerrechtler und Kirchenvertreter Hamas Sympathisanten?
    Sind die Navy Seals eine geheime Kommandotruppe des Irans in den USA?
    Ist Angela Merkel muslimisch, weil sich auch viele Muslime über Bin Ladens Tod freuen?
    Sind die USA Terroristen, da sie Killerkommandos aussenden?
    Sind Abbas, Fatah etc. Deutsche oder US- Amerikaner, weil sie Osama bin Ladens Ende begrüssen?

    [...]

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