Auf den ersten Blick wirkt Heinz-Christian Strache fesch und charmant: Den Schal stets modisch um den Hals gelegt, Party-gestählt, die Gesichtsfarbe von auffälligem Braun. Auf der Internetseite der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) lässt sich der Partei-Obere öffentlichkeitswirksam als unerschrockener Comic-Held feiern. Die Botschaften freilich haben es in sich: Als Supermann im kornblumenblauen Dress übt er sich siegesgewiss im Kampf für ein vermeintlich besseres Österreich – gegen Sozialschmarotzer, gegen Ausländer, gegen die Vertreter der etablierten Parteien.

Die leisen Töne sind Straches Sache nicht: Die Freiheitlichen haben in den letzten Jahren immer wieder offen rassistische, fremdenfeindliche, ja auch antisemitische Untertöne verbreitet. Das Metier der FPÖ ist der Hass und das Ressentiment. Es ist eine Mischung aus Europakritik, Fremdenhetze und strammer Islamphobie, gewürzt mit diffusen Ängsten vor Zuwanderern, mit denen Strache und seine Mannen das gesellschaftliche Klima vergiften, unter dem Beifall vieler Österreicher. Und so schießen die kruden Botschaften seit Jahren wie Kanonendonner durchs pittoreske Alpenland: "Pummerin statt Muezzin" (Pummerin heißt die Glocke im Wiener Stephansdom), "Deutsch statt nix versteh'n", "Abendland in Christenhand".

Straches oberstes Prinzip ist die perpetuierte Provokation, das stete Verrücken jener Grenzen, die markieren, was in einer Demokratie eigentlich noch erlaubt ist und was nicht. Strache reizt aus, er düpiert, er verhöhnt. Beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem etwa trug er nicht irgendeine Kopfbedeckung, sondern die Kappe der deutschnationalen pennalen Burschenschaft Vandalia, in der er Mitglied ist. Geistiger Vandalismus im Angesicht von Millionen von Holocaust-Opfern könnte nicht deutlicher zum Ausdruck gebracht werden.

Während sich die NPD in Deutschland gezielt gegen die demokratische Grundordnung richtet ("Das System hat keine Fehler, das System ist der Fehler"), beschreitet die FPÖ einen anderen, indes nicht minder gefährlichen Weg: Sie nutzt gezielt das demokratische System mit all seinen Freiheiten, um es nach ihren Vorstellungen mit rechtsextremen Inhalten zu untergraben. Es gab Momente, da stand der gelernte Zahntechniker Strache mit Kruzifix bewaffnet in der Öffentlichkeit und wetterte gegen den Islam, als wäre der Teufel persönlich hinter ihm her.

Es gab Momente, da zeigte er den Kühnen-Gruß, das Erkennungszeichen der Neonazis, und erklärte anschließend scheinheilig, er habe doch lediglich drei Bier bestellt. Und es gab Momente wie im zurückliegenden Wien-Wahlkampf, als seine Partei sich nicht scheute, mit an Rassenlehre und Eugenik angelehnten Parolen auf Stimmenfang zu gehen: "Mehr Mut für unser Wiener Blut", tönte es von den FPÖ-Wahlplakaten. "Zu viel Fremdes tut niemandem gut."

Anderswo würden derartige Entgleisungen das Ende einer politischen Karriere einläuten – nicht so in Österreich. In Wien kam die FPÖ im vergangenen Herbst auf 27 Prozent der Stimmen. Und auch landesweit scheint der Aufstieg des strammen Rechtsaußen ungebremst: Derzeit liegt die Strache-Partei nach einer Umfrage des österreichischen Meinungsforschungsinstitutes OGM mit 29 Prozent vor der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ, 28 Prozent), gefolgt von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) – rund zwei Jahre vor den nächsten Nationalratswahlen ist das eine Premiere in Nachkriegs-Österreich.